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29. Januar 2026
Selig sind die… (I)
Matthäus 5,1-6
Leitvers 3: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“
Die Seligpreisungen sind der erste Teil der Bergpredigt Jesu in Kap. 5-7. Manche nennen diese Seligpreisungen die Verfassung des Himmelreiches. Sie sind Fundamente des glücklichen Lebens als Christen. Wir wollen heute durch den ersten Teil der Seligpreisungen erfahren, wie wir glückselig sein können.
Es gibt zwei gegensätzliche Meinungen über die Seligpreisungen: Einige meinen, dass Christen diese Seligpreisungen auf sich beziehen sollen. Andere meinen, dass Christen keine extra Mühe brauchen, um die Seligpreisungen auf sich zu beziehen, weil es für Menschen sowieso unmöglich ist, diese Seligpreisungen zu befolgen. Überwiegende Christen folgen der zweiten Meinung und sind nicht besonders glückselig.
Die Bibel aber ermutigt uns dazu, dass wir diese Seligpreisungen ernstnehmen sollen, um glückselig leben zu können. Weiterhin ermutigt sie uns dazu, dass wir, falls wir ihnen nicht gut befolgen können, uns nicht verdammen, sondern unsere Schuld gestehen und Gottes vergebende Gnade dankbar annehmen. Wir sollen diese Seligpreisungen also nicht gesetzlich betrachten, sondern aus der Gnade Christi betrachten.
Jesus will uns mit den Seligpreisungen dazu helfen, die Seligkeit in Christus zu genießen.
Wir wollen heute von der ersten bis zur vierten Seligpreisung kennenlernen.
Seine erste Seligpreisung lautet: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“
Wir können das Wort Seligkeit als Glückseligkeit verstehen.
Gott möchte, dass wir glücklich sind, aber Gottes und die weltliche Definition von Glück sind grundverschieden. Viele denken zum Beispiel: Glücklich sind die, die sich Reichtum und Vorteile verschaffen und erfolgreich sind. Doch Jesus sagt: „Glücklich sind die, die ihre geistliche Armut erkennen, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Geistige Armut bedeuten, dass man sich vor Gott betrachtet und gegenüber Gottes Reichtum seine eigene Armut und Sündenhaftigkeit erkennt und vor Gott demütig ist. Anders ausgedrückt: Ein geistlich armer Mensch erkennt, dass er vor Gott arm und schuldig ist von der Gnade der Vergebung Gottes lebt. Und das ist die wahre Realität.
Zu jener Zeit hielten Pharisäer sich selbst für geistlich reich, weil sie Gesetze scheinbar einwandfrei einhielten. Sie hatten kein Verständnis für schwache Menschen. Sie kannten weder Gottes Gnade noch die Freude des Himmelreiches.
Jesus will nicht, dass wir uns einbilden, geistlich reiche Menschen zu sein. Vielmehr will er, dass wir unsere geistliche Armut und unsere Sünde erkennen und die Gnade Gottes dankend annehmen. „Geistlich Arme“ sind also diejenigen, die ihre geistliche Armut erkennen und die Gnade der Vergebung Gottes dankbar annehmen. Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um den geistlich armen Menschen die Vergebung und sein Himmelreich zu schenken.
Unser Gott ist gnädig. Er vergibt allen bußfertigen Menschen ihre Schuld gerne und schenkt ihnen sein Himmelreich. Das Himmelreich bedeutet die Herrschaft Gottes. Sowohl auf dieser Erde als auch im Himmel können wir die Herrschaft Gottes erleben. Wenn Gott über uns herrscht, haben wir Frieden und ewiges Leben. Das Himmelreich ist das beste Geschenk Gottes für uns. Wir empfangen das Himmelreich nicht durch unsere guten Taten, sondern durch Buße und Glauben an Christus. Wer geistlich arm ist, nimmt Vergebung und Himmelreich dankend an. Solch ein Mensch ist wirklich glückselig.
Im Allgemeinen stehen Menschen in Deutschland in mancher moralischer Hinsicht besser da als die in Afrika oder Asien. Beispielsweise ist die Korruption in Deutschland nicht so schlimm wie in vielen anderen Ländern. Deswegen haben sie angeblich gute Gründe, selbstgerecht zu sein. Problem ist, dass sie „geistlich reich“ sind. Sie haben wenig Interesse für Gottes Wort und ewiges Leben. Sie lehnen die Einladung zum Bibelstudium oder zum Gottesdienst ab. Sie sind wie der ältere Bruder des verlorenen Sohns in Lukas 15. Aber selig ist der verlorene Sohn, der Buße tut und das Evangelium dankend annimmt. Es gibt doch in Deutschland Menschen, die geistlich arm sind. Wir sollen sie suchen und einladen.
Alle Menschen brauchen Gottes Gnade in Christus. Jeder soll seine geistliche Armut erkennen und das Angebot des Himmelreichs dankbar annehmen.
Die zweite Seligpreisung heißt: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“
Jesus sagt, dass die Menschen, die Leid tragen, selig sind. Die Menschen, die da Leid tragen, bedeuten zunächst diejenigen, die wegen ihrer eigenen Sünde Leid tragen und Buße tun.
David zeigt uns ein gutes Beispiel. Als Prophet Natan David für den Ehebruch mit Batseba und den Mord ihrem Mann tadelte, tat David Buße und trug einige Tage Leid.
Damals sagte David: „Gott, sei mir gnädig nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir“ (Ps. 51,2-4).
Seine Sünde zu gestehen und dafür Buße zu tun – das ist für jeden Menschen schwer. Aber David tat das und empfing Gottes Vergebung und seinen Segen. Gott machte ihn zu einem Vorfahren Christi, sodass alle Menschen der Welt durch Christus die Vergebung und das ewige Leben empfangen können. Das ist ein ermutigendes Beispiel der Buße.
Die Menschen aber, die trotz ihrer Sünde lachen, werden nicht mehr lachen können, denn sie werden das gerechte Gericht Gottes sicher erleiden. Es ist weise, dass wir für unsere Sünde Buße tun und eine kurze Zeit lang Leid tragen. Wir werden dann Vergebung, Trost und Segen reichlich erfahren. Wir sollen nicht hinauszögern, für unsere Sünde Leid zu tragen und Buße zu tun. Gott wird uns vergeben, trösten und segnen.
Wir sollen aber nicht nur wegen unserer Sünde traurig sein, sondern auch wegen der Sünde anderer Menschen. Deshalb gehört dazu nicht nur Schmerz wegen der eigenen Sünde, sondern auch wegen der Sünde anderer Menschen und der Welt, die den Christus ablehnen und in der Sünde leben. Wir werden dann vom Herrn getröstet werden. Spätestens werden wir am Tag unserer Auferstehung getröstet werden, wenn Gott "jede Träne von ihren Augen abwischen" wird (Offb. 21,4). Wir sollen aber nicht nur wegen unserer eigenen Sünde Leid tragen. Wir sollen auch wegen der Sünde des Volkes Leid tragen.
Prophet Daniel zeigt uns ein gutes Beispiel. Er tat Buße für die Sünde seines Volkes und betete zu Gott: „Ach, Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen…“ (Daniel 9,4-5).
Und Gott vergab dem Volk Israel und sandte Jesus Christus als Messias.
Wir sollen für den Unglauben der Nordkoreaner traurig sein. Die Eltern von Kim Il-sung, dem Gründer des Nordkoreas, waren Christen. Aber Kim Il-sung wurde ungläubig und machte Nordkorea zu einer katastrophalen Hölle für die ganzen Nordkoreaner. Wir sollen über die Sünde und den Unglauben der Nordkoreaner traurig sein und Gott um seine Barmherzigkeit bitten.
Also sollen wir nicht nur für unsere eigenen Sünden Buße tun, sondern auch für die Sünden des koreanischen und des deutschen Volkes. Deutschland braucht Buße für seine Selbstgerechtigkeit. Korea braucht Buße für seine Selbstgefälligkeit. Wir sollen auch für die Sünde der Christenheit Buße tun und Gott um Vergebung bitten. Obwohl das Christentum als die größte Religion der Welt gilt, sind viele Christen selbstgefällig geworden. Wir sollen dafür Buße tun und demütige und dankbare Christen werden. Gott segnet dann die Christenheit reichlich. Gott möge aus uns demütige und dankbare Christen machen. Wir sollen auch wegen der ungläubigen Menschen der Welt traurig sein, damit Gott sich über sie erbarmt und sie rettet.
Jesus sagt seine dritte Seligpreisung: „Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.“
Auch Psalm 37,11 lautet: „Aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen und werden ihre Lust haben an Fülle von Heil“.
Wer sind die „Sanftmütigen“? Die Griechen beschrieben mit diesem Wort ein gut gezähmtes Pferd. Wenn ein Pferd nach seinem wilden Temperament tobt, ist es gefährlich, auf ihm zu reiten. Deswegen muss man das Pferd zuerst gut zähmen. Sanftmütige Menschen sind solche, die Gott durch seinen Geist und sein Wort gut gezähmt hat. Sanftmütige Menschen kennen die Erhabenheit Gottes und zugleich ihre Niedrigkeit. Deswegen werden wir vor Gott demütig. Sie vertrauen Gott und begegnen anderen Menschen mit Demut und Freundlichkeit. Daher können sie Leid und Schwierigkeiten gut ertragen und anderen Menschen mit Freundlichkeit und Geduld begegnen. Sie rächen sich nicht, sondern vergelten das Böse mit Güte.
Ein Beispiel des sanftmütigen Menschen in der Bibel war Mose. Die Bibel sagt, dass „Mose ein sehr demütiger Mensch war, mehr als alle Menschen auf Erden“ (4. Mose 12,3). Als er aber noch jung war, war er nicht demütig. Als er sah, dass ein Ägypter einen seiner Landsleute misshandelte, schlug er den Ägypter tot. Als Folge musste er in die Wüste fliehen und dort 40 Jahre als Flüchtling verbringen. Da wurde er mit Hilfe Gottes ein demütiger Mensch und konnte 40 Jahre lang sein Volk geduldig leiten und in die Richtung des Verheißungslands leiten.
In der Welt werden sanftmütige Menschen oft als dumme Leute betrachtet. Aber Jesus sagt: „Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich in Besitz nehmen.“ In anderen Worten sind sie wahre Leader.
Nehmen wir Isaak in der Genesis als Beispiel. Brunnen waren damals lebenswichtig für Tiere und Menschen. Die Philister nahmen Isaak die Brunnen. Er aber zankte mit ihnen nicht. Er gab ihnen nach, zog weiter und grub andere Brunnen. Als die Philister auch diese Brunnen beanspruchten, gab er nochmal nach, zog weiter und grub wieder neue Brunnen. Da erkannte Abimelech, der König der Philister, dass Gott mit Isaak war. Darum schloss er einen Friedensvertrag mit Isaak. Isaak war also wegen seiner Sanftmut der wahre Leader des Landes. Wie konnte Isaak Abimelech die Brunnen nachgeben? Ich denke, weil er zu Gott betete und Gott vertraute.
Der weltbekannte, britische Historiker Arnold Joseph Toynbee (1889-1975) sagte, dass nicht das Schwert siegt sondern die Sanftmut[1]. Es ist wahr, dass sanftmütige Menschen über eigensüchtige Menschen siegen und wahre Leader werden.
Jesus ist der sanftmütigste Mensch überhaupt. Er nahm alle Sünder der Welt herzlich an und starb für sie.
Dieser Jesus sagt zu uns: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt. 11,28-29).
Jesus sagte einmal, sein Joch auf uns zu nehmen und von ihm Sanftmut zu lernen. Was war sein Joch, und was ist Sanftmut? Im Willen des Vaters zu gehen, war sein Joch; Gott zu vertrauen, seine Autorität und seine Leitung anzuerkennen und seinem Willen zu folgen, das ist Sanftmut.
Wir sollen seine Leitung herzlich annehmen und ihr folgen. So können wir seine Sanftmut lernen.
Unter uns ist Renate als sanftmütig bekannt. Und sie übt durch ihre Sanftmut einen großen Einfluss aus in der Gemeinde, in der Praxis und in ihrer Familie. Sanftmut ist keine Schwäche, sondern wahre Stärke.
Wer anderen gut helfen will, muss sanftmütig sein. Da sollen wir von Jesus seine Sanftmut lernen. Jesus Christus ist der Herr über alle Wesen im Himmel und auf der Erde. Er ist doch sanftmütig und demütig. Demütig gehorchte er dem Willen Gottes und gab sein Leben für uns Sünder dahin. Gott hat ihn von den Toten auferweckt und ihn zum Herrn über Tote und Lebende gemacht. Darum konnten wir seine Jünger und seine Kinder werden und ihn „unseren Herrn“ rufen. Wir sollen seinem Beispiel folgen und sanftmütig sein.
Die vierte Seligpreisung heißt: „Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“
Jesus sagt, dass die, die nach der Gerechtigkeit dürsten, selig sind. Die Gerechtigkeit hier bedeutet nicht, dass wir aufgrund unserer eigenen Taten als gerechte Menschen anerkannt werden. Vielmehr bedeutet sie, dass wir durch den Glauben an Jesus die Vergebung empfangen und von Gott als Gerechte anerkannt werden. Wenn wir unsere Sünde gestehen und an die Vergebung durch den Opfertod Christi glauben, vergibt Gott uns und erklärt uns als Gerechten und Gottes Kindern. Das ist keine verdiente Gerechtigkeit, sondern eine geschenkte Gerechtigkeit.
Wir können in der Genesis ein Beispiel der geschenkten Gerechtigkeit finden. Abraham hatte einige Male gesündigt. Beispielsweise hatte er seine Frau an den Pharao verkauft (Genesis 12,4-17). Aber Gott vergab ihm seine Schuld. Als Abraham an die Verheißung Gottes, dass Gott ihm zahlreiche Nachkommen wie Sterne am Himmel schenken werde, glaubte, erkannte Gott ihn wegen seines Glaubens als einen Gerechten an. So steht in Genesis 15,5: „Abram glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“
Jesus sagt zu uns: „Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit.“
Wenn wir unsere Schuld erkennen, werden wir nach der göttlichen Vergebung suchen. Gott ist gnädig. Er vergibt uns, erklärt uns als Gerechten und seinen Kindern und segnet uns reichlich.
Selig sind Bußfertige, denn Gott vergibt denen, die demütig Buße tun und nach der göttlichen Vergebung dürsten. Jesus stillt unseren Durst mit seiner Vergebung und seinem Geist. Darum sagt er zu einer Frau, die wegen ihres fleischlichen Durstes vier Männer gewechselt hatte: „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das ins ewige Leben quillt“ (in Joh. 4,14).
Manche sind durstig nach etwas Weltlichem wie Geld, Anerkennung oder fleischlicher Liebe. Natürlich brauchen wir etwas Geld, Anerkennung oder eine Ehebeziehung. Wenn wir deswegen gesündigt haben, sollen wir nach der Vergebung Gottes und seiner Gnade suchen, sodass wir Gottes Vergebung und seine geschenkte Gerechtigkeit dankend annehmen. Dann wird Gott uns seine Vergebung und seine Gnade reichlich schenken. Wir können dann das Himmelreich schmecken und wir sollen Gott danken und ihn preisen.
Lasst uns die ersten vier Seligpreisungen noch einmal gemeinsam lesen:
Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Amen!
[1] Caleb Chung, Predigten zu Matthäusevangelium S. 95, 1988
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