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17.02.2026
Leitverse 9-10: „Darum sollt ihr so beten: <Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.>“
In gewisser Hinsicht ist das Beten wie ein Eingang zum Glaubensleben. Wer an Gott und Jesus Christus zu glauben beginnt, beginnt mit dem Gebetsleben.
Im Allgemeinen gibt es keine Vorschrift, wie und wofür wir beten sollen, denn das Gebet ist ein Gespräch zwischen Gott und uns. Darum können wir beten, wie wir wollen. Dennoch hat Jesus uns ein Mustergebet gegeben. Mit diesem Gebet erklärt Jesus uns, wofür wir beten sollen.
Ich will dieses Mustergebet erklären. Dieses Gebet besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil besteht aus Anliegen bezüglich unserer Beziehung zu Gott. Der zweite Teil besteht aus Anliegen bezüglich unserer Bedürfnisse.
Ich werde ich heute den ersten Teil des Vaterunsers erklären und nächsten Sonntag den zweiten Teil. Zunächst möchte ich das einleitende Wort Jesu zum Vaterunser erklären. Danach werde ich den ersten Teil des Vaterunsers erklären.
1. Einleitung des Vaterunsers (5-8)
Jesus lehrt uns zunächst, was wir vermeiden sollen.
Er sagt: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und in den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten“ (5-6).
Jesus sagt hier, dass wir nicht mit der Absicht beten sollen, von anderen Menschen für unsere Frömmigkeit gelobt zu werden. Solche Leute können von Gott her keinen Segen empfangen, weil sie beten, um von den Menschen gelobt zu werden. Solch ein Gebet ist heuchlerisch.
Jesus sagt weiter: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet“ (7-8).
„Plappern“ bedeutet hier, dass man dasselbe Wort mehrmals wiederholt.
Warum brauchen wir nicht zu plappern?
Weil Gott unsere Bitten gerne erfüllen will, wenn sie für uns gut ist. Gott weiß schon, was wir brauchen, bevor wir ihn darum bitten. Er möchte nicht, dass wir aus Unglauben unsere Bitte unnötig wiederholen. Wir sollen an seine Gebetserhörung kindlich glauben.
Nun möchte ich den ersten Teil des Vaterunsers eingehen.
2. Der erste Teil des Vaterunsers (9-10)
Erstens: „Unser Vater im Himmel!“
Dies ist unsere Anrede Gottes. Jesus lehrt uns, dass wir Gott „unser Vater!“ ansprechen sollen. Wer kann Gott mit „unser Vater“ ansprechen? Wohl jemand, der ein Kind Gottes ist.
Bei manchen Christen ist es fremd, Gott als Vater anzureden. Sie verstehen Gott als Schöpfer oder Herrscher der Welt wohl. Gott ist für sie unvorstellbar groß und unsichtbar. Sie fühlen sich, als wäre Gott ihnen unendlich weit weg. Sie sind sich nicht sicher, ob Gott ihre Bedürfnisse kennt und sich um sie kümmern würde.
Aber Jesus lehrt uns, dass wir Gott „unser Vater“ oder „unser Papa“ anreden sollen. Obwohl Gott als Herrscher des Universums viel zu tun hat, hat er immer Zeit für jeden von uns und ist bei uns. Er hört uns gerne zu und erfüllt unsere Bitte. Das ist wirklich erstaunlich. Wir haben solch einen Vater. Deswegen sagt die Bibel:
„Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder heißen sollen! Darum erkennt uns die Welt nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. Geliebte, wir sind nun Gottes Kinder, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass, wenn Er offenbar werden wird, wir Ihm ähnlich sein werden; denn wir werden Ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh. 3,1-2).
Wir sind Gottes Kinder. Und Gott liebt uns sehr. Er liebt uns dermaßen, dass er ein Mensch wurde, all unsere Schuld auf sich nahm und am Kreuz starb, um uns von der Todesmacht zu erretten und uns das ewige Leben zu geben. Dieser Vater erhört unsere Bitte mit großer Freude.
Darum sollen wir mit dem Bewusstsein zu Gott beten, dass wir mit unserem lieben himmlischen Vater sprechen, der uns sehr liebt und unsere Bitte gerne erhören will. Mit Dankbarkeit für seine Liebe und Gewissheit seiner Gebetserhörung sollen wir zu beten beginnen.
Wofür sollen wir konkret beten? Jesus lehrt uns, dass wir zuerst dafür beten sollen, dass Gottes Name geheiligt wird, sein Reich kommt und sein Wille geschieht.
„Dein Name werde geheiligt“
Dies bedeutet, dass Gott als Gott erkannt, geehrt und gepriesen wird. Sie drückt den Wunsch aus, dass Gottes Name und Wesen als einzigartig, heilig und ehrwürdig anerkannt werden – sowohl im Gebet als auch im täglichen Leben durch ein respektvolles Handel
Gott als Gott erkennen, ihn ehren und preisen – das ist der Weg, Gott zu heiligen. Wir sollen dafür beten, dass Gott sowohl von den Gläubigen als auch von den Ungläubigen, ja von allen Geschöpfen als Gott und Herrscher der Welt erkannt, geehrt und gepriesen wird. So soll Gott von aller Schöpfung geheiligt werden und die Menschen, die noch nicht gläubig sind, sollen doch zum Glauben an Gott kommen und Gott preisen.
Warum ist es wichtig, dass wir zuerst dafür beten, dass Gott als Gott erkannt, geehrt und gepriesen wird?
Darum, weil Gott Schöpfer und Herrscher aller Dinge und auch unser persönlicher Gott ist. Das ist eine grundlegende Wahrheit.
Deswegen sagt David in Ps. 19,2-5:
„Der Himmel verkündet Gottes Ehre
und das Himmelszelt bezeugt seine großen Schöpfungstaten.
Ein Tag sagt’s dem nächsten, und eine Nacht tut’s kund der anderen.
Ohne Sprache reden sie und ihre Stimme ist unhörbar.
Aber ihre Botschaft erreicht alle Länder der Welt.“
Die Vogelpredigt des Franziskus von Assisi ist bekannt. Franziskus war ein Mönch um 1300. Er sagte[1]: „Meine Brüder, Vögel! Gar sehr müsst ihr euren Schöpfer loben und ihn stets lieben; er hat euch Gefieder zum Gewand, Fittiche zum Flug gegeben und alles, was ihr nötig habt.“
Wenn Vögel Gott loben und ihn lieben sollen, wie viel mehr sollen Menschen Gott loben und ihm danken! Wir sollen unsere Aufgabe, Gott zu danken und ihn zu preisen, nicht vergessen, denn wir sind die Krone der Schöpfung Gottes. Deswegen sollen wir in unserem Gebet zuallererst Gott ehren und ihn preisen.
Leider vergessen wir oft, dass Gott unser Schöpfer und Herr ist, und danken ihm nicht. Deswegen sagt Gott: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe; aber mein Volk kennt mich nicht und will es gar nicht wissen, wer Gott ist“ (Jesaja 1,3).
Wir sollen es nicht vergessen, Gott als unseren Schöpfer und unseren Herrn zu loben und ihm zu danken.
„Dein Name werde geheiligt!“ – Mit diesem Gebet meinen wir auch, dass Gottes Name durch unsere Tat und unser Wort geehrt und gepriesen wird. Dass wir Christen heißen – das bedeutet in gewisser Hinsicht, dass wir Christus bzw. Gott vertreten. Deswegen bringen wir, wenn wir Böses tun, Gottes Namen in Unehre. Wir sollen uns bewusst sein, dass wir Vertreter Gottes sind. Darum sollen wir Gott darum bitten, dass er uns dazu helfen möge, durch unsere Tat und unser Wort Gottes Heiligkeit und seine Güte gut wiederzugeben. Wir brauchen dieses Gebet unbedingt.
„Dein Name werde geheiligt“ – dieses Gebet bedeutet auch, dass wir dafür beten, dass durch alle Begebenheiten Gottes Name verherrlicht wird. In der Welt geschehen verschiedene Begebenheiten. Es gibt gute Begebenheiten und auch scheinbar schlechte Begebenheiten, wie z. B. den Krieg in Ukraine. Und wir wissen oft nicht, warum Gott es zulässt, schlechte Begebenheiten zu passieren. Aber wir sollen an die vollkommene Fügung Gottes glauben und zu Gott beten: „Dein Name werde geheiligt.“
Nach dem Gebet „Dein Name werde geheiligt“ sollen wir nun dafür beten:
„Dein Reich komme.“
Was bedeutet dieses Gebet? Gottes Reich bedeutet Gottes Herrschaft. Als Jesus sein Wirken als Christus begann, predigte er: „Tut Buße, denn das Himmelreich (bzw. „Gottes Reich“ in Mk. 1,15) ist nahe herbeigekommen!“ (3,1).
Worum bitten wir Gott mit diesem Gebet? Wir bitten mit diesem Gebet etwa dreierlei:
Als Erstes bitten wir Gott darum, dass Gottes Herrschaft in uns und bei uns gelten möge.
Wir wünschen uns, dass vieles nach unserem Wunsch geschehen würde. Z. B. dass wir unsere oder meine Absicht durchsetzen möchten. So beten wir in unserem Herzen: „Unser oder mein Reich komme!“ Das ist eine normale Menschennatur. Nur so wörtlich sprechen wir nicht.
Aber nicht wir sind Herr über Gott, sondern Gott ist Herr über uns. Unsere Herrschaft heißt unser Egoismus. Das ist eine schlechte Herrschaft. Aber Gott ist der richtige Herr und seine Herrschaft ist gut. Darum sollen wir so beten: „Dein Reich komme!“
Mit diesem Gebet bitten wir Gott darum, dass Gott als Herr über uns zur Geltung kommen möge. Gottes Herrschaft soll in unserem Herzen und in unserer Beziehung mit andern zur Geltung kommen. Wenn seine Herrschaft zur Geltung kommt, wird Gott verherrlicht und wir sind gesegnet und andere Menschen sind auch gesegnet. Da ist Gottes Reich.
Darum sollen wir stets dafür beten: „Dein Reich komme!“
„Dein Reich komme“ – mit diesem Gebet bitten wir Gott als Zweites darum, dass das Evangelium in der Welt verbreitet wird, damit möglichst viele Menschen Gottes Herrschaft annehmen.
Wo das Evangelium verbreitet wird, wird dort Gottes Herrschaft zur Geltung kommen. Das Evangelium wird die Macht der Sünde vertreiben und Menschen unter die Herrschaft Gottes bringen. Jesus Christus verkündete das Evangelium so: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk. 1,15).
Wir sollen stets dafür beten, dass Gott die Herzen der Menschen weit öffnet, sodass sie an das Evangelium glauben und Gottes Herrschaft gerne annehmen. Wir brauchen für alle Leute in der ganzen Welt, die für die Verbreitung des Evangeliums arbeiten, beten und sie unterstützen. Gottes Reich soll auch in alle Länder der Welt wie z. B. Iran, Nordkorea kommen.
„Dein Reich komme“ – so sollen wir schließlich dafür beten, dass das vollkommene Himmelreich bald kommen möge.
Wir sind alle auf einer Reise, und unser Reiseziel ist das Himmelreich. Darum beten wir zu Gott, dass er uns bald das Himmelreich schenken möge.
Offb. 21,3-4 beschreibt das Himmelreich so: „Siehe da, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“
Im Himmelreich gibt es keinen Tod und keine Tränen mehr. Dort werden wir mit Gott wohnen. Das Himmelreich ist wirklich wunderschön. Wir sollen mit großer Sehnsucht beten: „Dein Reich komme!“
„Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“
Wir sollen dafür beten, dass Gottes Wille geschehen möge, sowohl auf der Erde als auch im Himmel.
Natürlich darf jeder seinen eigenen Willen haben und so leben, wie er will, denn wer keinen eigenen Willen hat, ist schon tot. Wir sollen aber ab und zu darüber nachdenken, was Gottes Wille ist. Denn Gottes Wille ist vollkommen gut für Gott, uns und alle anderen Menschen. Dagegen ist unser Wille oft nur für uns gut, für andere aber nicht. Nehmen wir Winter-Olympischen Spiele in Italien als Beispiel. Nach dem Eishockeyspiel Deutschland gegen die USA waren alle Deutschen traurig, weil die deutsche Mannschaft gegen die USA verloren hatte. Dagegen freuten sich alle Amerikaner.
Aber Gottes Wille ist anderer Art. Wenn Gottes Wille geschieht, werden alle Menschen auf der Erde und sogar alle Kreaturen sich freuen. Wenn z.B. ein Mensch gerettet wird und ein Christ wird, können durch ihn seine Familienangehörigen, Freunde, Bekannte und noch alle anderen Menschen sich freuen und Gottes Segen erfahren. Gottes Wille ist es, dass möglichst alle Menschen errettet werden und Gottes Segen erfahren.
Wir sollen dafür beten, dass Gottes Wille geschehen möge, sowohl hier auf der Erde als auch im Himmel.
Lasst uns den ersten Teil des Vaterunsers noch einmal gemeinsam sprechen:
„Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“ Amen!
[1] http://franciscan-compassion.org/index.php/franziskus-predigt-tieren.html
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