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19. 2.2026
Leitverse 11-13: „Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“
Wir haben letzten Dienstag den ersten Teil des Vaterunsers kennengelernt. Im ersten Teil geht es um Gott, nämlich Gottes Namen, sein Reich und seinen Willen.
Nun wollen wir den zweiten Teil des „Vaterunsers“ kennenlernen. In diesem Teil geht es um uns, nämlich unsere Bedürfnisse, Vergebung und Schutz vor Versuchung. Wir wollen diesen zweiten Teil mit dem Wunsch kennenlernen, ein glückseliges Glaubensleben zu führen und Gott zu verherrlichen.
„Unser tägliches Brot gib uns heute“
Hier steht Brot im engeren Sinn für unser tägliches Essen. Im erweiterten Sinn bedeutet es aber für unsere verschiedenen Bedürfnisse, wie z. B. ausreichendes Einkommen, Wohnung, Bildung, Ausbildung, Arbeitsplatz, medizinische Behandlung usw. Gott weiß alles über unsere Bedürfnisse und will sie gerne erfüllen.
Warum sollen wir Gott täglich unsere Bedürfnisse nennen? Deshalb, weil Gott möchte, dass wir durch unsere Bitte unsere Vertrauensbeziehung zu Gott gut pflegen. Er möchte, dass wir immer neu bewusst werden, dass Er uns liebt und sich um unsere Bedürfnisse kümmert. Wir sollen durch unser Gebet seine Liebe und seine Fürsorge immer neu wahrnehmen, ihm vertrauen und ihm danken. Dadurch können wir unsere Liebesbeziehung mit Gott frischhalten.
Jesus lehrt uns nicht etwa so zu beten: „Brot für Monate oder Jahre gib uns heute!“ Sondern er lehrt uns so zu beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Natürlich meint Gott damit nicht, dass wir wie ein Tagelöhner leben sollen, der einen Tag arbeitet und den Tageslohn bekommt. Aber wir sollen uns nicht darum sorgen, was uns morgen oder in der Zukunft passieren würde. Wir sollen Gott um seine Hilfe für heutige Bedürfnisse bitten, Was würde uns geschehen, wenn wir in unserer Zukunft keine Schwierigkeiten bekommen würden? Wir würden meinen, dass wir in unserer Zukunft keine Hilfe Gottes bräuchten und uns auf unsere scheinbar sichere Zukunft wie z. B. unser Vermögen, Arbeitsstelle, unsere Gesundheit usw. verlassen, anstatt uns auf Gott zu verlassen. Wir werden unser Gebetsleben und unsere Beziehung zu Gott vernachlässigen, weil wir meinen, dass wir keine Notwendigkeiten dafür zu haben meinen.
Unsere Beziehung zu Gott ist in gewisser Hinsicht der Kindererziehung ähnlich. Kleine Kinder zu erziehen – das verlangt viel Mühe: Wir müssen das Kind stillen oder Milch geben, Windel wechseln und mit dem Kind spielen. Das Kind wird ab und zu krank. Dann muss die Mutter sich ganzen Tag um ihr Kind kümmern.
Nehmen wir aber an, dass wir all unsere Arbeit für die Kindererziehung durch eine Supermaschine ersetzen würden, sodass die Eltern keinen Finger krummzumachen brauchen. Die Kindererziehung wird bequem. Aber da wird keine herzliche Liebesbeziehung zwischen uns und unseren Kindern entstehen. Da fehlt eine herzliche Liebesbeziehung. Das ist eine seelische Wüste.
Unser Gott ist wie eine liebevolle Mutter und wir sind wie ihre Babys. Als Gottes Babys benötigen wir verschiedene Pflegearbeiten Gottes. Gott liebt uns sehr und pflegt uns gut, wie eine hingebungsvolle Mutter sich um ihr Kind kümmert. Gott möchte, dass wir seine Liebe zu uns erkennen, immer wieder zu ihm kommen und unsere Pflegebedürfnisse sagen, wenn wir Bedürfnisse, Schwierigkeiten oder Probleme haben.
Wir sollen Gott unsere Bedürfnisse konkret nennen und ihn um seine Hilfe bitten. Wir erfahren dann, dass Gott unsere Bitte gerne erfüllt. Und wir werden erkennen, dass Gott mit uns ist und uns sehr liebt. So kann unsere Beziehung zu Gott immer frisch bleiben.
Jesus lehrt uns nicht so zu beten: „Mein tägliches Brot gib mir heute“, sondern „Unser tägliches Brot gib uns heute.“
In seiner Lehre vom Gebet gebraucht Jesus nirgendwo das Wort „mein“, sondern „unser“, wie z. B. unser tägliches Brot, unsere Schuld. Deswegen heißt dieses Gebet nicht „Mein Vater“, sondern „Unser Vater!“ Dies lehrt uns, dass wir nicht nur für „meine eigenen“ Bedürfnisse beten sollen, sondern auch für unsere Bedürfnisse. Wir sollen nicht allein satt essen, während andere Brüder verhungern, denn Gott ist nicht nur mein Gott, sondern unser Gott. Darum sollen wir zu Gott auch für die Bedürfnisse anderer beten.
„Andere“ bedeuten im engeren Sinn unsere Familie, unsere Gemeinde, unsere Bekannten usw. Im erweiterten Sinn bedeuten „andere“ hier unsere Gesellschaft, unser Land und unsere Welt. Gott freut sich dann sehr und erhört unser Gebet.
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“
Nachdem wir Gott für unser tägliches Brot gebetet haben, sollen wir Gott für die Vergebung beten. Wir brauchen die Vergebung sehr nötig, damit wir ein gesegnetes, ewiges Leben haben können.
Denken wir zunächst über die Notwendigkeit der Vergebung zu unserer Rettung. Das Evangelium ist die Frohe Botschaft zur Vergebung unserer Sünde und zu unserer Rettung von der Hölle. Um die Vergebung der Sünde und die Rettung von der Hölle zu erfahren, brauchen wir das Bekenntnis unserer Schuld. Die Vergebung unserer Sünden und unsere Rettung sind dadurch möglich geworden, da Jesus Christus für unsere Schuld am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist. Darum brauchen wir nur unsere Schuld zu bekennen und den Glauben an Jesus Christus, um die Vergebung und das ewige Leben zu empfangen.
Dabei sollen wir begreifen, wie schlimm unsere Sünde ist und welche Folgen unserer Sünde haben wird. Denn wenn wir die Folge seiner Sünde nicht begreifen, werden wir nicht ernsthaft nach der Vergebung suchen. Die Bibel sagt, dass die Folge der Sünde die Trennung von Gott und die ewige Verdammnis in die Hölle ist. Während des irdischen Lebens bekommt man den Zorn Gottes zu spüren. Nach seinem physischen Tod wird man den Lohn seiner Sünde erleiden; der Lohn der Sünde ist die Hölle. Das ist schrecklich. Unser physischer Tod ist kein endgültiges Ende unseres Lebens. Vielmehr werden alle Menschen nach ihrem physischen Tod vor Gott gerichtet. Bevor wir leiblich sterben, müssen wir durch Buße und Glauben an Jesus Christus Sündenvergebung und das ewige Leben empfangen, damit wir nicht vor Gott gerichtet werden, sondern in das Himmelreich kommen können. Wenn wir die Folge der Sünde ernstnehmen, werden wir Buße tun und nach der Vergebung suchen. Wir werden dann durch den Glauben an das Evangelium die Vergebung und das ewige Leben dankbar annehmen.
Deshalb hat uns Jesus Christus eine gute Nachricht verkündet: Weil Jesus Christus all unsere Schuld auf sich nahm und am Kreuz Gottes Strafe empfing und starb und von den Toten auferstand, richtet er uns nicht, sondern vergibt uns unsere Sünde und nimmt uns herzlich in sein Himmelreich auf. Das ist eine wunderbare Gnade Gottes.
So können wir durch unsere Buße und unseren Glauben an den Opfertod Christi und seine Auferstehung die Vergebung und das ewige Leben empfangen. Wir sind dann vom Gericht Gottes und von der Hölle errettet und sind Gottes Kinder. Als Gotteskinder haben wir dann das ewige Leben, den heiligen Geist und das Himmelreich. Das ist eine wunderbare Rettung.
Lasst uns auch über die Notwendigkeit der alltäglichen Buße nach unserer Rettung nachdenken.
Brauchen wir nach unserer Rettung keine Buße? Doch! Solange wir noch auf dieser Erde leben, machen wir Fehler und begehen Sünde. Deswegen brauchen wir auch nach unserer Rettung Buße für unsere Schuld.
Die Geschichte im 13. Kapitel des Johannesevangeliums erklärt dies gut. Kurz vor dem Tod goss Jesus Wasser in eine Schüssel und wusch die Füße seiner Jünger. Und er erklärte die Bedeutung seiner Fußwaschung so: „Wer gebadet hat, der ist ganz rein. Er braucht nur noch seine Füße von dem Straßenstaub zu waschen“ (Joh. 13,10).
Wer schon ein Vollbad gehabt hat, braucht kein Vollbad mehr, sondern nur eine Fuß- oder Händewaschung. Wenn wir die Wiedergeburt als Vollbad bezeichnen, ist unsere alltägliche Buße mit dem Händewaschen vergleichbar. Denn unsere Hände werden oft schmutzig, sodass wir sie oft zu waschen brauchen, wie z. B. vor dem Essen oder nach dem Putzen.
So braucht ein wiedergeborener Christ alltägliche Buße, denn wir sündigen auch nach der Wiedergeburt oft. Wir sollen immer wieder vor Gott unsere Schuld gestehen und ihn um Verzeihung bitten. Wir sollen keine Hemmungen haben, vor Gott unsere Schuld zu gestehen und um seine Vergebung zu bitten. Denn Gott ist nicht böse, wenn wir unsere Sünde gestehen. Vielmehr freut er sich über unsere Buße und vergibt uns gerne.
Nehmen wir auch das Beispiel des Petrus, der der erste Jünger Christi war. Als Jesus Christus verhaftet und verhört wurde, wurde Petrus sehr ängstlich. Angesichts seiner eigenen Verhaftungsgefahr sagte er zu den Leuten, dass er Jesus Christus nicht kenne. Als er aber Buße für seine Leugnung tat, vergab Gott ihm und gebrauchte ihn für das Evangelium.
Wenn wir unsere Schuld bekannt und Gott um Verzeihung gebeten haben, sollen wir an die Vergebung Gottes fest glauben. Manche Leute haben ihre Schuld bekannt und um Vergebung gebetet, leiden aber an Schuldgefühlen, weil sie an die Vergebung Gottes nicht glauben. Wer seine Sünde vor Gott bekennt, aber nicht an die Vergebung Gottes glaubt-das ist sehr schädlich.
Wir brauchen keinen Zweifel an die Vergebung Gottes. Wir sollen an die Vergebung Gottes und seinen Segen fest glauben. So können wir ein wunderbares Gottesreich und Gottes Segen erfahren.
Jesus lehrt uns: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben, die uns Unrecht getan haben“ (12b).
Er lehrt uns, dass wir andern, die uns Unrecht getan haben, gerne vergeben sollen. Gott will nicht, dass wir anderen nicht vergeben und dennoch Gott um Vergebung bitten. Gott ist mein Gott, unser Gott und Gott aller. Er liebt nicht nur uns, sondern auch andere, die uns etwas Böses getan haben. Er liebt alle Menschen und will allen ihre Schuld vergeben. Wir haben solch einen himmlischen Vater.
Ihr kennt die Geschichte von einem undankbaren Menschen in Mt. 18,21-35. Ein Mann hatte 1.000.000 Euro Schulden bei einem König. Weil er die Schulden nicht zurückzahlen konnte, erließ der König ihm seine Schulden. Aber dieser Mensch wollte einem Mitbürger nicht gnädig sein, der ihm 10.000 Euro Schulden hatte, und warf ihn ins Gefängnis. Das erfuhr der König, wurde zornig über diesen undankbaren Menschen und warf ihn ins Gefängnis.
Wir sollen nicht wie dieser undankbare Mensch sein. Vielmehr sollen wir anderen Menschen gnädig sein, wie Gott uns gnädig ist.
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“
Ich habe schon gesagt, dass wir, obwohl wir Gottes Kinder geworden sind, noch schwach sind, solange wir noch auf dieser Erde sind. Darum sollen wir nicht vergessen, so zu beten: „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“
Wer meint, dass er stehe und nicht falle, der fällt. Darum sollen wir Gott unsere Schwachheit sagen und ihn um seinen Schutz und seine Hilfe bitten. Wenn wir das tun, hilft er uns gerne, sodass wir alle Versuchungen weit überwinden und siegen können.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!
Die moderne Übersetzung von „Hoffnung für alle“ gibt diesen Abschluss so wieder:
„Denn dir gehören Herrschaft, Macht und Ehre für alle Zeiten. Amen!“
Dir Gott gehören die Herrschaft, Kraft und Ehre in Ewigkeit! Amen!
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