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Party, Spaß und gute Laune!
Ein Blick hinter die farbigen Kulissen (nicht nur zu Fasching)
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„So ein Tag, so wunderschön wie heute“
Nicht selten war dieses Lied im Fußball-Sommer 2006 zu hören. Welche Freude, was für ein Jubel! Menschen, die sich vorher nie gesehen hatten, lagen sich in den Armen. Man schunkelte auf der Straße, in den Biergärten, vor den großen und kleinen Monitoren. Ein Spielverderber, wer keine deutsche Fahne am Fenster oder am Auto hatte! Jung und alt übertrafen sich an Ideen, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu geben.
Wer hätte uns Deutschen so eine ausgelassene Fröhlichkeit zugetraut? Wir selbst nicht und das Ausland schon gar nicht! Schade, dass die besondere Zeit so rasch wieder vorbei war. Viele von uns hätten sich diese fröhliche Stimmung gerne noch etwas länger erhalten.
Doch es gibt Hoffnung: Karneval, Fasching, Fasnet oder Fastnacht kommt – und damit die „fünfte Jahreszeit“. Wieder ist Jubel, Trubel, Heiterkeit angesagt.
„Eigentlich bin ich ganz anders - aber ich komme so selten dazu!“
Warum brauchen wir immer wieder mal solche Zeiten, an denen wir so „ganz anders“ sein können? Manchmal hat es den Anschein, dass wir zweierlei Gesichter haben: eines für den Alltag in Schule oder Betrieb - und ein anderes für das Wochenende oder für solche Gelegenheiten wie Fasching. Klingt eigentlich schon ein bisschen schräg, oder nicht? Was ist denn dein wahres Gesicht?
Schminken ist angesagt! Ich kann mich noch gut an die Szenen der Kindheit erinnern und rieche noch deutlich die Cremes, die mir ins Gesicht geschmiert wurden. Heute bewundere ich die kreativen Kostüme, mit der sich viele so fantastisch darstellen können, dass sie nicht mehr zu erkennen sind.
Lies mal die Zeilen „ungeschminkt“ auf der Rückseite dieses Flyers. Mich hat der Text ziemlich getroffen. Denn ich fühlte mich ertappt als einer, der sehr sorgfältig darauf achtet, ein hübsches, auffallendes Etikett auf der „Flasche“ zu haben. Doch keiner soll sehen, wie es darin aussieht.
Niemand soll spüren oder wissen,
• dass ich nachts manchmal lange wach liege,
• dass mich Sorgen wegen meiner unsicheren Zukunft quälen,
• dass ich mich frage, ob meine Beziehung die heftigen Missverständnisse der letzten Wochen aushalten wird,
• dass meine Finanzen eine einzige Katastrophe sind,
• dass ich mich ernsthaft frage, ob man es überhaupt verantworten kann, in diesen unsicheren Zeiten Kinder in die Welt zu setzen.
Mit wem könnte ich reden?
Wer wird mich verstehen? Die Eltern? Die haben doch ihre eigenen Probleme. Mein Bruder? Der faselt nur noch von seinem neuen Motorrad. Meine Freundin? Nee, die könnte das womöglich weitererzählen.
Ich habe in meinem Leben viel probiert, immer auf der Suche nach dem tieferen Sinn. So habe ich mich mit östlichen Religionen befasst, habe Transzendentale Meditation sowie intensives Yoga betrieben. Ich war fasziniert von der Moon-Sekte und arbeitete bei gesellschaftskritischen Gruppen mit – doch nirgends fand ich die Antworten auf meine Fragen nach dem Grund von allem. Eine innere Leere blieb permanent zurück.
Ich glaub, ich bin im falschen Film
Kennst du den Film „Die Truman Show“? Das ist eine Satire auf die von Medien geprägte Welt und welchen zerstörerischen Einfluss sie auf einen Einzelnen haben können. 5000 Kameras verfolgen das Leben des Hauptdarstellers Jim Carrey und senden dies in alle Häuser. Und es hat lange gedauert, bis er diese Tatsache entdeckt und einen Ausweg gesucht hat. - Manchmal habe ich mich gefühlt wie dieser Jim Carrey, denn immer wieder habe ich mich gefragt, ob es nicht noch eine andere Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt gibt. Und wie sollte ich die richtige Tür zu dieser Welt finden?
Im Rahmen meiner Suche bin ich auch auf die Bibel gestoßen. Lange bin ich an diesem „alten Buch“ vorbei gegangen. Doch dann kam ich beim Lesen auf Aussagen, die mich persönlich sehr berührt haben. So sagt Jesus einmal: "Ich bin gekommen, das Leben in seiner ganzen Fülle zu bringen. Wer Durst nach Leben hat, muss sich an mich wenden." (Johannesevangelium, Kapitel 10, Vers 10 b; Kapitel 7, Vers 37) Oder auch: „Ich bin das Brot des Lebens. Keiner, der zu mir kommt, wird jemals wieder Hunger leiden, und niemand, der an mich glaubt, wird jemals wieder Durst haben.“ (Kapitel 6, Vers 35). Ja, Hunger und Durst nach Leben hatte ich. Sollte dieses Versprechen auch für mich gelten?
Und dann bin ich Jesus begegnet – oder besser: er mir. Ich habe seine Worte weiter untersucht und ausprobiert, habe das Leben von Christen meines Alters auf Echtheit abgeklopft. Das Ergebnis war: ich konnte Jesus vertrauen und ihm mein Leben öffnen. Seither weiß ich, dass die größte Freude und das tiefste Erleben nur in Verbindung mit ihm geschehen kann – eigenes Versagen inbegriffen. Meine Unvollkommenheit kann er aushalten. Das hat er am Kreuz vor den Mauern Jerusalems bewiesen - und das beweist er auch heute noch jedem, der sich ihm anvertraut.
PS: Wenn du noch keine Bibel hast, dann besorge dir doch eine. Es gibt sie in heutiger Sprache, z.B. „Hoffnung für alle“ oder „Die gute Nachricht“. Erhältlich in jeder Buchhandlung oder über das Internet. Wenn du erst einmal die verschiedenen Übersetzungen anschauen möchtest, dann besuche die Online-Bibel „www.bibleserver.com“
Michael Mogel
"ungeschminkt"
gehe an fasching
doch mal als der,
der du eigentlich bist.
erschrick nicht,
wenn du nicht erkannt wirst.
peter schott
Meine Suche nach dem Sinn des Lebens
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Alles vergessen, was in meinem Leben schief gelaufen war, und noch einmal richtig neu beginnen können? "Das wäre klasse!", dachte ich und trank mein Bier aus. Wieder war es Wochenende. Wieder hatte ich zuviel getrunken. Statt neu anzufangen, flüchtete ich in das alte Verhalten. Warum war das, was mich kaputt machte, zu meinem Lebensinhalt geworden?
Ein stadtbekannter Rowdy
Eigentlich lief alles ganz normal. Ich bin in einer gut bürgerlichen Familie aufgewachsen. Christlich sind meine Eltern zwar nicht, aber sie schickten mich doch in die Kirche. Dort gefiel es mir ganz gut. Auch wenn der Pfarrer ein wenig streng war, konnte ich seine Aufrichtigkeit und Liebe zu seinen "Schäfchen" spüren. Beichte, Kommunion und Firmung waren für mich sehr eindrücklich, auch wenn ich bald nichts mehr von Glaube und Kirche wissen wollte.
Es kam, wie es wohl bei den meisten Jugendlichen kommt. Mit 14 Jahren ist es "cool" zu rauchen, Alkohol zu trinken, möglichst viele Freundinnen zu haben und viel Mist zu bauen. Warum ich im Alkoholrausch jedes Mal irgendetwas Blödes anstellte, weiß ich heute auch nicht genau. Jedenfalls standen meine "Ruhmestaten" stets in der Tageszeitung meiner Heimatstadt Erlangen. Einmal kletterte ich völlig betrunken auf einen Baukran. Dort setzte ich mich ganz vorne auf den Ausleger des Krans und rauchte eine Zigarette. Ein großes Aufgebot von Polizei und Feuerwehr fuhr auf, um mich wieder heil von da oben runterzuholen.
Meine Eltern waren enttäuscht und ratlos zugleich. Was sollten sie mit mir machen? Nachdem ich drei Autos zu Schrott gefahren hatte und an zwei Wochenenden in den Jugendknast musste, wurde ich doch nachdenklich. "Stefan", sagte ich zu mir selbst, "es muss sich was ändern!"
Mittlerweile war ich 19 Jahre alt und immer noch nicht weiter gekommen. Dank der Hilfe meiner Eltern hatte ich zwar meine Lehre als Elektroinstallateur erfolgreich abgeschlossen, aber ich wollte mehr. Also, Elektrotechniker wäre doch was! Dazu wäre aber die Mittlere Reife sinnvoll. Ich bekam eine gute Arbeitsstelle an der Universität und konnte nebenher die Abendrealschule besuchen. "Glück gehabt!", dachte ich damals.
Die Wende bahnte sich an, als ich 23 Jahre alt war. An der Abendrealschule begegnete ich Dieter. Der erzählte jedem in der Klasse von Jesus und der Bibel. Ein Spinner? Irgendwie schon und auch wieder nicht, denn Dieter erzählte sehr liebevoll und persönlich von seinem "Retter Jesus". Was er sagte, weckte in mir den verborgenen Glauben an den liebenden und vergebenden Gott, wie ich ihn als Kind kennen gelernt hatte.
Entscheidung in der Nacht
Dieter gab mir ein kleines Büchlein zum Lesen. Darin erzählten einige Menschen in beeindruckender Weise von ihrem Glauben. Ich las dieses Buch eines Nachts, als ich nicht schlafen konnte. Das Lesen sollte mich eigentlich müde machen, doch es kam ganz anders. Es weckte in mir den Wunsch: Diese Hoffnung will ich auch haben! So einen Neuanfang wollte ich auch machen. Einfach neu beginnen und alles, was schief gelaufen war, vergessen und neu starten. Am Ende des Büchleins stand ein kleines Gebet. Es lautete etwa so: "Lieber Gott, ich danke dir, dass dein Sohn Jesus Christus auch für mich am Kreuz gestorben ist und mich von meiner Schuld befreien möchte. Ich glaube, dass Jesus Christus mir ewiges Leben schenken kann. Ich bitte dich um Vergebung meiner Sünden. Bitte komme du nun durch deinen Heiligen Geist in mein Leben und mache einen neuen Menschen aus mir. Amen."
In dieser Nacht kniete ich vor meinem Bett hin und gab Jesus mein Leben. Ich konnte es richtig spüren, dass nun alles anders werden sollte. Und so war es dann auch. Am nächsten Morgen kam ich strahlend auf die Arbeit. Meine Kollegen fragten mich verwundert: "Was ist denn mit dir los?" Sie sahen die Hoffnung und den Frieden in meinen Augen. Sie merkten auch schnell, dass ich keinen Spaß mehr am Alkohol und Sprücheklopfen hatte. Die Sehnsucht nach Sinn und Bedeutung war in mir gestillt. Mein Leben hatte wieder Wert bekommen, weil ich in Gottes Augen wertvoll bin.
Nach und nach brachte Gott bei mir viele Dinge in Ordnung. Mit viel Geduld und Verständnis geht Jesus Christus wie ein "guter Hirte" mit mir durch das Leben. Heute absolviere ich eine theologischen Ausbildung. Ich möchte Gott und den Menschen dienen, indem ich von der Liebe Gottes erzähle und zu einem erfüllten Leben mit Jesus Christus einlade. Denn bei ihm kommt die unruhige menschliche Seele zur Ruhe.
Stefan Thieme
zu jung, zu verliebt, zu beschäftigt ... um an Gott zu glauben
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zu jung ... zu verliebt ... zu beschäftigt ... zu spät ... ... um an Gott zu glauben
Wir teilten ein winziges Stück unseres Lebensweges. Kennen gelernt hatten wir uns eher zufällig: An einem Kiosk, als wir die Einzigen waren, die einem Nichtsesshaften, den man übel beschimpfte, zur Seite standen. Als jemand nach ihm schlug, riskierten wir ein bisschen was, um den armen Schlucker herauszuhauen. Nach überstandenem Abenteuer gönnten wir uns eine Curry-Wurst und ein Bier. So kamen wir miteinander ins Gespräch. Irgendwann war auch die Frage nach dem Sinn des Lebens dran und ich erzählte ihm aus meinem Leben: Von meiner Frage nach dem, was nach dem Tod wohl auf mich wartet und der Angst, die mich beschlich, wenn ich daran dachte, dass einmal Gut und Böse gewogen und sich die Waage für mich in die falsche Richtung neigen könnte. Und von der Frage, ob es möglich sei, befreit von der Last dessen zu leben, was sich im Laufe eines Lebens an Schuld angesammelt hat.
Wie das Leben so spielt
Schon bald merkte ich, dass er nicht zum ersten Mal von Gott hörte. Sein Leben glich ein bisschen der Bildergeschichte auf dem Titelbild. Schon im Kindergarten hatte er den Geschichten von Jesus gerne zugehört. Doch verstanden hatte er nicht, was das mit seinem Leben zu tun haben sollte. Das änderte sich, als ihm ein Arbeitskollege erzählte, dass die Geschichten in der Bibel mehr sind als Märchen oder historische Dokumente. Doch er war damals total verliebt und hatte nur noch Augen für das Mädchen seiner Träume. Er plauderte zwar immer mal wieder gerne mit einem Kollegen, aber er hatte einfach Wichtigeres zu tun, als sich ernsthaft mit dem Thema Religion und Glaube auseinander zu setzten. Die Freundin wurde seine Frau und dann begann er an seiner beruflichen Karriere zu basteln - wie er sich auszudrücken pflegte. Da blieb wenig Zeit für Gott. Der Sonntag war reserviert für Familie und Fußball.
Doch irgendwann merkte er, dass er die Frage nach Gott nicht los wurde. "Ich hatte immer irgendwie das Gefühl, als gäbe es in meinem Herzen einen Raum für Gott. Doch der Raum ist leer", erklärte er mir sein Empfinden. Immer wieder gab es Gelegenheiten, in denen sich Gott bei ihm zu Wort meldete. Das waren nicht immer die kritischen Momente, sondern auch Augenblicke tiefer Dankbarkeit für gute Erfahrungen. Zuletzt war es jedoch ein Unfall, der ihm schlagartig vor Augen führte, dass es auch ganz schnell einmal zu spät sein könnte, um die Sache mit Gott zu klären. "Und nun treffen wir uns hier und reden nach Mitternacht über Gott und den Glauben. Das ist doch wohl kein Zufall", meinte er und war ganz Ohr, als ich begann, von mir zu erzählen.
Meine Geschichte
"Mein Leben wurde verändert, als ich begann, Jesus Christus ernst zu nehmen und mit ihm als Realität zu rechnen. Das war anfangs gar nicht so einfach. Darum fasste ich mir eines Abends ein Herz und begann mit Jesus über alles zu sprechen, was mich beschäftigte und bewegte. Denn ich hatte von anderen gehört, dass man so beginnen könnte. Ich sprach über meine Sorgen und meine Fragen, aber auch meine Sehnsucht nach Bereinigung von allem Verkehrtem in meinem Leben. Als ich begann ganz persönlich zu Jesus reden, war das zwar etwas ungewohnt, doch es breitete sich eine Gelassenheit und ein Frieden in mir aus, wie ich es bisher noch nie erfahren hatte. Jesus war da, das spürte ich. Ich erlebte zum ersten Mal eine innere Gewissheit, dass meine Schuld vergeben ist. Und ich konnte glauben, dass mein Leben nicht in einem dunklen Nichts endet, sondern bei Gott im Himmel. Von da an machte ich es mir zur Gewohnheit zu Jesus zu beten. Morgens, bevor ich den Tag begann. Wenn ich vor schwierigen Entscheidungen stand. Wenn irgendetwas schief gelaufen war. Wenn ich Menschen mit oder ohne Absicht verletzt hatte. Ich betete abends, wenn ich den Tag noch mal überdachte und mich bei Jesus "abmeldete". Tief in meinem Inneren wusste ich, es ist richtig, was du da tust. Dadurch entstand eine lebendige Beziehung zu Jesus und so wurde ich innerlich ruhig und fand meinen Weg zu einem persönlichen Glauben."
Als wir uns verabschiedeten, dämmerte es bereits leicht. In jener Nacht war mein Bekannter noch nicht bereit, diesen Schritt zum Glauben, den Schritt auf Jesus hin zu tun. Ab und zu denke ich an ihn und an die, die eigentlich wissen, dass es dran ist, ihre Beziehung zu Gott zu klären. Weil man Gott und das Leben mit ihm tatsächlich verpassen kann, auch wenn man nahe dran ist. Weil es bei dem einen oder anderen tatsächlich zu spät war, noch eine Entscheidung für ein Leben mit Jesus zu treffen. Denn: Das Leben ist zu kurz, um die Hauptsache zu verpassen.
Frank Schikowski
Die Macht der Gedanken
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Unser Gehirn ist das Komplizierteste, was es gibt. Es wiegt etwa 1500 Gramm und besteht aus mehr als 100 Milliarden Nervenzellen, die in unvorstellbarer Präzision zusammenarbeiten. Es ist die Schaltzentrale, in der alle Impulse sortiert, gespeichert oder weitergegeben werden. Es ist das Zentrum der Sinnesempfindungen, Sitz des Bewusstseins, des Gedächtnisses und aller geistigen und seelischen Leistungen. Denken können ist ein Geheimnis, hinter das die Wissenschaft bis heute noch nicht ganz gekommen ist.
Woher kommen die Gedanken?
Der Pädagoge Peter Jakobi behauptet: 99% unserer Gedanken stammen nicht von uns. Mich hat diese Tatsache erstaunt; vielleicht geht es Ihnen ja genauso. Mein erster Gedanke war: das ist aber ganz schön dick aufgetragen. Doch beim intensiven Nachdenken musste ich ihm Recht geben.
Da sind die vielen Faktoren von außerhalb, die unsere Gedanken prägen: Fernsehen, Zeitung, Rundfunk, Internet - allein die Beeinflussung durch die verschiedenen Medien, die unser Denken täglich mit ihrer Informationsflut beeinflussen, ist enorm. Dazu kommen unsere Erziehung und Bildung, Gespräche, Bücher und Vorträge - prägende Eindrücke von Kindheit an. Auch Erfahrungen, die ich gemacht habe - schöne und positive genauso wie negative und belastende, bestimmen in hohem Maß mein Denken. Von daher ist die Frage berechtigt: „Wo lasse ich denken?“ Welche Gedanken lasse ich ein? Was übernehme ich zu meinem Gedankengut? Sind es gute, positive, aufbauende, oder negative, zerstörende Gedanken?
Wenn Gedanken zu Mächten werden
Vor einiger Zeit war ich unfreiwillige Mithörerin, als eine Frau zu einer anderen etwas Negatives über mich äußerte. Ich war sehr betroffen über das Gehörte und überlegte, warum diese Frau so etwas sagte. Es bedrückte mich sehr, zumal das alles nicht stimmte. Ständig musste ich über diese Äußerung nachdenken und dabei ging es mir immer schlechter. Meine Freude und Zufriedenheit waren auf einmal wie weggeblasen. Die negativen Gedanken bekamen immer mehr Raum in mir. Erst als ich erkannte, dass diese Gedanken mein Leben vergiften und mich lähmen, konnte ich etwas dagegen tun. Und zwar begann ich immer dann, wenn die negativen Gedanken sich wieder einstellten, für mich und diese Frau zu beten. Dies gab mir meine innere Ruhe wieder.
Gedanken können zu Mächten werden, wenn wir ihnen Raum in unserem Kopf und in unseren Gefühlen geben. Das gilt für die positiven Gedanken ebenso wie für die negativen.
Der Mensch ist das, was er denkt
Was wie eine Binsenweisheit klingt, ist eine wichtige Erkenntnis, auf die nicht nur Psychologen schon lange hinweisen. Achte auf deine Gedanken - sie sind die Bausteine deiner Seele. Die Qualität unserer Gedanken werden den „Bau unseres Lebens“ bestimmen. Wenn wir Frieden haben wollen, müssen wir Gedanken des Friedens in uns beherbergen. Wenn wir glücklich sein wollen, müssen wir über das nachdenken, was dieses Glück ermöglicht. In der Bibel wird das so ausgedrückt: „Was wahr ist, was gut und gerecht, was liebenswert und schön ist, dem denkt nach.“ (Philipper 4, Vers 8) Wenn wir Gutes denken, haben wir Freude und es werden gute Taten daraus folgen. Wenn wir bewusst gute Gedanken und Vorstellungen in uns pflegen, wird das auch in unserer Seele gute Gefühle auslösen. Das Gleiche gilt natürlich auch für negative und destruktive Gedanken. Und gerade in diesem Zusammenhang ist es eine große Herausforderung, solche Gefühle zu hinterfragen und in entsprechende Gedankenabläufe einzugreifen. Manchmal ist es die einzige Chance, uns den inneren Frieden zu erhalten, Gedanken, die uns nach unten ziehen und vergiften wollen, bewusst abzuweisen und uns von ihnen zu trennen. Damit dies gelingt, müssen wir uns ehrlich fragen, ob es negative Gedanken in uns gibt, die wir nähren und immer wieder zurückrufen. Das ist deshalb so wichtig, weil wir mit diesem Verhalten auch das Gefühl von Enttäuschung und Bitterkeit immer wieder zurückholen. Bitterkeit und Enttäuschung jedoch machen unsere Seele krank. Unsere Gedanken brauchen dringend Korrektur, wenn wir merken, dass wir negative Gedanken nicht loswerden und sie uns immer wieder gefangen nehmen. Eine Hilfe in diesem Zusammenhang kann das Gespräch mit einem Menschen unseres Vertrauens sein. Im Gespräch müssen sich ungute Gedanken enttarnen und häufig führen hilfreiche Gespräche zu befreienden Erfahrungen.
Meine Gedanken und Gottes Fürsorge
Für mich ist es eine große Hilfe, mit Gott über meine Gedanken und Gefühle zu sprechen. Gerade bei negativen Erfahrungen erlebe ich es immer wieder als sehr befreiend, meine Empfindungen und Gedanken an ihn abzugeben. Es ist gut für mich, Gott um Hilfe zu bitten, um Negatives nicht länger in mir zu nähren und bestimmte Gedanken nicht weiter denken zu müssen. Es hilft mir auch, wenn ich Menschen, die mich verletzt haben, in die Verantwortung vor Gott stelle. Sie selbst müssen ihre Worte und Taten vor Gott verantworten. Ich aber bin für das verantwortlich, was ich denke und tue.
Ich freue mich darüber, dass Gott sagt, dass er sich Gedanken um uns macht. Und es ist schön, dass es gute Gedanken sind, die er über uns denkt: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht Gott, der Herr. Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Dass ich euch gebe Hoffnung und Leben.“ (Jeremia 29,11) Diese großartige Zusage Gottes dürfen wir ganz persönlich nehmen. Sie hilft uns, nicht den negativen und dunklen Gedanken nachzuhängen, sondern Gott zu vertrauen. Weil er an uns denkt und sich gute Gedanken über uns macht, dürfen auch wir lernen, Gutes und Wahrhaftiges zu denken.
Karin Böhm
Kann man heute noch an Wunder glauben?
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Wunder gibt es immer wieder
"Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen", sang einst Katja Ebstein beim Grandprix-Wettbewerb. Dass es Wunder gibt, daran zweifeln nur ganz wenige, aber wenn sie selbst eins erleben, ist das etwas ganz Besonderes. Lesen Sie diesen Bericht dazu.
Ein Anruf, der alles veränderte
"Ich weiß nicht mehr, wie ich mit meiner Unruhe fertig werden soll", erzählt mir eine Frau am Telefon. "Jadwiga hat angerufen. Ich kann es immer noch nicht begreifen, dass dies möglich ist. Und doch weiß ich nicht, ob ich mich freuen soll oder fürchten muss. Ich bin in Polen auf einem großen Bauernhof aufgewachsen. Im Januar 1945 musste meine Familie flüchten. Aber die Flucht führte ins Chaos. Die russischen Panzer überrannten uns. Wir wurden zurück auf unseren Hof geschickt. Aber nun waren wir nicht mehr die Herren, sonder Knechte und Mägde eines reichen polnischen Bauern. Eine Schweinebox diente uns als Behausung. Der Verwalter holte mich nicht nur als Magd unter sein Dach, sondern auch in sein Bett. Ich war gerade 15, als ich schwanger wurde. Mit weiten Kittelschürzen verbarg ich meine Körperfülle, denn eine Abtreibung kam für mich nicht in Frage.
Als meine Tochter geboren wurde, nannte ich sie Hedwig. Wenn auch dieses Kind durch eine Vergewaltigung das Licht der Welt erblickte, so fand ich doch Gefallen an meiner kleinen Tochter. Die Kleine gedieh prächtig. Ich hatte meine wahre Freude an ihr. Wenn ich mein Kind stillte und der Verwalter mich im Hühnerstall oder in der Küche vermisste, schimpfte er los.
Mutter ohne Kind
Acht Wochen nach der Geburt fuhr eines Tages eine Kutsche auf den Hof. Ein vornehmes Ehepaar stieg aus. Ich ahnte schon nichts Gutes, als der Verwalter mich zu sich rief: "Du holen deine Baby. Deine Baby nicht kann bleiben in diese Haus! Du hier arbeiten, und Baby muss fort zu andere Frau."
Diese Worte trafen mich tief im Innersten. Ich war wie gelähmt, aber ich musste gehorchen. So nahm ich meine kleine Tochter, gab ihr noch einen Kuss und drückte sie der fremden Frau in die Arme. In dieser Stunde wurde aus meiner Hedwig eine Jadwiga; das ist die polnische Bezeichnung für diesen Namen. Ich wollte weinen, aber mein Herz war wie von einer Eisschicht erstarrt. Nun war ich eine Mutter ohne Kind. Später siedelte ich nach Deutschland über, heiratete und bekam noch drei Kinder. Mein Mann wusste um mein tragisches Geschick und hatte Verständnis dafür, aber meinen Söhnen habe ich nie erzählt, dass sie noch eine große Schwester haben.
Jahre sind darüber ins Land gegangen. Ich wurde schon früh Witwe. Nie habe ich meine Tochter vergessen können. In meinem Herzen war ein Platz leer, der durch nichts zu ersetzen war. Ich fühlte mich auch schuldig, dass ich mich nicht schon längst auf die Suche nach ihr begeben hatte. Aber ich schämte mich so. Wer redet schon gern über seine Vergewaltigung?
Aber Jadwiga (Hedwig) hat mich lange gesucht und nach vielen Jahren gefunden. Das Unglaubliche ist geschehen. Vor ein paar Tagen hat sie mich angerufen. Sie will mich nun besuchen. Verstehen Sie meine Unruhe? Eigentlich müsste ich mich freuen, aber was sagen meine Söhne und meine anderen Verwandten, wenn da plötzlich noch eine Tochter auftaucht?" - Soweit die Geschichte.
Gott tut Wunder!
Ich kannte die Erzählerin. Wir waren uns auf einer Tagung begegnet, wo sie mich ansprach und bat, ich möchte ihr doch den Weg zu Christus zeigen. Sie war vom Wort der Bibel fasziniert und hatte begriffen: Wenn einer mein Innerstes heilen kann, dann ist er es, der Gottessohn. Die Liebe von Jesus hatte sie überwältigt. Sie spürte, dass Gott sie versteht und ihr Leid wenden kann. In einem Gebet übergab sie Christus ihr Leben.
Nun hatte Gott ihr tiefstes Sehnen gesehen und ihr einen Ausweg geschaffen. Ich schlug ihr vor, sie und Hedwig sollten zu mir kommen. Hier in unserem Haus sollte die Familienzusammenführung stattfinden. Was zerrissen war, darf wieder verbunden werden, was getrennt war, wieder zusammenfinden. - Doch es gab noch einige Hürden zu überwinden, denn die drei Kinder empfanden das langjährige Schweigen der Mutter als Vertrauensbruch! Viele Gespräche waren nötig, um sie die Situation der Mutter verstehen zu lassen und das neue "Familienmitglied" zu akzeptieren. Nun sind die Wogen geglättet und Besuche zwischen den Familien in Polen und Deutschland haben mehrmals stattgefunden.
Die alte Mutter konnte wieder zur Ruhe kommen, denn Gottes Zusage hat sich erfüllt:
"Gott spricht: Ich will das Verlorene suchen und das Verirrte wiederbringen." (Die Bibel: Hesekiel, 34,16)
Solch einen Gott haben wir, der heute noch Wunder tut!
Lotte Bormuth
Gott, wenn es dich gibt ...
Vom Atheismus zum christlichen Glauben
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Ich komme aus einer Familie, in der christlicher Glaube seit Generationen keine Rolle gespielt hat. Ich bin halt ein typisches Beispiel für jemanden aus der ehemaligen DDR. Soweit ich mich erinnern kann, waren Kirchen nur alte Gemäuer, Relikte, die hier und da noch standen. Ich wusste zwar, dass da sonntags auch noch Leute hingehen. Aber meist konnte man sie an einer Hand abzählen.
Etliche Jahre nach der Wende begann ich einen Volkshochschulkurs für Englisch. Einmal erwähnte die Lehrerin beim praktischen Üben des bestimmten Artikels, dass sie Christ sei. Naja, das registrierte ich einfach so nebenbei. Kurz vor Ablauf des Kurses teilte sie mit, dass sie für das nächste halbe Jahr nach Chile ginge.
Ein Englischkurs mit Folgen
Einige Wochen später erreichte mich ein Brief, in dem diese Lehrerin einen Gruß und ihre E-Mail-Adresse sandte. Außerdem lag ein kleines Büchlein dabei, in dem Leute davon erzählten, wie sie zum christlichen Glauben gekommen sind. Sie ermutigte mich, ihr nach Chile zu schreiben - und ich war froh, einen kompetenten Schreibpartner zu haben, um auf diese Weise mein Englisch zu verbessern. Nur wollte ich vorher unbedingt das Büchlein lesen, bevor ich etwas dazu sagte.
Also ließ ich mich darauf ein. Die Geschichten waren einerseits interessant, andererseits aber für mich kaum nachzuvollziehen. Genauso habe ich es meiner Lehrerin geschrieben.
Es gingen einige Briefe hin und her, und jedes Mal tauchten neue Fragen für mich auf. Zum Beispiel schrieb sie mir einmal, dass sie mit Gott ‘geredet‘ hat. Das war für mich unvorstellbar, und ich fragte, wie sie das macht. - In dieser Art war unsere Kommunikation, und ohne dass es mir bewusst wurde, wuchs in mir eine un-bekannte Sehnsucht, immer noch mehr zu erfahren. Wochenlang schlich ich immer wieder durch Buchläden, weil ich so gern eine Bibel haben wollte. Denn ich wollte selbst lesen, was da stand. Da ich den Mut nicht aufbrachte, mir offiziell eine Bibel zu kaufen, habe ich mir eine bei einem Buchversand bestellt.
Könnte Gott hier eingreifen?
In dieser Zeit befand sich mein Vater im Endstadium einer Lungen-krebserkrankung. Zwischen mir und der Wahl-Chilenin hatte sich eine gewisse Vertrautheit aufgebaut, so dass ich ihr auch über meine Ängste schrieb. Viele Leute, die von der Krankheit meines Vaters wussten, erzählten mir, dass ein Lungenkrebspatient immer qualvoll ersticken wird. Ich wusste nicht, wovor ich mehr Angst hatte: davor, dass mein Vater so sterben würde oder dass meine Mutter dies hilflos mit ansehen müsste.
Dann war es so weit: mein Vater konnte kaum noch atmen, es war nur noch ein verkrampftes Hecheln. Da ermutigte mich meine Lehrerin per Mail, einfach mal zu versuchen, mit Gott darüber zu reden. Die Angst überwog meinen Unglauben, und ich begann Tag für Tag zu flehen: “Gott, wenn es dich gibt, bitte lass nicht zu, dass mein Vater so sterben und Mutti dieses Leid mit ansehen muss. Bitte tu irgendwas, um das zu verhindern!”
Drei Tage vor seinem Tod hatte mein Vater jede Nacht solche Erstickungsanfälle, dass meine Mutter glaubte, der Notarzt komme zu spät. Schließlich kam mein Vater ins Krankenhaus. An seinem letzten Tag besuchten wir ihn, und ich wunderte mich, wieso er so ungewöhnlich ruhig und tief atmete. Für kurze Augenblicke nahm er uns auch wahr, bevor er wieder in diesen Schlaf fiel. Meine Schwester löste mich und meine Mutter ab. Sie redete mit ihm, streichelte seine Hand - bis sie irgendwann bemerkte, dass er nicht mehr atmete. Da war kein Todeskampf, nichts ausser seinem leisen, ruhigen Atmen. Sie weiß bis heute nicht, in welchem Augenbhck er vom Leben in den Tod hinüberging. Als ich die Nachricht von seinem so friedlichen Sterben erhielt, wusste ich auf einmal: Es muss Gott geben! An diesem Abend habe ich mich das erste Mal knieend bei Gott bedankt. Meine Lehrerin, die heute meine beste Freundin ist, kam einen Monat später aus Chile zurück. Wir wollten uns unbedingt treffen.
Der große Gott ist persönlich für mich da
Während dieser Zeit lief gerade die Aktion „Pro Christ“; dabei wurden von einem zentralen Veranstaltungsort per Satellit hunderte von Orten mit einem packenden Programm versorgt. Klopfenden Herzens folgte ich der Einladung meiner Freundin, mit ihr gemeinsam zur Abschluss-Veranstaltung zu gehen. Dort habe ich mein Leben endgültig Jesus Christus anvertraut und mich für den Glauben an ihn entschieden. - Seitdem hat sich ungeheuer viel ereignet. Ich konnte viele erstaunliche Erfahrungen mit Jesus machen und ich bin nach wie vor überwältigt von seiner großen Liebe zu mir. Ich bete dafür, dass mir dieses brennende Herz für meinen Gott nie verloren geht und möchte mein altes Leben nie wieder zurück.
Folgender Psalm drückt sehr gut aus, was ich für Gott empfinde:
Du mein Gott und König, dich will ich rühmen; immer, ohne Ende, will ich dir danken! Ich will bekennen: „Der Herr ist mächtig, man muss ihn rühmen; seine Macht ist unermesslich groß!“
Psalm 145,1.3
Beate Treichel
(Text aus “Volksblatt”, Textlive, CH-Oberägeri)
Siegertypen
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Jetzt geht’s looos! – Jetzt geht’s looos!“ Endlich, möchte man sagen! Die Stimmung steigt, der Blutdruck auch, Deutschland freut sich auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Tausende in den neuen Fußball-Tempeln und Millionen in der ersten Reihe vor dem Fernseher fiebern den Spielen entgegen.
Auch bei dieser WM werden wieder Siegertypen gefragt sein, wenn es darum geht, in die nächste Runde zu kommen oder die WM zu entscheiden. Typen wie Lukas Podolski oder Michael Ballack in Topform. Typen, die keinen Ball verloren geben, die die Ärmel aufkrempeln und das Spiel an sich reißen. Es sind die Siegertypen, die im passenden Moment die richtigen Entscheidungen treffen, den Tick cooler und schneller sind als ihre Gegenspieler. Siegertypen halten die unhaltbaren Bälle oder spielen den tödlichen Pass.
Egal, ob sie nun Thierry Henry oder Zinedine Zidane, David Beckham oder Wayne Rooney, Ronaldo oder Ronaldinho, vielleicht auch Schweinsteiger oder Deisler heißen werden, die Siegertypen, von denen wir Großes erwarten – auf jeden Fall freuen wir uns auf sie und auf die Sternstunden des Fußballs in den vier Wochen zwischen dem Eröffnungsspiel am 9. Juni und dem Finale am 9. Juli in Berlin.
Auch eine Sternstunde, wenn auch eine der etwas anderen Art, erlebten wir Zuschauer im vergangenen Jahr nach dem Endspiel des Confed-Cups in der Münchner Allianz-Arena. Da gingen sieben Spieler des brasilianischen Winner-Teams auf die Knie und dankten Gott für den Sieg. Nach Spielschluss lüfteten sie ihr persönliches Erfolgs- und Lebensgeheimnis, das längst schon keines mehr ist: Jesus ist meine Kraft – Gott ist mein Heil – Jesus ist Sieger – so lauteten die Bekenntnisse auf den Shirts der Selecao. Carlos Alberto Parreira, der Coach des brasilianischen Weltmeisterteams, scheute sich nicht, offen über eines der Erfolgsgeheimnisse zu sprechen. Der 63-jährige Erfolgstrainer erklärte in einem FAZ-Interview: „Wir müssen beten, wenn wir etwas erreichen wollen. Das ist die innere Quelle und die Kraft unseres erfolgreichen Teams.“
Cacau, Lucio, Zé Roberto und die anderen Siegertypen sprechen deutlich davon, dass sie Gott mehr brauchen, als alles andere auf der Welt und lassen keinen Zweifel daran, dass ihnen der Glaube an Gott und seine Liebe mehr bedeutet, als der Glanz von Pokalen und Titeln. Sie geben alles in ihrem Job und müssen Spieltag für Spieltag Höchstleistungen in ihren Vereinen bringen. Und gerade die Höhen und Tiefen ihres Sports, der Tanz auf der Rasierklinge, wie Otto Rehagel es einmal genannt hat, ist es, der Fußballstars über den Sinn des Lebens nachdenken lässt. Wird ein Spiel gewonnen, ist man auf der Sonnenseite des Lebens und auf allen Titelseiten. Steckt man im Formtief, ist man genauso schnell abgeschrieben und nur noch zweite Wahl. Viele Top-Stars haben erfahren, was Dirk Heinen, Torhüter beim VfB Stuttgart einmal so formulierte: „Der Glaube an Gott hilft mir, bei jedem sportlichen Höhenflug nie abheben zu müssen und in den Tiefpunkten meines Lebens die Geborgenheit bei Gott zu erleben.“
Obwohl unser Leben viel mehr ist als ein Spiel, gibt es dennoch eine Menge Parallelen. Es fordert den letzten Einsatz von uns und bringt trotzdem nicht immer den erhofften Sieg, sondern auch jede Menge persönlicher Niederlagen. Und jede Niederlage stellt Fragen, auf die wir früher oder später Antworten haben müssen: Wer bewahrt dich vor der Verzweiflung, wenn sich deine Hoffnungen nicht erfüllen? Wer steht dir zur Seite, wenn Menschen dich enttäuschen und du dich plötzlich auf der Verliererstraße befindest? Wo ist dein Lebensfundament, wenn Sicherheiten von heute auf morgen weg sind: Dein Job verloren gegangen ist, du selbst, oder Menschen an deiner Seite hoffnungslos krank werden? Wer gibt dir Hoffnung über den Tod hinaus, wenn das Spiel deines Lebens abgepfiffen wird? Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, eine erfolgreiche Karriere vielleicht 15 Jahre – Jesus Christus hat versprochen, jeden Augenblick bei uns zu sein. Er lädt uns ein: „Wer an mich glaubt, der hat das Leben“ (Die Bibel: Johannesevangelium 5,24 und 11,25). Weil Jesus lebt, können wir ihn erfahren. Das ehrliche Gespräch mit ihm hilft uns mit persönlichen Krisen, Verletzungen und frustrierenden Niederlagen im Leben fertig zu werden.
Jeder Mensch braucht Antwort auf die Frage nach dem Sinn seines Lebens, egal, ob er gerade im Formtief steckt oder richtig gut drauf ist. Jeder von uns braucht eine lebendige Beziehung zu Gott. Weil unser Leben etwas Einmaliges und Wertvolles ist und weil Gott einen Plan mit jedem von uns hat, sind Menschen, die Jesus Christus vertrauen, in jedem Fall auf der Seite des Siegers.
Zitate von:
Marcelo Bordon:
Die wichtigste Frage ist, wo man echtes Glück finden kann. Für mich ist es die Tatsache, dass ich Jesus und diesen Frieden im Herzen habe und weiß, dass ich eines Tages ewig mit ihm leben werde.
Zé Roberto:
Meine Entscheidung für ein Leben mit Jesus wurde für mich noch wichtiger als meine Liebe zum Fußball. Das Wichtigste im Glauben ist, dass man sich von Gott geliebt weiß. Das gibt mir Kraft für alle Situationen im Leben.
Lucio:
Ich bin heute froh darüber, mich dafür entschieden zu haben, dem lebendigen Gott zu vertrauen. Seitdem ich mich im tiefsten Herzen auf Gottes Liebe eingelassen habe, bin ich ein anderer Mensch geworden.
So wird ein Leben wertvoll
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Ungläubig starre ich auf den Brief in meinen Händen. "Wie kommen die nur darauf, dass ich etwas zum Thema "Selbstwert" schreiben könnte? Ich kann das eh` nicht!" Wobei wir schon beim Thema wären...
Vielleicht kennst du das auch: Du musst eine Aufgabe erledigen und schiebst die Sache ewig vor dir her. Ich komme ins Grübeln: "Warum fällt mir das so schwer, an die Sache frühzeitig ranzugehen? Anderen fällt das bestimmt leichter! Warum habe ich gerade diese Schule mit diesem Lehrer erwischt oder diese Ausbildung mit diesem unmöglichen Chef?" Du hast manchmal das Gefühl, dass du neben dem Leben stehst, innerlich vielleicht sogar aussteigst aus dieser Gesellschaft. Alles nervt dich an. Dauernd vergleichst du dich mit Leuten, denen es anscheinend besser geht. Und so dreht sich die Selbstmitleidsspirale immer weiter und zieht dich nach unten. "Was macht es für einen Unterschied, dass ich da bin? Wen interessiert das eigentlich?" Neulich hörte ich von einem jungen Mädchen: "Die Lücke, die ich hinterlasse, ersetzt mich vollkommen!"
Jetzt denkst du vielleicht: "Der ist aber depri-mäßig drauf". Schön für dich, wenn du das noch nicht so krass erlebt hast. Vielleicht fühlst du dich aber in deiner Lage verstanden. Ich habe bemerkt, dass die Leute sehr unterschiedlich mit dem Problem eines niedrigen Selbstwertgefühls umgehen. Die einen versuchen es durch Leistung und Erfolg aufzumöbeln. Das ist an sich nichts Schlechtes. Wenn ich mir aber dauernd durch meine Leistung beweisen muss, dass ich toll bin und mein Leben einen Wert hat, dann läuft etwas schief. Ich werde rücksichtslos oder brenne aus. Und wenn ich arbeitslos werde oder keine Möglichkeit habe, Leistung zu bringen, stürze ich ins Bodenlose.
Gute Beziehungen haben ihren Wert
Andere versuchen dieses Loch in der Seele durch Beziehungen zu füllen. "Wenn ich wenigstens ein paar Freunde oder Freundinnen habe, dann geht`s schon irgendwie." Eine Clique von Gleichgesinnten zu haben ist wirklich genial. Aber auf Dauer können Menschen meine innere Leere nicht stopfen. Das überfordert sie einfach und ich gehe ihnen möglicherweise auf die Nerven. Und wieder andere greifen zu Alkohol und Drogen, um sich aufzuputschen. Wie polierst du eigentlich deinen Selbstwert auf? Ich habe festgestellt, dass alle Arten fast immer davon ausgehen, dass ich etwas leisten oder bringen muss, um mich wertvoll oder besser zu fühlen. Da gibt es oft viel Glanz an der Fassade – aber wie sieht es dahinter aus?
Eine wichtige Entdeckung
Aber nun habe ich etwas entdeckt, was mir echt geholfen hat: Vor einiger Zeit habe ich angefangen zu verstehen, dass mein Wert nicht an meiner Leistung hängt. Der Sinn meines Lebens muss mir von außen gegeben werden. Mir wurde klar: der Wert meines Lebens kommt von Gott. Denn er hat mich nach seinem Bild geschaffen (vgl. die Bibel, 1. Mose 1,26). Damit ist gemeint, dass Gott dich und mich als sein Ebenbild und Gegenüber geschaffen hat. Er will eine Beziehung mit dir. Du bist kein Staubkorn im kalten Weltall, sondern du bist da, weil Gott es will - selbst wenn deine Eltern dich nicht gewollt haben! Der Sinn und Wert deines Lebens ist, dass du in Beziehung mit deinem Schöpfer lebst.
Und die Bibel erzählt weiter, dass Gott kein Gott ist, der Leistung von uns fordert, damit er mit uns zufrieden ist – auch wenn viele das glauben.
Er vergleicht sich im Lukasevangelium, Kapitel 15, mit einem Vater, der sehnsüchtig auf seinen Sohn wartet. Dieser war nämlich mit viel Geld ausgerissen. Als er dann völlig abgebrannt wieder aufkreuzt, rennt der Vater ihm entgegen, weil er ihn schon von ferne gesehen hat. Und mit so einem Vater vergleicht sich Gott. Er brennt darauf, dich kennen zu lernen. Er macht den ersten Schritt auf dich zu – und das alles aus Leidenschaft für dich. Seine Liebe ist anders als alle menschliche Liebe. Sie ist bedingungslos. Sie ist nicht von unserem Verhalten abhängig.
Ich erwähnte, dass es bei mir einen Einschnitt gegeben hat, an dem ich begonnen habe, das zu verstehen. Es war der Tag, als ich meinen Schöpfer gefunden habe – oder soll ich besser sagen: er hat mich gefunden? - also der Tag, an dem ich verstanden habe, dass Gott so zu mir kommen will, wie ich bin. Ich war/bin ihm einfach wichtig.
„Wir machen den Weg frei“
Aber ich habe auch begriffen, dass zwischen mir und Gott eine natürliche Barriere ist. Gott kann keine Gemeinschaft mit mir haben ohne „Grundreinigung“. Denn ein heiliger Gott kann mit etwas Unreinem keine enge Gemeinschaft haben. Darum wurde er aktiv und machte von sich aus den Weg frei. Er sandte seinen Sohn als Mensch auf unsere Erde, das war Jesus Christus. Der trug alle unsere Fehler und unseren Schrott ans Kreuz und ließ sich stellvertretend für uns zum Tode verurteilen. Er nimmt meinen Schrott, damit mein Weg zurück zum Vater frei ist. Und er will auch deinen Schrott, damit dein Weg in die Arme deines Schöpfers frei ist. Wir können den Preis dafür nicht bezahlen, aber Gott selbst hat ihn bezahlt. Der Preis war das Leben seines Sohnes. Und wie haben wir das verdient? Gar nicht. Er tat es einfach aus Liebe, weil du ihm als sein Geschöpf wertvoll bist. Er will dich bei sich haben. Er will, dass du nach Hause kommst. Er liebt dich mit bedingungsloser Liebe. – Seit jenem Entschluss, als ich das Angebot Gottes für mich persönlich angenommen habe, wurde mein Selbstwertgefühl allmählich besser. Ich merke, dass ich den richtigen Weg gefunden habe und dass ich in einem innerlichen Heilungsprozess bin. Die Zukunft bleibt spannend!
Martin Vackenroth
Meine Suche nach dem Sinn des Lebens
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Alles vergessen, was in meinem Leben schief gelaufen war, und noch einmal richtig neu beginnen können? "Das wäre klasse!", dachte ich und trank mein Bier aus. Wieder war es Wochenende. Wieder hatte ich zuviel getrunken. Statt neu anzufangen, flüchtete ich in das alte Verhalten. Warum war das, was mich kaputt machte, zu meinem Lebensinhalt geworden?
Ein stadtbekannter Rowdy
Eigentlich lief alles ganz normal. Ich bin in einer gut bürgerlichen Familie aufgewachsen. Christlich sind meine Eltern zwar nicht, aber sie schickten mich doch in die Kirche. Dort gefiel es mir ganz gut. Auch wenn der Pfarrer ein wenig streng war, konnte ich seine Aufrichtigkeit und Liebe zu seinen "Schäfchen" spüren. Beichte, Kommunion und Firmung waren für mich sehr eindrücklich, auch wenn ich bald nichts mehr von Glaube und Kirche wissen wollte.
Es kam, wie es wohl bei den meisten Jugendlichen kommt. Mit 14 Jahren ist es "cool" zu rauchen, Alkohol zu trinken, möglichst viele Freundinnen zu haben und viel Mist zu bauen. Warum ich im Alkoholrausch jedes Mal irgendetwas Blödes anstellte, weiß ich heute auch nicht genau. Jedenfalls standen meine "Ruhmestaten" stets in der Tageszeitung meiner Heimatstadt Erlangen. Einmal kletterte ich völlig betrunken auf einen Baukran. Dort setzte ich mich ganz vorne auf den Ausleger des Krans und rauchte eine Zigarette. Ein großes Aufgebot von Polizei und Feuerwehr fuhr auf, um mich wieder heil von da oben runterzuholen.
Meine Eltern waren enttäuscht und ratlos zugleich. Was sollten sie mit mir machen? Nachdem ich drei Autos zu Schrott gefahren hatte und an zwei Wochenenden in den Jugendknast musste, wurde ich doch nachdenklich. "Stefan", sagte ich zu mir selbst, "es muss sich was ändern!"
Mittlerweile war ich 19 Jahre alt und immer noch nicht weiter gekommen. Dank der Hilfe meiner Eltern hatte ich zwar meine Lehre als Elektroinstallateur erfolgreich abgeschlossen, aber ich wollte mehr. Also, Elektrotechniker wäre doch was! Dazu wäre aber die Mittlere Reife sinnvoll. Ich bekam eine gute Arbeitsstelle an der Universität und konnte nebenher die Abendrealschule besuchen. "Glück gehabt!", dachte ich damals.
Die Wende bahnte sich an, als ich 23 Jahre alt war. An der Abendrealschule begegnete ich Dieter. Der erzählte jedem in der Klasse von Jesus und der Bibel. Ein Spinner? Irgendwie schon und auch wieder nicht, denn Dieter erzählte sehr liebevoll und persönlich von seinem "Retter Jesus". Was er sagte, weckte in mir den verborgenen Glauben an den liebenden und vergebenden Gott, wie ich ihn als Kind kennen gelernt hatte.
Entscheidung in der Nacht
Dieter gab mir ein kleines Büchlein zum Lesen. Darin erzählten einige Menschen in beeindruckender Weise von ihrem Glauben. Ich las dieses Buch eines Nachts, als ich nicht schlafen konnte. Das Lesen sollte mich eigentlich müde machen, doch es kam ganz anders. Es weckte in mir den Wunsch: Diese Hoffnung will ich auch haben! So einen Neuanfang wollte ich auch machen. Einfach neu beginnen und alles, was schief gelaufen war, vergessen und neu starten. Am Ende des Büchleins stand ein kleines Gebet. Es lautete etwa so: "Lieber Gott, ich danke dir, dass dein Sohn Jesus Christus auch für mich am Kreuz gestorben ist und mich von meiner Schuld befreien möchte. Ich glaube, dass Jesus Christus mir ewiges Leben schenken kann. Ich bitte dich um Vergebung meiner Sünden. Bitte komme du nun durch deinen Heiligen Geist in mein Leben und mache einen neuen Menschen aus mir. Amen."
In dieser Nacht kniete ich vor meinem Bett hin und gab Jesus mein Leben. Ich konnte es richtig spüren, dass nun alles anders werden sollte. Und so war es dann auch. Am nächsten Morgen kam ich strahlend auf die Arbeit. Meine Kollegen fragten mich verwundert: "Was ist denn mit dir los?" Sie sahen die Hoffnung und den Frieden in meinen Augen. Sie merkten auch schnell, dass ich keinen Spaß mehr am Alkohol und Sprücheklopfen hatte. Die Sehnsucht nach Sinn und Bedeutung war in mir gestillt. Mein Leben hatte wieder Wert bekommen, weil ich in Gottes Augen wertvoll bin.
Nach und nach brachte Gott bei mir viele Dinge in Ordnung. Mit viel Geduld und Verständnis geht Jesus Christus wie ein "guter Hirte" mit mir durch das Leben. Heute absolviere ich eine theologischen Ausbildung. Ich möchte Gott und den Menschen dienen, indem ich von der Liebe Gottes erzähle und zu einem erfüllten Leben mit Jesus Christus einlade. Denn bei ihm kommt die unruhige menschliche Seele zur Ruhe.
Stefan Thieme
Wer´s glaubt, wird selig
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"Ihre Antwort ist richtig!", bestätigte der Moderator einer Hörerin, die soeben bei einem Radiosender eine Wochenendreise nach Mallorca gewonnnen hatte. "Und wie geht´s Ihnen jetzt?", erkundigte er sich weiter. "Wow - ich bin so richtig selig!", kreischte die Hörerin ins Telefon.
Sie kriegte sich gar nicht mehr ein vor Freude. Fast hätte sie in ihrem Glück überhört, dass der Moderator sie aufforderte, den Hörer nicht aufzulegen, damit man ihre Adresse aufnehmen konnte.
Wir sind so richtig selig, wenn wir Erfahrungen machen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Da könnten wir die ganze Welt umarmen.
Dreißig Bewerbungen hatte er schon geschrieben und immer wieder eine Absage erhalten. Frust hatte sich bei ihm breitgemacht. Bis ihm jemand einen Tipp gab: Frag doch mal den, ich glaube, er kann dir weiterhelfen. Und tatsächlich, so bekam er eine Stelle. Als die Mutter abends nach Hause kam, fiel er ihr um den Hals. "Was ist denn mit dir los?" blickte die Mutter ihn erstaunt an. "Stell dir vor, ich habe eine Stelle bekommen!" sprudelte es aus ihm heraus. Ehe die Mutter "Herzlichen Glückwunsch" sagen konnte, war er schon wieder weg von ihrer Seite, hüpfte singend durch die Wohnung und rief nur immer freudestrahlend: "Ich hab eine Stelle, ich hab eine Stelle!" Er war so richtig selig.
Wir sind so richtig selig, wenn wir von Tatsachen überrascht werden, die wir nicht mehr für möglich gehalten hätten.
Wenn die Bibel von selig spricht - und sie spricht oft davon - dann setzt sie noch viel tiefer an. Ja, es ist schön, eine Reise zu gewinnen. Es ist noch schöner, als junger Mensch einen Arbeitsplatz und damit eine Zukunftsperspektive zu bekommen. Aber am schönsten ist - so meint die Bibel - wenn ein Mensch mit Gott eins wird.
Mit Gott ins Reine kommen
Mir ging es einmal so, als ich über eine längere Zeit Fehlverhalten und Sünde in meinem Leben toleriert hatte. Je länger das ging, um so weiter entfernte ich mich von Gott. Wenn ich mit ihm sprach, klammerte ich die Sünde immer aus und tat so, als gäbe es sie nicht. Schließlich mied ich immer mehr das Gespräch mit ihm. Es war alles nur noch oberflächlich. Bis ich es eines Tages nicht mehr aushielt, zu einem Seelsorger ging und meine Sünde beichtete. Als er mir die Hände auflegte und die Vergebung meiner Sünden zusprach, fühlte ich mich so richtig erleichtert. Ich hätte Luftsprünge machen können. Ich war so richtig selig.
Wir sind so richtig selig, wenn wir in unserem Leben nicht mehr festgelegt werden auf das, was wir getan haben. Wir könnten vor Freude weinen.
Da besuchte ich eine alte Dame, eine Pastorenfrau. Immer wieder hatte sie mich eingeladen, um mir ihre neuesten Erkenntnisse mitzuteilen. Ich war gespannt, was sie mir dieses Mal erzählen würde. Kaum hatte ich mich gesetzt, sagte sie zu mir: "Ich kann jetzt ´Papa´ zu Gott sagen!" Etwas unsicher über diese Aussage versuchte ich, ein bisschen Mitfreude zu zeigen. Zu sehr war ich in diesem Augenblick in meinem theologischen Gedankengebäude gefangen. Gleich schossen mir die Fragen durch den Kopf: “Geht das denn, darf man das, ist das theologisch legitim?” Doch dann erinnerte ich mich an das Wort Jesu: "Abba, lieber Vater." Hatte nicht auch Jesus so liebevoll mit Gott gesprochen? "Abba" - das ist ein aramäisches Kosewort und heißt auf deutsch: lieber Vater oder Papa. Was spricht dagegen, fragte ich mich, dass diese alte Dame dieses Kosewort Jesu auch für sich entdeckte? Drückte es nicht ihre ganze Seligkeit aus, eins mit Gott zu sein? Sicherlich hatte sie auch andere Zeiten in ihrem Leben gekannt, nun aber war sie richtig selig, dass sie Gott so persönlich ansprechen und so eng mit ihm leben konnte.
Der Glaube macht selig. Aber richtig. Denn nichts ist schöner, als mit Gott eins zu sein.
Das hatte auch ein Afrikaner erfahren, von dem uns das Neue Testament berichtet. Sein Leben hatte viele offene Fragen und er war getrieben von einer großen Sehnsucht nach Antworten und Klarheit. Jeder von uns kennt das.
So machte er sich auf nach Jerusalem, suchte die Begegnung mit dem Heiligen, fand aber stattdessen „nur“ eine Schriftrolle mit dem Wort Gottes. Auf seiner Fahrt nach Hause studierte er sie, verstand aber nicht, was er las.
Wer sucht, der findet
Gott sah sein ehrliches Suchen und sandte ihm einen Menschen über den Weg, der ihm erklären konnte, was er nicht verstand. Mehr und mehr fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Bald hatte er nur noch diesen einen Wunsch: Er wollte ganz zu Gott gehören. Als sie an eine Wasserstelle kamen, sprudelte es aus ihm heraus: "Dort ist Wasser! Was spricht dagegen, dass ich getauft werde?" Der gute Philipp, der ihn begleitete, konnte nur antworten: "Nichts. Vertrau dein Leben Jesus Christus an, so wirst du selig." "Ich glaube", antwortete er, "Jesus Christus ist ganz eins mit Gott. Und ich will durch ihn ebenfalls zu Gott gehören." Dann stiegen die beiden ins Wasser. Nachdem Philipp den tiefen Glauben des Afrikaners sah, taufte er ihn zum Zeichen dafür, dass er nun in die Familie Gottes aufgenommen war. Der Afrikaner aber fuhr richtig selig nach Hause. Er musste es allen weiter erzählen. (Nachzulesen in der Apostelgeschichte, Kapitel 8, Verse 26-40)
Skeptiker reagieren ungläubig oder spöttisch: "Wer's glaubt, wird selig."
Menschen aber, die durch Jesus mit Gott eins geworden sind, sagen: "Ich glaub's. Und ich hab's schon jetzt erfahren."
Es bleibt eine unverrückbare Tatsache: Wer glaubt, wird selig - und das nicht nur für ein paar Augenblicke oder bei ein paar Höhepunkten des Lebens.
Nein, für immer. Ewig!
Was spricht dagegen, dass Sie, lieber Leser, ebenfalls mit Gott eins werden? Sie sagen: nichts?
Dann vertrauen auch Sie Ihr Leben Jesus Christus an - und Sie werden selig.
Für immer und ewig.
Ihr Volker Steinhoff
Fürchte dich nicht!
Ermutigung zu einem Leben im Vertrauen
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Editorial
Träumen Sie auch manchmal schwer? Ein Freund erzählte mir von einem, bis in die Einzelheiten immer gleich ablaufenden und regelmäßig wiederkehrenden Traum, in dem er über den Friedhof läuft und merkt, dass ein Mann ihn verfolgt. Sobald er wegzurennen beginnt, beschleunigt auch sein Verfolger seine Schritte beschleunigt. Der „Film“ endet immer damit, dass er am Ausgang des verschlossenen Friedhofs versucht, sich über die Mauer zu ziehen, der Mann ihm dabei ein Messer in den Rücken stößt und er mit einem lauten Schrei erwacht. Als ich meinen Freund nach längerer Zeit wieder einmal nach diesem Traum fragte, antwortete er total entspannt: „Seit meiner Hochzeit ist alles anders. Wenn meine Frau merkte, dass ich nachts schwer zu atmen beginne, ahnt sie, dass meine Flucht über den Friedhof wieder beginnt. Dann legte sie mir die Hand die Stirn und sagt: „Hab keine Angst, ich bin ja bei dir! Das hilft sofort.“
Wie gut, dass es auch für uns, egal, mit welchen Ängsten wir uns herumschlagen müssen und wie tief auch immer sie in unsere Träume hineinreichen mögen, diesen Zuspruch gibt: Sei getrost! Ich bin ja bei dir. Gott verspricht uns durch Jesus seinen Beistand. Jesus, der am eigenen Leib erfahren hat, in welch bodenlose Tiefe ein Mensch fallen kann, der Angst hat, tröstet uns mit den Worten: „… ich habe die Welt überwunden.“ Die Welt, das ist alles, was uns Angst macht. Jesus hat sie am eigenen Leib bis in die tiefste Tiefe durchlitten. Deshalb muss die Angst nicht mehr die letzte Wirklichkeit in unserem Leben sein. Sei getrost, ich bin ja bei dir – das darf trotz allem, was uns in Angst versetzt, in einem Leben im Vertrauen auf Jesus Christus die befreiende Erfahrung über unserem Leben sein.
In Ängsten geborgen
Kindheitserfahrungen
Ich war wohl sechs oder sieben Jahre alt, als ich eines Nachts durch ungewohnte Geräusche aus dem Schlaf gerissen wurde. Irgendjemand versuchte, von außen den Rollladen meines Kinderzimmerfensters nach oben zu schieben. Dazu hörte ich Rufe, die ich nicht verstand. Ich lag wie gelähmt. Ich wollte schreien, doch kein Laut kam aus meiner Kehle. Meine Hände verkrallten sich in Leintuch und Decke. Wie sollte ich es schaffen, die wenigen Meter zum Schlafzimmer der Eltern zu überwinden?
Doch welch eine unendliche Befreiung, als ich meinen Vater hörte, wie er das Fenster im Schlafzimmer öffnete und den Eindringling mit energischen Worten wegschickte. Der war offensichtlich betrunken und suchte nun verwirrt sein Zuhause. Dann kam der Vater an mein Bett, strich mir über das Haar und sagte leise: „Hab keine Angst, ich bin ja da. Er ist weg.“
Ganz tief prägten sich diese tröstenden Worte meinem Gedächtnis ein, aber auch das, was sie mir damals vermittelten: Es gibt etwas, was stärker ist als die Angst, nämlich Vertrauen und Geborgenheit.
„In der Welt habt ihr Angst ...“
Unsere kindlichen Ängste lassen sich oft noch von Vater oder Mutter vertreiben. Doch wenn wir älter werden, entdecken wir die Angst, die sich nicht einfach verscheuchen lässt – jene Angst mit all ihren verschiedenen Gesichtern.
Angst vor dem Leben und seinen vielfältigen Anforderungen, verbunden mit der Angst zu versagen, Angst vor Veränderungen und ihren oft drohenden Folgen, Angst vor unheilbarer Krankheit, Alter, Einsamkeit und Tod, Angst vor Menschen und ihrer zunehmenden Gewaltbereitschaft, aber auch Angst vor der Zukunft mit all ihren düsteren Prognosen, Angst vor Krieg, und Naturkatastrophen, vor einem atomaren Supergau, vor globaler Bedrohung.
Von Albert Camus stammen die Sätze: „Das 17. Jahrhundert war das Jahrhundert der Mathematik, das 18. Jahrhundert das der physikalischen Wissenschaften, das 19. Jahrhundert das der Biologie. Unser 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Angst ...“ Und heute? Die Angst geht um, auch wenn sie häufig verborgen ist hinter einer Fassade der Selbstbeherrschung und Selbstsicherheit. Statistiken belegen, dass bereits jeder 10. Bürger in Deutschland unter behandlungsbedürftigen Ängsten leidet. Auch die Bibel verschweigt dieses Thema nicht. Es wird uns kein Leben in Angstfreiheit versprochen. Nein, im Gegenteil, im Johannes-Evangelium heißt es ganz klar: „In der Welt habt ihr Angst!“ Seit jener Zeit im Paradies, als die ersten Menschen sich nahmen, was ihnen nicht zustand und sein wollten wie Gott, gehört die Angst zu unserer menschlichen Existenz und wir können sie ebenso wenig ignorieren, wie eine Frau den Wehenschmerz verhindern kann, wenn die Stunde der Geburt gekommen ist. Und doch, wie gut, dass jenes Wort von Jesus nicht mit der „Angst“ endet, sondern Fortsetzung findet:
„... aber seid getrost ...“
Das ist mehr als nur der Appell „Kopf hoch, nur Mut!“ Jesus ruft hier seinen Leuten zu: „Lasst euch nicht gefangen nehmen von alle den bedrängenden Situationen. Schaut weg von der Angst!“ Aber wohin denn? Auf unser Können? Unsere Kraft, unser Selbstvertrauen? Nein, Grund unserer Zuversicht ist er, Jesus, der gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage und ihr gehört zu mir. Schaut auf mich, denn ich habe euch etwas Wichtiges zu sagen:“
„Ich habe die Welt überwunden!“ (Johannes 16, 33)
Welch ein tröstlicher Gedanke! Jesus hat die Macht auch über den tiefsten Grund unserer Angst! Wo der Sieg errungen ist, ist der Kampf vorbei und wenn die Waffen noch so laut klirren! Und wer auf der Seite des Siegers steht, darf dem Feind getrost ins Gesicht schauen.
Für mich persönlich heißt das: Ich muss nicht so tun, als wäre die Angst nicht vorhanden. Ich will auch nicht vor ihr fliehen, indem ich mich überfordere mit zahlreichen Terminen und Aktivitäten. Ich darf sie bejahen als einen Teil meines Lebens in dem Wissen: Ich bin nicht allein. Zwar wird mir die Angst immer wieder auflauern, aber sie darf mich nicht mehr beherrschen, weil er, Jesus, durch seinen Tod und seine Auferstehung den Sieg bereits errungen hat. Ihm darf ich mich anvertrauen, wie ein Kind, das bei Gefahr seine Hand vertrauensvoll in die des Vaters legt. In einem Gebet, in schlichten Worten darf ich Jesus sagen, was mir Angst macht und mich bedrückt. Er verspricht: „Ich bin bei euch alle Tage – bis an das Ende der Welt!“ (Matthäusevangelium, Kapitel 28, Vers 20) Das heißt: Auch an den dunklen Tagen des Lebens, wenn mir die Angst auflauert, bin ich geborgen.
Margarete Goos
Mini-Poster:
In welche Ängste der Mensch auch fällt. Er kann nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand.
Hans Lilje
Gott meiner Angst
Da war sie wieder - die Angst, diese alles erdrückende Angst. Sie verfinsterte seit Jahren mein Leben und machte es mir unmöglich, mich frei zu bewegen. Wo ich auch war, an der Arbeitsstelle, beim Einkauf, im Urlaub immer begleitete mich der Gedanke an die nächste Panikattacke. Der Würgegriff der Angst hielt mich fest umklammert: Herzrasen, ein schwirrender Kopf, taube Arme und Beine und eine zugeschnürte Kehle; dieses ohnmächtige Gefühl, einer lebensbedrohenden, bösartigen Urgewalt ausgeliefert zu sein, die mich aus dem Leben drücken wollte und ich hatte dem nichts entgegenzusetzen. Da waren nur noch die Tranquilizer meine wahren Helfer. Zuerst half eine halbe Tablette. Dann wurde es eine, dann zwei, vier, sechs, acht. Schließlich hatte ich das Gefühl, ich konnte nehmen so viel ich wollte, es wirkte nicht mehr. Mir kam es vor, als wäre mein Leben in eine Sackgasse geraten. War ich wirklich so lebensuntüchtig? Gesundheitlich angeschlagen, beruflich überfordert, die privaten Le¬bensbezüge geprägt von Misstrauen und Ablehnung seitens meiner Angehörigen so verlor ich lang¬sam den Boden unter den Füßen. Ich hatte kein Vertrauen mehr in nichts und niemand.
Eines Tages hielt ich mich in einer Stadtbücherei auf. In einem Regal standen Bibeln. Ob die Bibel, die Religion mir wohl helfen könnte? Ich griff mir ei¬ne Ausgabe heraus. Irgendwie fand ich Bibeln schon immer interessant. Mit der Kirche und dem Glauben hatte ich keine Berührungspunkte, aber mittlerweile griff ich nach jedem Strohhalm, der sich mir bot. Während heftiger Angstzustände, bei denen ich alleine zu Hause war und ich mir so hilflos und verlassen vorkam, griff ich zur Bibel. Beim Durchblättern blieben meine Augen an einer Stelle hängen. Ich las im 61. Kapitel des Propheten Jesaja: " … Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Ge¬fangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen."
"Diese Stelle spricht von mir", dachte ich "Ich bin ganz und gar elend, mein Herz ist zerbrochen und schreit nach Hilfe, ich bin ein Gefangener der Angst. Wie gerne würde ich ihre eisernen Ketten ablegen und endlich wieder befreit aufatmen können". Gott kann das so stand es da. "Ach Gott, wie schön wäre es, wenn du dies bei mir tun könntest!", stieß ich einen stillen Hilferuf aus.
Wochen später sah ich im Stadtgebiet überall Pla¬kate mit dem Slogan: "Neu anfangen". Eine Initiative evangelischer Gemeinden. Neu anfangen will ich auch, dachte ich, vielleicht bekomme ich hier Antwort auf meine Frage, wie Gott mir meine Fesseln abnimmt. In der Abendveranstaltung sahen wir einen Jesus Film. Wir redeten darüber. Nach mehreren Treffen und Gesprächen merkte ich, dass in der Bibel eine Kraftquelle verborgen ist, die mir helfen kann. Nach einem Vierteljahr ging ich auf das Angebot ein, mein Leben Jesus Christus anzuvertrauen und es ganz unter seiner Führung zu leben. Diese Entscheidung stellte mein Leben auf ein neues Fundamten, obwohl sie mich nicht automatisch vor einem weiteren Abrut¬schen in meiner schwierigen Lebenssi¬tuation bewahrt hat: Schließlich hatten sich meine Angstzustände und meine Tablettenabhängigkeit so verschlimmert, dass ich in eine psychiatrische Klinik zum Entzug eingewiesen werden musste. Während des Entzugs hatte ich den Ein¬druck, dass die Ärzte nur auf mich einre¬deten Worte, Worte, Worte. Sie ga¬ben keinen inneren Halt. Nichts wirklich Vertrauensvolles . In diesen Wochen hat¬te ich viel Zeit, in der Bibel zu lesen. In den Psalmen fand ich die Kraft und Zu¬versicht, die mir sonst keiner geben konnte, keine Arzte keine Mitpatienten, niemand. Der Psalm 34 wurde "mein Dok¬tor". Diese eindeutigen Aussagen richte¬ten mich auf: "Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben."
Das habe ich erfahren. Gott hat mich tatsächlich getragen. Es war ein langer Weg in den Alltag zurück, aber Stück für Stück hat Gott mir dabei geholfen. Ich bin nicht umgefal¬len, sondern im Vertrauen auf Gott und seine Zusagen konnte ich diese schweren Wochen überstehen und wei¬ter Kräfte sammeln. Bis heute bin ich dankbar für Gottes Gnade mit meinem Leben.
I.B.
Für Informationen und Hilfe stehen neben unseren Seelsorgern, Hans und Hildegard Gaab, auch die Angebote der Therapeutischen Seelsorge zu Verfügung. Informationen, Kontakt, Veranstaltungshinweise und Beratungsadressen unter:
www.ts-institut.de
Nach dem Dunkel kommt ein neuer Morgen (zu Ostern)
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Impulse zu einem Leben mit lebendiger Hoffnung
Editorial
Auf’s Kreuz gelegt
Niemand lässt sich gern aufs Kreuz legen. Weder beim Ringkampf - denn dort hat man verloren, wenn beide Schultern gleichzeitig den Boden berühren. Noch im übertragenen Sinn. Denn wenn man beim Autokauf, dem Versicherungsabschluss oder beim Traumurlaub betrogen wurde, bleiben Ärger, Scherereien und Verlust nicht aus. Und schon gar nicht, wenn es in der ursprünglichen Bedeutung um die Todesstrafe geht. Denn da bedeutet es unvorstellbare Schmerzen und ein grausames Sterben. Jesus ließ sich trotzdem aufs Kreuz legen. Freiwillig, weil es der Wille Gottes war. Und aus Liebe zu uns. Dann hing Jesus zwischen Himmel und Erde. Er, der vom Himmel kam, um Gottes Liebe auf die Erde zu bringen. Ihn hat es das Leben gekostet. Aber wir können jetzt auf seine Kosten in den Himmel kommen. Es reicht nicht, sich über das Kreuz zu informieren, sich mit einem Kreuz zu dekorieren und mit dem Gekreuzigten zu sympathisieren. Man muss den Gekreuzigten als seinen Heiland akzeptieren, wenn man seine Schuld loswerden und ewiges Leben haben will. Dann wird jedes Wegkreuz ein Erinnerungszeichen: Gott liebt dich! Nimm seine Liebe an.
Jedes Gipfelkreuz wird ein Glaubenszeichen: Die Mächte des Bösen sind besiegt.
Jedes Grabkreuz wird ein Siegeszeichen: Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.
Ernst Günter Wenzler
Was mir „Ostern“ angesichts des Todes unserer Tochter bedeutet
Freitag, 16. April 2004. Ein wunderschöner Frühlingstag in Oberstdorf. Meine Frau und unsere Tochter Julia, neun Jahre alt, beschließen, an diesem herrlichen Morgen noch einmal zum Skilaufen auf das Nebelhorn zu fahren. Die Pisten sind hart gefroren. Auf einer steilen Passage am Sonngehrenlift stürzt Julia, rutscht mehrere hundert Meter talwärts, ohne stoppen zu können. Am Fangzaun, an Felsen und Bäumen vorbei, stürzt sie über eine 50 Meter hohe Felswand in die Tiefe. Ich halte in dieser Zeit in unserem Gästehaus „Heim Bergfrieden“, das durch den tödlichen Absturz der „Drei am Himmelhorn“ 1956 weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist, eine Bibelarbeit über einen Text aus dem Epheserbrief (Kap.1,18¬-20): „Ihr sollt erfahren. dass die gleiche Kraft in euch wohnt, die Jesus Christus von den Toten auferweckt hat.“ Einer meiner letzten Sätze lautete so: „Wer an den auferstandenen Jesus glaubt, kann auch einmal dem Tod getrost ins Auge schauen.“
„Ihre Tochter ist tot“
Mitten in diese Aussagen hinein werde ich ans Telefon gerufen, wo mir meine Frau mitteilt: „Julia ist abgestürzt. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen.“ Ich fahre zum Büro der Nebelhornbahn, wo ich eine halbe Stunde ohne irgendeine Information warten muss. Dann die erschütternde Nachricht: „Herr Radke, Ihre Tochter ist tot!“ Wir kommen nach Hause. In Julias Zimmer finden wir ein Osterei aus Pappkarton auf ihrem Schreibtisch, das sie in den Tagen zuvor in der Kinder¬stunde angefertigt hatte. Unter dem offenen Grab hat sie den vorgedruckten Satz ausgemalt: „Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er gestorben ist“ (Johannes 11,25).
Die nächsten Stunden sind schrecklich, das Geschehen nicht zu fassen und zu begreifen. Wie ein Lauffeuer wird die Nachricht von Julias Tod ins Land hinausgetragen. Menschenworte können letztlich nicht trösten, aber es tut gut, eingebettet zu sein in eine große Schar von Menschen, die für uns beten. Die Warum Fragen beschäftigen uns: Warum lässt Gott das zu? Erst vor kurzem sind wir nach Oberstdorf gezogen, und jetzt das? Was wäre, wenn wir in Pforzheim geblieben wären? Der Tag der Beerdigung: Hunderte nehmen Abschied von Julia. Einige Klassenkameradinnen können es nicht aushalten am Grab. Aus unserer früheren Gemeinde kommen viele mit dem Bus und mit Privatautos. Sie haben Urlaub genommen, ihre Kinder vom Schulunterricht befreien lassen, um mit uns diesen schweren Weg zu gehen und für uns da zu sein, für uns zu beten.
Der stärkste Trost
Was uns am stärksten tröstet, ist, dass Jesus den Tod besiegt hat, dass er auferstanden ist und dass wir fest glauben und wissen dürfen, dass Julia jetzt bei ihm in der Ewigkeit ist. Wie arm wären wir dran, wenn wir das nicht glauben könnten. Unvorstellbar groß wäre der Schmerz ohne diese lebendige Hoffnung. In den vergangenen Monaten ist uns die Auferstehung Jesu neu bewusst geworden. Wie oft habe ich in den vergangenen 25 Jahren darüber gepredigt, aber nun leuchtet uns die Osterbotschaft ganz anders und neu auf. Wie froh sind wir, dass wir wissen, dass Julia schon in ihren jungen Jahren ein fröhliches Kind Gottes war und dass für sie gilt: „Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben.“
Der Tod ist tot!
In der Offenbarung des Johannes sagt Jesus selbst: „Siehe, ich war tot ...“ Die Betonung liegt auf dem Wort „war“. Karfreitag und Ostern bedeuten deshalb: Der Tod ist tot! „Der Tod ist verschlungen in den Sieg ...“ Und das hat Auswirkungen. „Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht“, so singen wir in einem Choral. Ich stelle mir das wie bei der Geburt eines Babys vor: Jede Hebamme ist froh, wenn der Kopf des Kindes durch ist. Dann ist das Wichtigste passiert. So ist der Kopf - Jesus schon durch, und wir sind als seine Glieder angewachsen an seinem Leib. Martin Luther konnte in seiner bildhaften und urwüchsigen Sprache sagen: „Mit dem rechten Bein sind wir schon aus dem Grab raus.“ Darum haben wir folgendes Bibelwort für Julias Grabstein ausgesucht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Dieses Leben aus Gott kann kein Tod töten. Im Tod wird unsere Seele entleibt. Von Stephanus, einem der ersten christlichen Märtyrer, ist in der Bibel ein Satz überliefert. Er betete bei seinem Sterben zu Jesus Christus und rief: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ (Apostelgeschichte 7). Das Leibliche findet im Tod sein Ende, die Seele, der Geist, wie immer wir das nennen wollen, wird vor ihrem Schöpfer, Herrn und Richter stehen. Hätte sonst Jesus zum Schächer am Kreuz sagen können: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“? Die Betonung liegt dabei auf dem „mit mir!“ Das bedeutet: Wer zu Jesus Christus gehört, der ist bei ihm! Julia sieht ihren Herrn. Sie ist bei ihm. Die Gemeinschaft mit Jesus Christus kann durch den Tod nicht aufgehoben werden. Wer im Glauben an Jesus stirbt, so wie unsere geliebte Julia, der ist bei ihm. Das ist biblische Auferstehungsbotschaft. Wir sind in einem großen Haus, das „In Christus“ heißt. Wir leben gemeinsam unter diesem Dach. Nur in verschiedenen Räumen. Das ist unser großer Trost:
„Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn“ (Römer 14,8).
Roland Radke
Mini-Poster:
Jesu Auferstehung zeigt, dass Gott Ja zu unserem Sterben sagt, aber Nein zu unserem ewigen Tod. Darum ist Ostern mein Freudentag.
Kurt Rommel
Kennen Sie das Kreuz?
Das Rote Kreuz (internationale Sanitätshilfe) kennen die meisten von uns. Das Blaue Kreuz (Hilfe für Alkoholkranke) viele. Einigen ist noch das Weiße Kreuz (Sexualethik und Seelsorge) gekannt oder das Schwarze Kreuz (Straffälligenhilfe). Aber wie geht es uns mit dem hölzernen Kreuz von Golgatha?
Die Juden sagten: Das ist ein Skandal, der den Leuten auf den Geist geht. Die Griechen sagten: Das ist eine Torheit, die die Menschen für dumm verkauft. Die Punier sagten: Das ist ein Schandpfahl, der Sklaven einen schändlichen Tod verspricht. Die Germanen sagten: Das ist ein Lebensbaum, der das Leben aus dem Tod symbolisiert. Die Aufklärer sagten: Das ist Kitsch, der Hälse ziert und Ohren pierct. Goethe sagte: Das stinkt mir in der Nase wie Knoblauch. Heine sagte: Mir sei kein Kreuz aufs Grab gesetzt, sei ‘s Holz, sei ‘s Eisen oder Stein. Stets hat es meine Seel’ verletzt, dies Marterholz aus Blut und Pein. Der Bundesrichter sagte: Raus aus den Klassenzimmern. Der Reichstags-Architekt sagte: Kein Spalterzeichen in den Bun¬destag. Was sagen Sie? Was bedeutet Ihnen das hölzerne, aufgerichtete Kreuz?
Das Todeszeichen wird zum Lebenszeichen
Ich stieß auf eine einfache Zeichnung. Sie stammt von dem Zeichner und Schriftgrafiker Rudolf Koch. Er hat zum Thema Kreuz zwei ganz feine Striche gezogen, einen Längsstrich und einen Querstrich. Damit wollte er in eindringli¬cher Klarheit und Schlichtheit deutlich machen: Jesu Kreuz ist eine durchkreuzte Linie. Er er¬innert daran, dass diesem Jesus von Nazareth das Kreuz nicht erspart geblieben ist. Zuerst wurde ihm das Kreuz fast ausgehängt, als sie ihn mit Geißeln traktierten. Dann wurde er aufs Kreuz gelegt, so wie die gemei¬nen Verbrecher links und rechts neben ihm. Dann wurde er ans Kreuz fest genietet mit Zimmermannsnägeln, die sie durch Handteller und Fußknöchel trie¬ben. Dann wurde er mit dem Kreuz aufgerichtet und hing zwischen Himmel und Erde. So starb er, der Kreuzträger na¬mens Jesus Christus. Aber damit wurde das Kreuzzeichen nicht zum Schlusszei¬chen, so wie wir es gerne auf Todesanzeigen und Grabstätten setzen. Die Todeslinie wurde durchkreuzt. Eine Lebenslinie ist daraus geworden. Am Ostermorgen stand der Gekreuzigte als der Auferstandene vor den erschreckten Frauen: „Schalom, Friede sei mit euch, ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Das Todeszeichen wird zum Wegzeichen. Es zeigt uns den richtigen Weg zum ewigen Leben. Weil Jesus aufs Kreuz gelegt wurde, müssen wir den Todes¬tag nicht mehr fürchten, an dem sie uns ins Grab legen. Tod ist nicht mehr Ende, sondern Anfang. Nicht mehr Schlusspunkt, sondern Komma. Nicht mehr Finale, sondern Ouvertüre. Tod ist nicht mehr Endstation, sondern Durchgangsstation. Der französische Journalist und Schriftsteller André Frossard sagte: „Friedhöfe sind nur Kleiderablagen für die Ewigkeit.“ Alle alten Klamotten, alle dunkle Schuld ist auch aufs Kreuz gelegt und damit für immer weggelegt. Einmal werden wir den Gekreuzigten als Weltherrscher wieder erkennen, der sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ 1
Konrad Eißler
1) Text aus "Augenblick mal", 04/06
Kinder, wie die Zeit vergeht
Kindheitserinnerungen
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Editorial
Vor kurzem ging ich während einer Tagung durch einen Hotelflur, auf dem eine Bürotür offen stand. Zufällig fiel mein Blick auf den Bildschirmschoner eines Computers und für einen Augenblick stockte mein Fuß. Von einem Moment zum anderen wurde ich fast 50 Jahre zurückversetzt und ein Bild tauchte vor meinem geistigen Auge auf, das ich als kleiner Junge tief verinnerlicht hatte. Eigenartig, dachte ich, wie lange Erinnerungen aus der frühesten Kindheit unser Leben prägen.
Doch nicht nur Bilder, Gerüche oder Töne aus der Vergangenheit prägen unser Leben. Auch Erfahrungen mit Gott aus frühen Kindheitstagen begleiten Menschen oft ein ganzes Leben lang. Da gibt es sehr schöne Erfahrungen – eine Frau sagte mir neulich: „Manchmal sehne ich mich nach dem Moment tiefer Geborgenheit, den ich als Kind so geliebt habe. Abends, wenn der Tag zu Ende ging und die Großmutter an meinem Bett saß, ein Abendlied sang und „Müde bin ich geh zur Ruh …!“ mit mir betete.“ Es gibt aber auch belastende und schwere Erfahrungen, die unser Gottesbild und unsere Beziehung zu ihm vielleicht ein Leben lang prägen. Meine Erfahrung und die Erfahrung vieler Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, ist die, dass Gott sich immer wieder in unserem Leben in Erinnerung bringt. Vielleicht mit dem Wunsch, uns neue, lebendige, auf jeden Fall aber ganz persönliche Erfahrungen mit ihm zu schenken. Vielleicht bringt er sich aber auch in Erinnerung, damit wir den Faden des Glaubens wieder aufnehmen und unsere abgebrochene oder verloren gegangene Beziehung zu Gott wieder zu finden. Vielleicht ermutigt Sie ja auch die Sommergeschichte von Axel Kühner dazu, der Sehnsucht nach Gott Raum zu geben und sich ganz persönlich mit einem Dankeschön oder mit konkreten Fragen oder Anliegen an den zu wenden, der Sie liebt und gute Gedanken für Ihr Leben hat. Gott wartet auf uns und freut sich, wenn wir es zulassen, dass er seine Geschichte mit uns immer wieder mit Leben erfüllt.
Bernhard Matzel
Sehnsucht nach Freiheit
Prägendes Kindheitserlebnis
Es war an einem heißen Sommertag, als mein Cousin und ich den Auftrag bekamen, aus dem Gemeinschaftskühlhaus des Nachbardorfes den Sonntagsbraten zu holen. Während wir die drei Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegten, gerieten wir ganz schön ins Schwitzen. Um so mehr freuten wir uns auf das Kühlhaus und die Erfrischung bei minus 22 Grad. Durch vier dicke, isolierte Türen gelangten wir in das Innere des Kühlhauses, den eigentlichen Gefrierraum. Hier hatte jede Familie ihren großen Holzschub mit all den tief gefrorenen Fleisch- und Gemüsepäckchen. Als wir aus der sommerlichen Hitze in die Kühle des Gefrierraumes eintauchten, trafen wir auf ein Mädchen, das gerade ihre Päckchen zusammentrug und den Raum verließ. Immer wieder hatte man uns Kindern eingeschärft: „Im Kühlhaus die Türen zu, damit die Wärme draußen und die Kälte drinnen bleibt!“ Das Mädchen nahm diese Mahnung ganz ernst und schloss alle vier Türen mit dem großen außen befindlichen Umlegehebel fest hinter sich zu.
Langsam wurde uns kalt
Wir hatten derweil unseren Spaß, genossen die Abkühlung, lasen auf dem Thermometer die Kältegrade ab, ließen unsere Schweißperlen gefrieren und suchten dann den Schmorbraten. Langsam wurde uns kalt. Wir waren ja nur mit einem leichten Sommerhemd und ein paar Shorts bekleidet, und unsere nackten Füße steckten in Sandalen. Nun wollten wir wieder an die Sonne und nach Hause. Aber die Türen waren verschlossen. Wir waren gefangen. Dicke Mauern schlossen uns ein. Die Türen versperrt und nur von außen zu öffnen. Kein Fenster. Der Raum war eng, zwei mal drei Meter, luftdicht, schalldicht, mehrfach isoliert. Zwei lebendige Jungen eingesperrt In die äußerste Bedrohung, matt gesetzt zwischen dicken Wänden des Unglücks, kalt gestellt in der eisigen Luft des Todes.
Vier Wände umgeben uns
Ist nicht unser ganzes Leben so begrenzt und bedroht, gefangen und gezeichnet? Vier Wände umgeben uns. Die Wand hinter uns möchte ich Geburt nennen. Die Unfreiheit des Lebens beginnt ja schon mit der Geburt. Wir werden gar nicht gefragt, ob wir geboren werden wollen, in welchem Elternhaus, in welchem Jahrhundert, in welchen Verhältnissen und mit welchen Anlagen, ob als Junge oder als Mädchen, im Krieg oder Frieden, in Armut oder Wohlstand. Wir werden einfach hineingeworfen in das Leben und müssen uns zurechtfinden. Viele Menschen haben diese Wand verwünscht und den Tag ihrer Geburt verflucht, haben sich gegen Eltern und Verhältnisse, Umstände und Zeit erhoben, gegen ihre Grenzen und Gaben angekämpft. Aber niemand kommt hinter diese Wand zurück. Sie steht fest. Wir sind nun einmal so geboren.
Die Wand des Todes
Die Wand vor uns möchte ich Tod nennen. Sie scheint manchmal weit weg und ist doch so nah. Diese Wand begrenzt unser Leben schmerzlich und übermächtig.
Sie macht die ganze Freiheit und Freude zunichte und erniedrigt den Menschen zu einem Gefangenen der Angst vor dem Sterben. Ich sehe, wie die Menschen diese Wand mit wunderbaren Bildern des Lebens verhängen oder in ohnmächtiger Wut gegen sie anrennen. Aber die Wand des Todes bleibt stehen, ist eisigkalt und stumm.
Die Wand des Schicksals
Die Wand zur einen Seite nenne ich Schicksal, und ich meine damit alle die Dinge, die unser Leben überfallen und begrenzen, ohne dass wir sie wollen oder wählen, wünschen oder verhindern könnten. Krieg und Vertreibung, Krankheit und Verluste. Unfälle und Katastrophen haben Menschen eingesperrt. Ihr Lebensraum wurde bedrohlich klein. Wie viele Dinge konnten wir gar nicht entscheiden, sondern sie wurden einfach über uns verhängt. An dieser Wand haben sich unzählige Menschen den Kopf eingerannt und sind mit der verzweifelten Frage „Warum?“ gescheitert.
Die Wand der Schuld
Die Wand auf der anderen Seite nenne ich Schuld. Diese Wand zieht jeder Mensch selbst, indem er Entscheidungen trifft, Worte sagt oder unterlässt, Wege geht oder vermeidet, handelt oder alles laufen lässt. Wenn man Entscheidungen wiederholen, Worte zurücknehmen, Handlungen ungeschehen machen könnte, wie anders würde sich manches Leben gestalten. Aber die Wand der Schuld steht da, ganz massiv und lebensbedrohend. In diesen klar abgesteckten Grenzen, innerhalb der Wände von Geburt und Tod, Schicksal und Schuld bleibt uns ein winziger Spielraum des Lebens.
Panische Angst
Zuerst kam es uns wie ein Abenteuer vor. Der Reiz des Ungewöhnlichen, das Prickeln der Gefahr, Spannung und Bedrohung empfanden wir als etwas Besonderes. Wir spürten die außergewöhnliche Herausforderung und kosteten einen Moment lang die aufregende Situation aus. Aber dann kroch mit der Kälte auch die Angst an uns hoch, griff mit spitzen Fingern nach uns und krallte sich in uns fest. Wir schrien aus Leibeskräften um Hilfe. - Viele Menschen empfinden ihr Leben zunächst als Abenteuer und nehmen die Bedrohung und Gefahr, Grenzen und Engpässe als willkommene Chance des Kampfes und der Bewährung entgegen. Aber irgendwann wächst die Angst und mündet in den Schrei und Protest ein. Aber wer hört uns schon und könnte die Wände des Lebens so einfach beiseite schieben?
Begrenztes Geschenk
Nachdem unsere Stimmen heiser geschrien und die Hände blutig geschlagen waren, kam die Phase der Vernunft. Wir wurden ruhig und überlegten, was wir tun könnten. Wir rechneten uns die Chancen aus, einander warm, bei Verstand und am Leben zu erhalten. Wir fanden uns ab und versuchten, in unserem unglückseligen Gefängnis das Beste und Richtigste zu tun. Wir rieben uns gegenseitig Hände und Füße, Nase und Gesicht, bewegten uns und legten uns einander die Hände unter die Achseln.
Doch das, was wir am dringendsten brauchten, konnten es nicht geben: die Freiheit. - Das menschliche Miteinander in Liebe und Ehe, zwischen Eltern und Kindern, Freunden und Gefährten ist ein wertvolles Geschenk. Doch auch dieses Miteinander ist begrenzt und niemand kann einem anderen die letzte Sehnsucht stillen und die tiefste Erfüllung des Lebens geben.
Unsere Selbsttäuschung
Immer wieder wanderten unsere Blicke zum Thermometer. Die blaue Säule stand bei minus 22 Grad. Je länger, je weniger ertrugen wir den Anblick. Wir konnten die Kälte nicht mehr „sehen“. In einer Art von Selbsttäuschung rissen wir schließlich das Thermometer von der Wand und dachten, jetzt würde es wärmer. - Wird es besser und wärmer, menschlicher und liebevoller in der Welt, wenn Menschen die Anzeichen und Maße für Lieblosigkeit und Kälte einfach zerstören? Wer die guten Maße Gottes, sein Bild vom Menschen, seine Angebote zum Leben einfach vernichtet, nur um nicht ständig vor Augen zu haben, wie weit er von ihnen entfernt lebt, täuscht sich selbst und ändert nichts. Wenn Gottes Gebote uns zeigen, wie kalt und eng, aussichtslos und bedroht das menschliche Leben ist, wollen wir uns nicht damit „helfen“, dass wir seine gültigen Gradmesser herunterreißen.
Eine Hoffnung
Jetzt hatten wir nur noch eine Hoffnung. Sie war nicht in uns, sondern in einer Beziehung nach außen begründet. Wir dachten an unsere Mütter. Die einzige Rettung wäre, wenn uns zu Hause jemand vermisst und mit Sorge an uns denkt. So war es dann auch. Unsere beiden Mütter sorgten sich, telefonierten miteinander, dachten an einen Unfall und machten sich auf den Weg. Sie fuhren den ganzen Weg ab und suchten uns. So kamen sie schließlich zum Kühlhaus, sahen unsere Räder dort stehen, öffneten die Türen, und wir taumelten in die Freiheit.
Hilfe von außen
Gott ist wie eine Mutter. Er macht sich Sorge um uns Menschenkinder, denkt mit Liebe an uns und macht sich auf den Weg, uns zu suchen. Seine große Fürsorge treibt ihn. Er geht den Menschen den ganzen Weg nach bis in das Gefängnis von Geburt und Tod, Schicksal und Schuld. Gott kommt von außen aus der unbegrenzten Ewigkeit, aber er kommt hinein in unser Leben, wird geboren als Mensch, stirbt einen frühen Tod, nimmt das ganze menschliche Schicksal als sein eigenes auf sich und erniedrigt sich unter alle menschliche Schuld. Jesus Christus öffnet unser Gefängnis. Die Wand der Schuld trägt er fort, indem er am Kreuz für uns stirbt und das Gericht erduldet. Gott lässt seine Menschenkinder nicht verloren gehen. Er sucht sie in Liebe, wie uns damals unsere Mütter suchten.
Nur ein Schritt in die Freiheit
Der Schritt in die Freiheit war so einfach, aber wir mussten ihn tun: herausgehen, die Freiheit schmecken und danken. Alles andere konnten wir nicht tun. Wir brauchten nur die von Sorge und Liebe geöffneten Türen durchschreiten.
So einfach ist der Schritt in die Lebensfreiheit: das Angebot der Vergebung, die aufgeschlossene Tür zum Leben für sich persönlich in Anspruch nehmen, hindurchgehen, indem man die Schuld bekennt und frei werden, indem man Gott für seine Liebe dankt. Gottes Zusage gilt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Jesus treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.“ (1. Johannes 1,9)
Axel Kühner
Wenn der Himmel die Erde berührt
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Auf der letzten Wegstrecke
Wilhelmine ist 83 Jahre alt und leidet an Lungenkrebs im Endstadium. Schon seit Wochen war ihr das Atmen ohne Sauerstoffzufuhr nicht mehr möglich. Von Tag zu Tag benötigte sie höhere Schmerzmittelgaben. Nur heute nicht. Wilhelmine schläft ganz ruhig und hat bisher weder Sauerstoff noch zusätzliche Schmerzmittel benötigt.
Gegen 22.30 Uhr kommt ihr Mann zu mir und erklärt, dass er jetzt nach Hause fährt, seine Frau würde schön schlafen und er selbst sei am Ende seiner Kräfte. Er verabschiedet sich und ich verspreche, ihn zu verständigen, wenn sich irgendwelche Veränderungen ergäben. Ich lasse die Tür zu Wilhelmines Zimmer ein Stück offen, um jederzeit einen Blick hineinwerfen zu können.
Etwa um halb ein Uhr in der Nacht stehe ich an ihrem Bett und fühle ganz vorsichtig nach ihrem Puls, als sie plötzlich ihre Augen aufschlägt und etwas forsch fragt: „Wo ist Gustav?“ Ich erkläre ihr, dass er nach Hause gefahren ist. „Das is`n Ding, erst verspricht er mir, dass er bei mir sein wird, wenn ich sterbe und jetzt, wo es soweit ist, ist er nicht da.“ Als ich sie frage, woran sie denn festmache, dass sie jetzt sterben müsse, sieht sie mich etwas empört an und meint dann: „Schwester Gudrun, das macht man nicht fest, so etwas spürt man! Gustav hat mir doch versprochen, dass er ...“ „Ja, aber Gustav ist auch 85 Jahre alt und hat drei Tage und drei Nächte an Ihrem Bett gewacht, der ist auch am Ende seiner Kräfte angekommen,“ antworte ich ihr. Aber sie lässt keine Ruhe und so gehe ich und rufe Gustav an, lasse das Telefon endlos lange klingeln, und erkläre ihm, nachdem ich ihn endlich an der Leitung habe, dass seine Frau senkrecht im Bett sitzt und ihn dringend erwartet. Gustav verspricht umgehend zu kommen und ich verspreche, dass ich mich zu Wilhelmine ans Bett setzen und in der Zwischenzeit ihre Hand halten werde.
Fragen im Angesicht des Todes
Wilhelmine ist zufrieden und freut sich auf Gustav. Ich sitze bei ihr, halte ihre Hand in der meinen, als sie plötzlich sagt: „Komisch, ein Leben lang haben mich meine Fehler kaum gestört und jetzt muss ich immer wieder darüber nachdenken, was ich alles falsch gemacht habe. Es fällt mir immer mehr ein und das Schlimmste ist, dass ich von all dem nichts mehr wieder gutmachen kann. Bei meinem Mann kann ich mich gleich noch entschuldigen, aber was ist mit all den andern Menschen, denen ich weh getan habe? Manche leben schon gar nicht mehr.“ Wilhelmine erzählt und erzählt und stellt letztendlich fest, dass sie manchmal eine richtige „Beißzange“ gewesen ist. „Ach, was würde ich darum geben, wenn ich wenigstens einiges davon wieder in Ordnung bringen könnte.“
Ein Ort für den Ballast des Lebens
Ich streichle ihre Hand und erkläre ihr, dass es, solange wir leben, nicht zu spät ist unser Leben in Ordnung zu bringen, und dass ich einen Platz kenne, zu dem wir Menschen gehen können und all unseren Ballast abladen dürfen, den wir im Laufe unseres Lebens angesammelt haben. Sie sieht mich etwas skeptisch an. Ob es einen solchen Ort geben kann? Dann frage ich sie, ob ich mit ihr dorthin gehen soll. Sie nickt fast unmerklich mit dem Kopf und gemeinsam machen wir uns innerlich auf den Weg nach Golgatha, zu dem Hügel in Jerusalem, auf dem Jesus Christus für uns Menschen starb, um uns unsere Schuld abzunehmen. Ich erkläre ihr, dass dieser Jesus auch auf sie wartet und sie liebevoll ansieht und zu ihr spricht, wie zu jedem Menschen: „Komm her zu mir, Wilhelmine, die du verzagt bist und beladen bist mit Schuld, ich will dich wieder froh machen, ich will dir all deine Schuld abnehmen, sie soll dich nicht mehr belasten.“
Gemeinsam schweigen wir und hinter der Stirn von Wilhelmine kann man die Rädchen arbeiten sehen. Ihre Augen hält sie geschlossen, aber ihre Augäpfel wandern unter ihren Lidern hin und her. Nach einer ganzen Weile richtet sie sich auf und verkündet:
„So, Schwester Gudrun, ich glaube, das habe ich geregelt. Ich verstehe das zwar nicht, ein Leben lang habe ich Gott lächerlich gemacht. Trotzdem hat er mir jetzt seine Liebe zugesagt und dass ich keine Angst haben brauche und dass er auf mich wartet.“ Nach diesen Worten sinkt sie erschöpft in ihre Kissen zurück.
Schon so lange erbeten
Auf dem Flur nähern sich Schritte. Gustav ist gekommen. Ich gehe ihm entgegen und erzähle ihm kurz, was sich in der letzen Dreiviertelstunde ereignet hat. Gerührt nimmt er mich in die Arme und kann sein Glück kaum fassen. „So lange habe ich dafür gebetet!“ sagt er. Und ich entgegne ihm genauso gerührt: „Gott hat eben viel Geduld.“ Vorsichtig nähert er sich Wilhelmines Bett, aber bevor er es erreicht, setzt sie sich auf, überschüttet ihn mit all den neuen Erkenntnissen und beteuert, dass sie doch ganz schön dumm gewesen sei, weil sie Gott für nicht existent erklärt hätte.
„Ach Gustav, wir hätten schon viele Jahre so glücklich sein können, wenn ich nur nicht so rebellisch gewesen wäre und jetzt ist es fast zu spät. Kannst du mir noch mal verzeihen?“ Gustav kann. Die Gefühle fahren mit den beiden Achterbahn, sie freuen sich, sind fast übermütig, weinen wieder zusammen, weil ja der Schatten der Trennung schon über ihnen liegt. In den frühen Morgenstunden wechselt sie von der Seite ihres Mannes, der treu ihre Hand gehalten hat, hinüber in die Arme des allmächtigen Gottes, der gesagt hat: „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben für eure Seelen.“ Die Bibel: Matthäus 11, Verse 28-29
G. Palladay
Diese Geschichte hat sich so ereignet. Nur die Namen wurden geändert.
Unser Angebot für Sie
Vielleicht sind Sie, die Sie diese Geschichte gerade lesen, ja in einer ähnlichen Situation wie Wilhelmine. Ich meine nicht die letzte Wegstrecke, sondern das Bedürfnis, Frieden mit Gott zu finden. Der lebendige Gott, der Wilhelmine kurz vor ihrem Tod Frieden und Vergebung geschenkt hat, lädt jeden Menschen ein, seine Sorgen und alle Schuld bei ihm abzuladen. Wenn wir Ihnen dabei helfen sollen, sind Hans und Hildegard Gaab, langjährige und erfahrene Seelsorger, gerne bereit dazu.
Hans/Hildegard Gaab, Gartenweg 12, 35043 Marburg; Telefon 06421-33028; hgaab@marburger-medien.de
