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11. Mai 2026
Leitvers 23: „Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und versteht und dann auch Frucht bringt: und der eine trägt hundertfach, der andere sechzigfach, der dritte dreißigfach.“
Es ist Frühling. Im Frühling säen Bauern verschiedene Samen. Auf dem Balkon unseres Gemeindehauses habe ich Samen von einigen Blütenpflanzen gesät. Diese Blütenpflanzen haben angefangen, zu wachsen. Sie werden zu ihrer Zeit schön blühen und danach ihre Früchte bringen.
Auf den Acker säen Bauern meistens Getreide wie Weizen oder Gerste. Sie erwarten dann viel Ernte: 30-fache, 60-fache oder 100-fache Ernte.
Wir sind geistliche Sämänner. Wir wollen geistliche Samen säen, damit wir eine große Ernte haben.
Mit großer Erwartung wollen wir heute das Gleichnis vom Sämann kennenlernen.
1. Das Gleichnis vom Sämann (1-9)
Jesus hat auf einem Hügel in der Nähe von Kapernaum eine lange Predigt gehalten (Kap. 5-7). Nach dieser Predigt hat Jesus Kranke geheilt, Gottes Wort gelehrt und Jünger berufen (Kap. 8-12).
Heute geht Jesus zum Galiläischen Meer. Da versammelt sich eine große Menschenmenge bei ihm. Er will sie das Gotteswort lehren. Weil zahlreiche Menschen gekommen sind, braucht er eine Kanzel und ein Mikrophon. Leider hat er weder Kanzel noch Mikrofon. Er findet am Ufer ein Fischboot, steigt darin und redet davon aus zu der Menschenmenge, die am Ufer steht.
Die meisten Zuhörer sind arm, sodass sie Brot brauchen. Manche von ihnen sind krank und brauchen Heilungen.
Natürlich weiß Jesus, dass sie Brot und Heilungen brauchen. Er ignoriert solche Bedürfnisse nicht. Aber er weiß, was das notwendigste Bedürfnis für sie ist. Wir erinnern uns daran, dass er am Anfang seines Wirkens vierzig Tage und vierzig Nächte nichts gegessen hat und vom Teufel versucht wurde. Der Teufel schlug ihm vor: „Wenn du Gottes Sohn bist, mache aus den Steinen Brot!“. Da antwortete Jesus: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt. 4,4).
Jesus hat Recht. Gottes Wort ist das Notwendigste und das Wichtigste für uns Menschen. Nur Gottes Wort kann uns die Vergebung, das ewige Leben und das Himmelreich schenken. Nur Gottes Wort kann uns den richtigen Lebenssinn und die Lebensorientierung geben. Deswegen redet er der versammelten Menschenmenge Gottes Wort.
Sämann[1]
Er beginnt, eine Geschichte zu erzählen:
Ein Sämann zieht aus, um Getreide zu säen. In seiner Freude sät er fast ein wenig übermütig. Folglich fallen die Samen überallhin: auf den harten Weg, auf steinigen Boden, inmitten von Dornen und Disteln und – Gott sei Dank – auch auf guten Boden.
Dann kommen Vögel und picken die Samen auf, die auf dem Weg liegen. Die Samen auf dem steinigen Boden treiben zwar aus, doch die Sonne brennt herab, und die Triebe verdorren rasch, da dort nur eine dünne Erdschicht vorhanden ist. Die Samen, die unter die Disteln fielen, keimen tatsächlich und beginnen zu wachsen. Doch die Disteln ersticken die jungen Pflanzen.
Die Samen jedoch, die auf guten Boden fielen, wachsen heran und tragen Frucht – dreißigfach, sechzigfach und sogar hundertfach.
2. Einige Gebliebene, Fragende (10-17)
Eine große Menschenmenge hat Jesu Geschichte gehört. Sie haben Jesu Geschichte gut verstanden. Sie erkannten auch, dass Jesus ihnen dieses Mal kein Brot geben würde. Sie sagen sich: „Ich habe für heute genug von Gottes Wort gehört – und ich habe es auch gut verstanden. Schließlich bin ich nicht dumm. Also werde ich eine Pause vom Bibelstudium einlegen, für ein paar Wochen. Denn ich muss für mein tägliches Brot arbeiten.“ Die Menge zerstreut sich, und plötzlich wird es vollkommen still.
Doch es gibt einige wenige Menschen, die zurückbleiben. Sie sagen sich: „Ich habe nicht gut verstanden, was Jesus gelehrt hat. Ich bin langsam, Gottes Wort zu verstehen. Ich möchte lieber hierbleiben und Ihn fragen, was Er mit seinem Wort gemeint hat.“
Sie fragen Jesus: „Was bedeutet dieses Gleichnis ganz praktisch?“
Jesus freut sich über sie und sagt zu ihnen: „Euch ist’s gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen, diesen aber ist’s nicht gegeben“ (11).
Hier verrät uns Jesus zwei Voraussetzungen für das Erkennen des Geheimnisses des Himmelreiches:
Die erste Voraussetzung besteht darin, Jesus zu fragen.
Der Großteil der Menge, der sich abwandte, glaubte vermutlich, Jesu Worte richtig verstanden zu haben. Im Gegensatz dazu spüren jene, die bleiben, dass sie Jesu Gleichnis nicht richtig verstanden haben, und wollen ihn deshalb nach dessen Bedeutung fragen. Sie tragen in sich den Wunsch, das Gleichnis richtig zu verstehen und seine Lehre in die Tat umzusetzen.
Wir erinnern uns an das Wort Jesu: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet finden; klopft an, so wird euch aufgetan“ (Mt. 7,7).
Es ist nicht schlimm, Gottes Wort nicht sofort zu verstehen. Es ist jedoch wichtig, dass wir lernbereit bleiben und Jesus nach der Bedeutung Seines Wortes fragen.
Die zweite Voraussetzung, um das Geheimnis des Gottesreiches zu erfahren, besteht darin, bei Jesus zu bleiben.
Am Ende von Vers 11 erklärt Jesus, dass jene, die nicht bei ihm geblieben sind, das Geheimnis des Reiches Gottes nicht verstehen können. Wer jedoch bei Jesus bleibt, wird Jesu Wort verstehen, denn Jesus erklärt es ihm. Wer sein Wort versteht, wird an Jesus als den Christus glauben und das ewige Leben empfangen. Wer an Jesus als den Christus glaubt und bei ihm bleibt, wird als Jünger Jesu gut wachsen. Wer geistlich gut wächst, wird reiche Frucht bringen.
Daher sollen wir uns nicht schämen, wenn wir bestimmte Worte Jesu nicht sofort verstehen. Vielmehr sollen wir bei ihm bleiben und ihn fragen. Er wird sie uns gewiss erklären und uns helfen, reiche Frucht zu bringen.
3. Die Deutung des Gleichnisses (13-20)
Jesus erklärt den übriggebliebenen Leuten sein Gleichnis:
Die Samenkörner, die Jesus sät, bedeuten Gottes Wort. Sie sind von bester Qualität. So wie ein Bauer seine Samen im Vertrauen auf eine reiche Ernte aussät, sät Christus sein Wort mit vollem Vertrauen.
Die verschiedenen Bodenarten im Gleichnis stehen für unterschiedliche Menschentypen: die Hartherzigen, die Oberflächlichen, die Verbitterten und die Lernwilligen. Und der Ertrag hängt vom Zustand des Bodens ab. So hängt der Ertrag des göttlichen Wortes von der Herzenshaltung des einzelnen Menschen ab.
Manche Menschen haben einen Herzensboden, der hart wie ein Weg ist.
Jesus sagt: „Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Böse und raubt, was in sein Herz gesät ist: das ist der, der auf den Weg gesät ist“ (19).
Wenn unser Herzensboden hart wie Pflastersteine ist, können wir Gottes Wort überhaupt nicht aufnehmen. Der Böse freut sich darüber sehr.
Es gibt eine Redewendung, die solch einem Herzboden passt: „Er hat ein Herz aus Stein.“ Sie besagt, dass eine Person hartherzig, abweisend und unzugänglich ist. Wenn unser Herzensboden so hart wie Pflastersteine ist, können wir Gottes Wort überhaupt nicht empfangen. Der Böse freut sich darüber sehr.
Wann wird unser Herz hart wie ein Weg?
Wenn wir stark mit etwas beschäftigt sind oder wenn wir kein Interesse an Gottes Wort haben, ist unser Herz hart gegenüber Gottes Wort. Oder wenn wir Vorurteile gegen Jesus oder Gottes Wort haben, wird unser Herz hart. Auch der Unglaube verhärtet unser Herz. Unsere Sünde verhärtet auch unser Herz. So war zum Beispiel das Herz des Pharaos aufgrund von Unglauben und Sünde hart wie ein Weg.
Wie können wir unsere verhärteten Herzen in guten Boden verwandeln, damit wir Gottes Wort empfangen und fruchtbar werden? Wir müssen unsere starken Beschäftigungen loslassen, einen geistlichen Wunsch erwecken, unseren Unglauben überwinden oder für unsere Sünden Buße tun. Dann werden unsere Herzen zu gutem Boden für Gottes Wort.
Jesus erklärt uns als Zweites den felsigen Boden mit dünner Erdschicht: „Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist, das ist, der das Wort hört und es gleich mit Freuden aufnimmt; aber er hat keine Wurzel in sich, sondern er ist wetterwendisch. Wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er gleich ab“ (20-21).
Die Wirkung von Schwierigkeiten ist mit der Wirkung der Sonne vergleichbar. Die Sonne ist für eine Pflanze tatsächlich gut und notwendig, denn sie ist die Energiequelle für ihr Wachstum. Ohne eine hinreichend feuchte Bodenschicht trocknet die Sonne den Samen jedoch rasch aus.
Die Aufgabe der Wurzeln einer Pflanze besteht darin, die Pflanze fest im Boden zu verankern sowie Wasser und Nährstoffe aus der Erde aufzunehmen. Dasselbe gilt für den Menschen. Wenn wir unsere Wurzeln tief in das Wort Gottes schlagen, empfangen wir Nahrung und Kraft und wachsen geistlich stark heran. Wir können angesichts von Stürmen unerschütterlich bleiben, gut reifen und reiche Frucht tragen.
Ohne Wurzeln im Wort Gottes läuft man jedoch Gefahr, leicht vom Glauben abzufallen, sobald Schwierigkeiten aufkommen. Daher sollen wir uns selbst prüfen, um festzustellen, ob wir unsere Wurzeln tatsächlich tief in das Wort Gottes geschlagen haben.
Als Drittes erklärt Jesus den dornigen Boden: „Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht“ (22).
Jesus nennt hier die Sorgen der Welt als den ersten geistlichen Dorn.
Warum sorgen wir uns? Natürlicherweise, weil wir Probleme haben. Jeder Mensch hat seine Probleme; tatsächlich gibt es keinen einzigen Menschen auf der Welt, der absolut gar keine Probleme hat. Und sobald ein Problem gelöst ist, taucht ein anderes auf.
Deswegen haben wir, wenn wir uns Sorgen machen, weder Kraft noch Herz für Gott und andere Menschen. Natürlich sollen wir, wenn wir Probleme haben, sie mit Weisheit gut lösen. Aber wir sollen trotz der Probleme Gott vertrauen. Wir sollen unsere Kraft durch Sorgen nicht verschwinden lassen. Vielmehr sollen wir auf Gott fest vertrauen und mit der Hilfe Gottes Probleme lösen.
Die wahre Ursache unserer Sorgen ist jedoch nicht das Problem an sich, sondern vielmehr unser mangelndes Vertrauen auf Gott. Wenn wir uns sorgen, verbrauchen wir drei- bis viermal so viel Energie wie unter normalen Umständen. Wenn wir folglich von Sorgen verzehrt werden, bleibt uns weder die Kraft noch das Herz für Gott oder für andere Menschen. Selbstverständlich sollten wir uns, wenn wir mit Problemen konfrontiert sind, darum bemühen, diese klug und effektiv zu lösen. Dennoch – ungeachtet dieser Probleme – müssen wir unser Vertrauen auf Gott setzen. Wir sollten nicht zulassen, dass unsere Kraft von Sorgen aufgezehrt wird. Vielmehr sollen wir unser festes Vertrauen auf Gott setzen und unsere Probleme mit Seiner Hilfe lösen.
Jesus nennt unser übermäßiges Verlangen nach dem Reichtum den zweiten Dorn, der uns unfruchtbar macht.
Er beschreibt Reichtum als „trügerisch“, denn der Reichtum täuscht uns. Natürlich lässt sich Geld dazu verwenden, bestimmte Wünsche zu erfüllen. Das Problem besteht jedoch darin, dass viele Menschen glauben: Wenn sie über viel Geld verfügten, könnten sie *all* ihre Wünsche erfüllen. In Wirklichkeit jedoch kann Geld bei Weitem nicht so viele Wünsche erfüllen. So kann man beispielsweise mit einer großen Geldsumme eine treue Ehefrau oder einen treuen Ehemann kaufen, ebenso wenig wie sie einen treuen Freund kaufen kann. Vielmehr verleitet uns das Geld oft dazu, andere anhand ihres Einkommens zu beurteilen. Am schlimmsten ist jedoch, dass wir dazu neigen, unser Vertrauen eher auf das Geld als auf Gott zu setzen. So wird das Geld leicht zu unserem Götzen.
Wir müssen darauf achten, unsere Hoffnung nicht auf das Geld, sondern auf Gott zu setzen.
Nach dem Markusevangelium nennt Jesus die Begierden als den dritten Dorn (Mk. 4,19).
Hier bezieht sich das Wort „Begierde“ sowohl auf die „sexuelle Begierde“ als auch auf die „Begierde nach materiellen Dingen“ – wie Häusern, Autos und dergleichen. Weder der sexuellen noch der materiellen Begierde dürfen wir Raum gewähren. Vielmehr sollen wir darauf vertrauen, dass unser Gott für unsere Bedürfnisse rechtzeitig sorgt. In diesem Vertrauen sollen wir vor Gott leben und handeln. Um dies zu tun, müssen wir beständig den guten Kampf des Glaubens kämpfen.
Wie können wir einen dornigen Herzensboden in einen guten Boden für Gottes Wort verwandeln? Wir müssen die Dornen aus unseren Herzen ausreißen. Wenn wir die Dornen lediglich abschneiden, werden aus ihren Stümpfen neue Triebe sprießen und neue Dornen werden nachwachsen. Wenn wir unsere Sorgen oder Begierden nur oberflächlich beseitigen, werden wir bald erneut mit Problemen konfrontiert sein. Daher müssen wir die Wurzeln der Dornen vollständig aus unseren Herzen tilgen. Zugleich jedoch müssen wir unsere Herzen beständig prüfen, um festzustellen, ob noch Dornen zurückgeblieben sind.
Doch das bloße Entfernen der Dornen aus unseren Herzen genügt nicht. Wir müssen auch proaktiv handeln. Wir sollten unsere Herzen mit Glaube, Liebe und Hoffnung erfüllen, damit die Dornen keine Chance haben, Wurzeln zu schlagen.
Nun wollen wir sehen, was aus den Samenkörnern wird, die auf ein gutes Land gesät sind.
In Vers 23 sagt Jesus: „Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und versteht und dann auch Frucht bringt; und der eine trägt hundertfach, der andere sechzigfach, der dritte dreißigfach.“
Hier verrät Jesus uns das Geheimnis der Fruchtbarkeit: „Gottes Wort hören, es verstehen und Frucht bringen“
Das Wort „verstehen“ hier umfasst verstehen, glauben und gehorchen. Jesu Wort ist sein Rat für uns. Wenn man sagt, „Ich habe deinen Rat verstanden“, meint man damit: „Ich habe deinen Rat verstanden und will ihn befolgen.“
Um fruchtbar zu sein, brauchen wir also, Gottes Wort zu hören, daran zu glauben und ihm zu gehorchen. Wir können dies die Dreieinheit des Glaubens nennen.
Wieviel Früchte können wir bringen, wenn wir Gottes Wort hören, daran glauben und ihm gehorchen?
Jesus sagt, dass ein Gläubiger dreißigfach, sechzigfach oder hundertfach Früchte bringen kann, wie ein Weizenkorn 30-, 60- oder 100-fach Früchte bringen kann.
Wir können unsere Früchte in innere Früchte und äußere Früchte einteilen.
Innere Früchte bedeuten unsere veränderte Innerlichkeit, wie z.B. Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit usw. (Gal 5,22-23).
Äußere Früchte bedeuten die Menschen, die durch unsere direkte und indirekte Hilfe zum Glauben an Jesus Christus kommen. Wenn wir Gottes Wort tief annehmen und ihm gehorchen, werden wir mindestens 30 Menschen direkt oder indirekt zum Glauben führen. Jeder von diesen 30 Gläubigen wird wiederum mindestens 30 Leute zum Glauben führen. So ist die Fruchtbarkeit des Glaubenssamens wunderbar. Das ist das Reich Gottes.
Wir sollen richtig begreifen, dass es sehr segensreich ist, Gottes Wort zuzuhören, daran zu glauben und ihm zu gehorchen. Dadurch wird Gottes Reich weltweit ausgebreitet. Gott möge unser Gebet für die Verbreitung des Evangeliums segnen. Amen!
[1] http://www.bibelwelten.de/bibelentdecken/ Stoffbild von Gisela Harupa
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