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22. Juni 2026
Leitverse 27-28: „Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“
Beten ist ein wichtiger Bestandteil unseres Glaubenslebens. Leider haben wir oft das Gefühl, dass Gott trotz unseres Gebets schweigt oder unsere Bitte ablehnt.
In dieser Geschichte schweigt Jesus zunächst trotz der wiederholten Bitte einer Frau und lehnt danach ihre Bitte scheinbar ab.
Wie reagiert die Frau darauf?
Wir wollen diese Geschichte näher kennenlernen und herausfinden, wie wir Jesu Hilfe erfahren können. Wir wollen also das Geheimnis der Gebetserhörung entdecken.
1. Die Heilung der Tochter der kanaanäischen Frau
Jesus hatte am Westufer des Galiläischen Meeres Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten gehabt. Danach zog er in das Gebiet von Phönizien zurück.
Sidon und Tyrus[1]
Der Küstenstreifen am Mittelmeer ist als Phönizien bekannt [1]; zu ihm gehörten Städte wie Tyrus und Sidon. Phönizien entspricht in etwa dem heutigen Libanon. Die Vorfahren der Phönizier waren – ebenso wie die Juden – Semiten. Ihre sprachlichen Wurzeln lagen in der semitischen Sprachfamilie, die sie mit den Babyloniern, Assyrern, Aramäern, Hebräern, Syrern und anderen teilten. Die Phönizier betrieben erfolgreichen Seehandel und gründeten Kolonien, darunter Karthago. Zur Zeit des Wirkens Jesu standen sie unter römischer Herrschaft.
Entwicklung der phönizischen und hebräischen Schrift [2]
Die Sprache der antiken Phönizier war ein Dialekt des Hebräischen. Die phönizische Schrift gilt als die erste Alphabetschrift im engeren Sinn. Das phönizische Alphabet besteht aus 22 Konsonanten. Die Schrift verläuft von rechts nach links. Die phönizische Schrift verbreitete sich weithin über die Handelsnetze phönizischer Kaufleute. Die griechische Schrift war eine Weiterentwicklung der phönizischen Schrift; darauf aufbauend entwickelten die Griechen ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. ihr eigenes Schriftsystem. Sie wandelten die Konsonanten, die sie nicht benötigten, in Vokale um.
Und das lateinische, kyrillische (bzw. slawische), koptische und aramäische Alphabet leiten sich vom griechischen Alphabet ab. Dies zeigt uns, dass Gott die Semiten auch im kulturellen Bereich als Segen für die Welt gebrauchte.
Die Stadt Sarepta lag in der Nähe von Sidon. Wir erinnern uns an die Geschichte, wie der Prophet Elia einst bei einer armen Witwe in Sarepta blieb und ihren dürftigen Mehlvorrat auf wunderbare Weise vermehrte (1. Könige 17,8 ff.).
Warum zog Jesus ins Gebiet der Phönizier? Wahrscheinlich deshalb, weil er aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes Antipas zurückziehen, dort eine Zeit lang im Verborgenen bleiben und sich auf seinen letzten Kampf vorbereiten wollte (Mk. 7,24), denn die gesetzlichen Pharisäer würden auf das heidnische Gebiet nicht betreten.
Leider konnte er nicht verborgen bleiben, denn eine Frau erfuhr von seiner Anwesenheit. Sie war eine Kanaanäerin – eine Nachkommin der semitischen Phönizier.
Als die Frau hörte, dass Jesus dort war, erkannte sie eine einmalige Gelegenheit für die Heilung ihrer Tochter. Doch sie blieb nicht einfach zu Hause und wartete darauf, dass Jesus zufällig an ihrer Tür vorbeikam; stattdessen eilte sie zu ihm, um seine Hilfe zu suchen.
Alsbald sie zu Jesus kam, begann sie zu schreien: „Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.“
Sie nannte Jesus „Sohn Davids“, weil sie an ihn als den Messias glaubte, obwohl viele Juden ihn für einen falschen Messias hielten! Dies war für Jesus eine Ermutigung.
Wie reagierte Jesus auf ihren Hilferuf?
Zunächst antwortete Er nicht, obwohl sie immer wieder laut um Seine Hilfe rief. Gottes Schweigen ist oft eine große Prüfung unseres Glaubens. Trotz Seines Schweigens hörte die Frau nicht auf zu rufen. Sie tat alles, was sie konnte, um Jesus für sich zu gewinnen.
Hätte diese Frau nur ein paar Mal geschrien und dann aufgehört, hätten sich die Jünger Jesu wahrscheinlich kein Herz für ihr Anliegen gehabt. Doch da sie unaufhörlich um Hilfe schrie, fanden sie keine Ruhe. Deshalb drängten sie Jesus, ihr zu helfen – damit sie endlich ging und sie in Ruhe ließ. Sie sagten zu Jesus: „Erfüll ihr ihre Bitte und schick sie schnell weg! Sonst schreit sie uns noch weiter hinterher.“ (23).
Aber Jesus blieb cool und antwortete der Frau: „Es ist nicht richtig, dass man seinen Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“
Mit „Kindern“ meinte Jesus die Israeliten, und mit „Hunden“ Ausländerinnen wie diese Frau. Jemanden als Hund zu bezeichnen, galt als schwere Beleidigung. Somit lehnte Jesus nicht nur die Bitte der Frau ab, sondern beleidigte sie auch zutiefst.
Natürlich verstand die Frau diese beleidigenden Worte: Sie glaubte aber, dass Jesus der Messias ist, der kranke Menschen heilen kann.
War die Frau über seine Weigerung und seine Beleidigung verärgert?
Der Vers 27 gibt uns ihre Reaktion wieder: „Sie sprach: <Ja, Herr. Aber die Hunde dürfen doch die Krümel fressen, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.>“
Sie verstand, wie sie Jesus zur Hilfe bewegen könne. So konnte sie seine Hilfe erfahren.
Weshalb konnte sie trotz seiner scheinbaren Absage doch seine Hilfe erfahren?
Ich nenne drei Gründe, weshalb sie Jesu Hilfe erfuhr:
2. Drei Geheimnisse, wie man Jesu Hilfe erfährt
Erstens: weil sie eine große Liebe zu ihrem Kind hatte.
Weil sie ihre Tochter so tief liebte, fühlte sie sich trotz der offensichtlichen Kränkung durch Jesus nicht beleidigt. Stattdessen war sie entschlossen, seine Hilfe zu empfangen. Ihre Liebe trieb sie dazu, zu Jesus zu kommen und beharrlich um sein Erbarmen zu bitten. Ihre Liebe befähigte sie dazu, hartnäckig um seine Hilfe zu bitten – selbst angesichts seines Schweigens.
Liebe bewirkt Wunder. Nichts ist stärker oder Gott näher als die Liebe. Es gibt viele Probleme auf dieser Welt. Wenn wir uns selbst und andere ohne Liebe betrachten, bereiten uns die vielen Probleme, denen wir gegenüberstehen, nur Kummer. Haben wir jedoch Liebe, sind unsere Probleme praktisch schon gelöst, denn die Liebe verleiht uns Sinn und Kraft. Um ein Problem zu lösen, muss man Liebe besitzen. Liebe macht uns zielstrebig und hingebungsvoll; sie schenkt uns Hoffnung und Kraft. Sie bewirkt Wunder und macht unser Leben glücklich.
Als zweites weil sie Glauben an Jesus hatte.
Sie redete Jesus damit an: „Herr, du Sohn Davids“. Davids Sohn war die Bezeichnung des verheißenen Messias. Sie hatte von Wundertaten Jesu gehört. Da musste sie überlegen, wer Jesus ist. Und sie kam zur Überzeugung, dass er der verheißene Messias sein müsse. Darum schrie sie zu ihm: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Befreie meine Tochter vom bösen Geist.“
Ihr Glaube war erstaunlich groß. Obwohl die jüdischen Geistlichen die Taten Jesu und seine Lehre gut kannten, glaubten sie nicht an ihn. Vielmehr hielten sie ihn für einen Irrlehrer und wollten ihn verklagen. Aber diese ausländische Frau glaubte an ihn als Messias und an seine göttliche Macht. Weil sie ihr Kind liebte und an Jesus als Messias glaubte, wollte sie unbedingt seine Hilfe erfahren. Darum kam sie zu ihm und schrie immer wieder: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Und ihre Liebe und ihr Glaube bewegten das Herz Jesu. Und er antwortete ihr: „Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!“
Nun wissen wir, warum Jesus bis dahin geschwiegen hatte. Er wollte ihren Glauben prüfen. Er wollte sehen, ob sie angesichts seiner Ablehnung an seiner Liebe und Macht glauben würde. Hätte sie an seiner Barmherzigkeit und Macht gezweifelt, hätte sie aufgehört zu bitten; doch weil sie fest an seine Barmherzigkeit und Macht glaubte, gab sie nicht auf.
Und tatsächlich glaubte sie fest an seine Barmherzigkeit und Macht. Deshalb konnte sie nichts entmutigen. Unaufhörlich bat sie ihn um Hilfe. Jesus hatte Gefallen an ihrem Glauben; er lobte sie und heilte ihre Tochter.
Gottes Wort in Hebr. 11,6 lautet: „Ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“
Als drittes weil die Frau demütig und weise war.
Als Jesus sagte: „Es ist nicht richtig, dass man den Kindern ihr Brot wegnimmt und es den Hunden werft“, wurde die Frau nicht beleidigt. Wie hätte diese Frau wohl auf die Worte Jesu reagiert, wenn sie eine stolze Frau wäre? Sie wäre bestimmt verärgert gewesen und hätte seine Hilfe letztlich nicht erfahren.
Aber sie reagierte demütig und weise. Sie sagte: „Ja, Herr. Aber die Hunde dürfen doch die Krümel fressen, die vom Tisch fallen.“
Sie war demütig und weise. Sie bekannte, dass sie eigentlich unwürdig war, Jesu Hilfe zu erfahren. Aber weil sie demütig und zugleich weise war, wurde sie nicht beleidigt, sondern antwortete ihm, dass ein Hund auch vom Tisch seines Herrn was bekommt.
Hochmut und Stolz machen uns oft zu Gefangenen unseres Egos, sodass wir die goldene Chance der göttlichen Hilfe und seines Segens verpassen. Aber Demut und Weisheit verhelfen uns, Gottes Hilfe und seinen Segen zu empfangen.
Wir sollen demütige, weise Menschen werden und Gottes Segen reichlich erfahren.
Es gibt in Korea ein Sprichwort: „Junge Ähren stehen senkrecht. Aber reife Ähren beugen sich.“ Dies Sprichwort besagt etwa folgendes: Ein Mensch, der durch seine Lebenserfahrung richtig gelernt hat, ist demütig, sodass er die Meinung anderer gut zuhört und ihrem guten Rat gerne folgt. Je älter ein Mensch wird, kann er desto unnachgiebiger werden. Aber wir sollen durch den Geist Gottes wie reife Ähren werden. Wir sollen Gott bitten, dass er uns demütig und weise macht.
Alle drei guten Dingen
Man sagt: „Alle guten Ding sind drei.“ Von der kananäischen Frau können wir drei Geheimnisse dafür erfahren, wie wir Gottes Hilfe erfahren können.
Als erstes sollen wir Liebe haben. Liebe gibt uns Motivation und Kraft. Liebe macht Wunder. Nichts ist stärker und näher zu Gott als Liebe.
Als zweites sollen wir Glauben an Jesus und seine Kraft haben. Wenn wir Glauben an Jesus Christus und seine Kraft haben, gefallen wir Gott und er wird uns gewiss segnen.
Als drittes sollen wir demütig und weise sein. Wenn wir demütig und weise sind, werden wir nicht verletzt, sondern können weise handeln. Gott segnet uns bestimmt.
Wenn wir Liebe, Glauben plus Demut & Weisheit haben, können wir unter allen Umständen das Herz Gottes bewegen, sodass er uns segnet. Gott möge uns Liebe, Glauben plus Demut und Weisheit schenken. Amen!
[1] http://www.gospeldoctrine.com/content/jeremiah-47-49
[2] https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=4123
[3] http://home.allgaeu.org/kschroep/griechisch/schrift.htm
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