|
|
17. Juli. 2026
Leitverse 18,12-13: „Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte? Und wenn es geschieht, dass er’s findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.“
Jesus ist nicht wie ein Geschäftsmann. Er rechnet nicht aus, welchen Gewinn Er erzielt; stattdessen liebt Er jeden Menschen, als wäre er Sein einziges Kind.
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf ist uns wohlbekannt. Es lehrt uns, dass Jesus mit ganzem Herzen nach verlorenen Menschen sucht, um ihnen ein gesegnetes, ewiges Leben zu schenken.
Wir wollen das Herz Jesu für verlorene Menschen verstehen, damit auch wir ein solches Herz haben und nach Verlorenen suchen können.
Dazu werden wir drei Merkmale einer gesunden Gemeinde betrachten.
1. Das erste Merkmal: Ein Herz haben, das nach verlorenen Schafen sucht (10–14)
Kleine Kinder brauchen vielfältige Hilfe. Deshalb geben viele Mütter ihren Beruf auf, bleiben zu Hause und kümmern sich um ihre Kinder. Auch ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität benötigen Unterstützung. Und auch die Armen brauchen Hilfe.
Es ist leicht, das Herz für kleine Kinder, ältere Menschen oder Arme zu verlieren.
Deshalb sagt Jesus zu uns: „Seht zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“ (10)
Jesus lehrt uns, dass es nicht nur eine sichtbare, sondern auch eine unsichtbare Welt gibt wie Gott, Engeln und dem Himmelreich.
Gott sucht nach verlorenen Menschen – mit seinem zerbrochenen Herzen. Um Gottes Herz besser zu veranschaulichen, erzählt Jesus ein Gleichnis:
Ein Mann besaß hundert Schafe, verlor jedoch eines davon. Er hätte sich sagen können: „Es ist bedauerlich, dass ein Schaf abhandengekommen ist. Leider ist es schwer wiederzufinden. Ich soll es wohl einfach vergessen; schließlich habe ich ja noch neunundneunzig Schafe.“
Doch nein, so pragmatisch konnte er nicht denken. Stattdessen betrachtete er das verlorene Schaf als ein unersetzliches Familienmitglied.
Stellen wir uns ein Ehepaar mit zehn Kindern vor, das eines seiner Kinder verloren hat. Könnte das Paar sagen: „Es ist schade, dass ein Kind verloren gegangen ist. Aber Gott sei Dank haben wir noch neun Kinder“? Sicherlich nicht. Dieses Paar würde voller Angst und Sorge nach dem verlorenen Kind suchen.
Durch dieses Gleichnis lehrt uns Jesus drei Dinge über Gottes Liebe zu verlorenen Menschen:
Erstens lehrt uns dieses Gleichnis, dass Gott jeden einzelnen Menschen zutiefst liebt und niemanden verlieren möchte.
Obwohl der Hirte noch neunundneunzig Schafe hatte, die nicht vom Weg abgekommen waren, war er wegen des verlorenen Schafes tief bekümmert und machte sich auf die Suche danach.
Ganz gleich, wie viele Kinder Eltern haben mögen – sie wollen keines von ihnen verlieren. Unser Gott liebt jeden Menschen so, als wäre er sein einziges Kind; deshalb sucht Er mit gebrochenem Herzen nach dem verlorenen Menschen.
William Carey (1761–1834) war ein englischer Missionar in Indien. Er ist als „Vater der modernen Mission“ bekannt. Er brannte vor Eifer für das Heil der Menschen in Indien. Die folgende Geschichte wird in dem Buch <William Carey: A Sketch of the Beginnings of Modern Missions> erzählt:
<Eines Tages berief der leitende Pastor Ryland eine Versammlung von Geistlichen ein und bat sie, Themen für eine Diskussion vorzuschlagen. William Carey schlug vor, zu untersuchen, ob der Befehl Christi, bis an die Enden der Erde zu gehen und alle Völker zu Jüngern zu machen, nur für die Apostel galt oder auch für alle nachfolgenden Geistlichen. Der leitende Pastor rief aus: „Sie sind ein armseliger Schwärmer. Wir Menschen können nichts ausrichten, wenn nicht ein zweites Pfingsten geschieht und uns – genau wie beim ersten Pfingsten – nicht nur der Missionsbefehl Christi, sondern auch wunderbare Gaben wie das Zungenreden zuteilwerden.“
Es war ein demütigender Moment für Carey. Doch das Feuer in ihm ließ sich nicht so leicht löschen.>
William Carey ging nach Indien und wirkte dort 41 Jahre lang für das Heil der Menschen.
Heute findet man verirrte Schafe nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland, und sie sind zahlreicher als jene Schafe, die nicht vom Weg abgekommen sind. Diese verirrten Schafe müssen aufgesucht und gefunden werden. Dafür brauchen wir ein Hirtenherz für verlorene Seelen.
Zweitens lehrt uns dieses Gleichnis, dass Gottes Liebe eine lebensspendende Liebe ist.
Heutzutage spricht jeder von Liebe. Tatsächlich zeigen manche Menschen Wärme und Liebe und sorgen so dafür, dass die Welt nicht gänzlich kalt ist. Eine solche Liebe macht uns für kurze Zeit glücklich. Leider jedoch bietet uns diese Liebe weder beständige Liebe noch ewiges Leben.
Der Hirte in diesem Gleichnis liebt sein Schaf und sucht es auf, damit es gerettet wird und unter dem Schutz des Hirten glückselig ewig leben kann.
Aus Liebe sandte Gott Jesus Christus, um uns von der Sünde und der Macht des Todes zu erlösen und uns ein gesegnetes, ewiges Leben zu schenken. Zu diesem Zweck opferte Jesus sein Leben. Nur Gott kann uns eine solche Liebe erweisen. Wir sollen Gottes lebenspendende Liebe dankbar annehmen.
Ich möchte über die Zeit sprechen, in der ich mich auf meine Hochschulaufnahmeprüfung vorbereitete. Ich war fest entschlossen, ein Studium zu absolvieren, obwohl meine Familie arm war und sich die Finanzierung meines Studiums nicht leisten konnte. Während ich mich Tag und Nacht auf die Prüfung vorbereitete, hinterfragte ich bisweilen ernsthaft den Sinn all dieser enormen Anstrengungen – schließlich würde ich irgendwann ohnehin sterben. Ich empfand die ganze Arbeit, die ich in die Prüfungsvorbereitung steckte, als sinnlos, und folglich verlor ich die Lust am Lernen. Dennoch schob ich diese Gedanken über den Sinn des Lebens nach zwei oder drei Stunden beiseite und nahm das Lernen für die Prüfung wieder auf.
Unser Gott ist gnädig zu mir. Ich bestand die Hochschulaufnahmeprüfung mit Auszeichnung und konnte dank eines Stipendiums studieren. Zudem konnte ich mietfrei in einem leerstehenden Zimmer eines ehemaligen katholischen Waisenhauses wohnen, da die Eltern eines engen Freundes aus meiner Heimatstadt das stillgelegte Gebäude kurz vor Beginn meines Studiums übernommen hatten. Der Onkel dieses Freundes war katholischer Priester und Leiter des St.-Marien-Krankenhauses in meiner Universitätsstadt.
Gleich zu Beginn meines Studiums führte mich Gott zum Glauben an Jesus Christus und schenkte mir ein glückliches, ewiges Leben. Das war eine wunderbare Gnade Gottes.
Unser Gott möchte jedem Menschen ein glückliches, ewiges Leben schenken.
Drittens lehrt uns dieses Gleichnis, dass Gottes Liebe eine suchende Liebe ist. Der Hirte in Jesu Gleichnis wartete nicht einfach darauf, dass das verlorene Schaf von selbst zur Herde zurückkehrte. Stattdessen machte er sich auf den Weg und suchte überall nach dem verlorenen Schaf. Manche Menschen glauben, Gott warte einfach darauf, dass verlorene Menschen Ihn von sich aus suchen und zum Glauben finden. Doch das geschieht nur selten. Fast alle verlorenen Menschen müssen von Christen aufgesucht und unterstützt werden. Dieses Gleichnis lehrt uns, dass Gott – durch Christen – aktiv nach dem verlorenen Menschen sucht, und zwar mit gebrochenem Herzen.
Ich bin in einem Dorf in Südkorea aufgewachsen. Alle fünf Tage fand dort ein Markt statt. Der Marktplatz lag etwa sieben Kilometer von unserem Haus entfernt. Als ich etwa fünf Jahre alt war, begleitete ich meine Mutter zu Fuß dorthin. Der Markt war ziemlich groß und voller Menschen. Während ich mich neugierig hier und da umsah, verlor ich meine Mutter aus den Augen. Was sollte ich tun? Ich machte mich sofort auf den Heimweg. Da ich auf dem Hinweg den Bahngleisen gefolgt war, ging ich auch auf dem Rückweg an ihnen entlang. Ich zählte die Eisenbahnbrücken, die ich überquerte; es waren acht an der Zahl. Und was machte meine Mutter? Sie suchte auf dem ganzen Markt nach mir. Da sie mich nicht finden konnte, kehrte sie nach Hause zurück. Als sie mich sah, war sie überglücklich – obwohl sie außer mir noch fünf weitere Kinder hatte.
Gott ist wie meine Mutter. Mit gebrochenem Herzen sucht unser Gott nach verlorenen Menschen. Gott kann nicht einfach darauf warten, dass die Menschen zu Ihm heimkehren; Er macht sich auf den Weg, sie zu finden – koste es, was es wolle. Deshalb ist Gott als Mensch in die Welt gekommen und für unsere Erlösung am Kreuz gestorben.
Auch wir sollen nach verlorenen Menschen suchen, auch wenn es nicht leicht ist, sie zu finden und in die himmlische Heimat zu führen.
2. Das zweite Merkmal einer gesunden Gemeinde: sündigte Brüder und Schwestern zur Umkehr führen (15–17)
Vers 15 lautet: „Wenn dein Bruder sündigt, geh hin und weise ihn zurecht – unter vier Augen.“
Wenn ein Bruder Gottes Gebot übertritt und sündigt, sollen wir nicht einfach ein Auge zudrücken. Vielmehr sollen wir ihm unsere christliche Liebe erweisen. Wie solle unsere Liebe in einem solchen Fall aussehen? Wir sollen auf ihn zugehen und ihn liebevoll zur Umkehr führen.
Letztes Mal erzählte ich schon die Geschichte, wie der Apostel Johannes einen Banditenanführer zur Umkehr führte. Ich werde sie noch einmal erzählen.
Der Apostel Johannes erfuhr, dass der junge Mann, den er zuvor dem örtlichen Bischof anvertraut hatte, inzwischen selbst Banditenanführer geworden war. So ging Johannes zum Räuberhölle.
Der Banditenanführer erschrak und begann zu fliehen. Doch Johannes eilte ihm nach und rief: „Mein Sohn! Warum fliehst du vor deinem Vater? Fürchte dich nicht! Es gibt noch Hoffnung für dein Leben. Ich werde für dich bei Christus Fürsprache einlegen. Ich bin sogar bereit, wenn nötig, für dich zu sterben, so wie der Erlöser für uns gestorben ist. Jesus hat mich zu dir gesandt!“
Bei diesen Worten blieb der Banditenanführer vor Scham stehen; er warf seine Waffen weg, weinte bitterlich, umarmte den heiligen Ältesten und bat um Vergebung.
Johannes‘ Handeln war eine wirksame Zurechtweisung. Er konnte den Anführer der Banditen dazu bewegen, umzukehren, weil er heilige Liebe besaß. Wir brauchen heilige Liebe, genau wie der Apostel Johannes sie hatte.
Wenn derjenige, der geirrt hat, seine Schuld bekennt und bereut, soll die Person, die ihm geholfen hat, ihm erklären, dass Gott ihm vergeben hat. Zudem soll sie seine Schuld nicht zu anderen weitersagen. Dies hilft dem reuigen Bruder, die gute Gemeinschaft mit anderen zu bewahren.
Was sollen wir tun, wenn der Bruder sich weigert, Buße zu tun?
Jesus sagt uns: „Wenn er nicht auf dich hört, nimm einen oder zwei andere mit dir, damit jede Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird.“
Hier greift Jesus auf die Lehre des Alten Testaments zurück (vgl. 5. Mose 17,6). Ziel ist es, den Bruder zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen. Die Brüder und Schwestern, die Hilfe anbieten, sollen mit einem liebevollen Herzen handeln, damit der Betroffene seine Schuld erkennt und Buße tut.
Was sollen wir tun, wenn die betreffende Person trotz all unserer Bemühungen ihre Schuld nicht eingesteht?
Jesus sagt: „Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner“ (17).
Wenn das Verhalten des Bruders einen schwerwiegenden Verstoß gegen Gottes Gebot darstellt und er sich hartnäckig weigert, umzukehren, soll die Gemeinde ihn ausschließen. Diese drastische Maßnahme soll den irrenden Bruder dazu bringen, seinen Fehler zu erkennen, und die Gemeinde davor bewahren, von der Sünde angesteckt zu werden. Denn Gott möchte seine Gemeinde vor Gefahren schützen.
3. Das dritte Merkmal einer gesunden Gemeinde: Gemeinsames Gebet eines Herzens Gebet (18–20)
Innerhalb der Gemeinde kann ein Problem entstehen – zum Beispiel könnte ein Mitglied die Welt lieben oder eine schwere Sünde begehen. Wenn Uneinigkeit darüber herrscht, wie mit der Angelegenheit umzugehen ist, kann dieser Streit die Einheit der Gemeinde gefährden. Im schlimmsten Fall könnte die Gemeinde zerbrechen. Was lehrt uns Jesus?
Jesus sagt zu uns: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein. Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten ihnen“ (18-20).
Hier lehrt uns Jesus, dass wir mit einem Herzen zu Gott beten sollen. Die Kirche entsteht überall dort, wo zwei oder drei Menschen mit einem Herzen zu Gott beten. Selbstverständlich sollen Gläubige nicht um die Erfüllung ihres eigenen Willens beten, sondern um den göttlichen Willen – ganz im Sinne des Vaterunsers: „Dein Wille geschehe ...“
Die Kirche ist dort gegenwärtig, wo zwei oder drei Gläubige im Namen Christi versammelt sind und mit einem Herzen zu Gott beten. Gott erhört ihr Gebet gerne.
In vielerlei Hinsicht gleicht die Kirche einer Familie. In einer Familie geht es nicht um Profit oder persönlichen Vorteil, sondern um Liebe und Fürsorge. Wenn innerhalb einer Familie häufig Konflikte entstehen, schadet dies allen ihren Familiengliedern.
Deshalb sollen wir uns in der Gemeinde nicht um Belangloses streiten, sondern in brüderlicher Gemeinschaft vereint sein. Wir sollen danach streben, Gott einmütig anzubeten und zu preisen. Gott hat daran große Freude und erhört gerne unsere Gebete.
Jesus hat uns verheißen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Wir sollen diese Verheißung ernst nehmen. Wir sollen Konflikte vermeiden und die brüderliche Einheit bewahren. Dann wird Gott unsere Gebete gewiss segnen, und wir werden alle dankbaren Herzens sein und Gott von ganzem Herzen preisen.
Als Zweites bemüht sich eine gesunde Gemeinde darum, gesündigte Geschwister zur Umkehr zu führen. Das ist eine etwas schmerzliche Arbeit. Aber Jesus Christus lehrt uns, dass wir diese Mühe nicht scheuen sollen.
Drei Merkmale einer gesunden Gemeinde bzw. Kirche
Lassen Sie mich kurz drei Merkmale einer gesunden Gemeinde zusammenfassen:
Erstens hat eine gesunde Gemeinde ein Herz, das nach verlorenen Seelen sucht.
Jesus kam in die Welt, um das Verlorene zu suchen und zu retten. Wir sollten uns das Herz Jesu zu eigen machen und ebenfalls ein Herz besitzen, das nach den Verlorenen sucht.
Zweitens ist eine gesunde Gemeinde bestrebt, Glaubensgeschwister, die gesündigt haben, zur Umkehr zu führen. Dies ist bisweilen eine schmerzhafte Aufgabe, doch Jesus Christus lehrt uns, dass wir vor dieser Mühe nicht zurückschrecken sollen.
Drittens beten die Gläubigen eines Herzens zu Gott.
Einheit ist entscheidend für das Wohlergehen und den göttlichen Segen – sowohl für eine Familie als auch für eine Gemeinde.
Möge Gott uns helfen, eine solche gesunde Gemeinde aufzubauen, damit wir selbst glückselig sein und in der Welt ein Segen sein können. Amen!
|
|
