|
|
20. Juli 2026
Leitverse 18,21-22: „Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal!.“
Petrus fragte Jesus: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, der mich verletzt hat? Reicht es aus, wenn ich siebenmal vergebe?“
Auch wir fragen uns: „Wie oft muss <ich> anderen vergeben, die mich verletzt haben?“
Diese Frage ist auch heute noch aktuell.
In Deutschland vergeben Menschen ein- oder zweimal. Danach gibt es keine Vergebung mehr.
Was lehrt uns Jesus darüber, wie oft wir vergeben sollen?
Heute wollen wir uns ansehen, was Jesus darauf geantwortet hat, wie oft wir anderen vergeben sollen und warum wir das tun sollen.
1. Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben? (21–22)
Man vergibt, wenn jemand einmal etwas Falsches getan und sich dafür entschuldigt hat. Man kann ihm vielleicht ein zweites Mal vergeben. Aber beim dritten Mal vergibt man nicht mehr.
Wie war der Brauch unter den Juden zur Zeit Jesu?
Jüdische Rabbiner lehrten damals, dass man seinem Bruder dreimal vergeben solle. Ein Rabbiner namens Jose ben Hanina sagte beispielsweise: „Wenn jemand gegen dich sündigt, sollst du ihm vergeben; wenn jemand ein zweites Mal sündigt, sollst du ihm vergeben; wenn jemand ein drittes Mal sündigt, sollst du ihm vergeben; aber beim vierten Mal sollst du ihm nicht mehr vergeben.“
Dies basierte auf Gottes Wort in Amos 1,6 und 2,1. Dort heißt es, dass Gott beabsichtigt, bestimmte Völker für ihre drei- oder viermaligen Übertretungen zu verdammen. Daraus wurde geschlossen, dass Gott den Menschen ihre bösen Taten dreimal vergibt, aber danach nicht mehr. Da es undenkbar war, dass Menschen barmherziger sein könnten als Gott, beschränkte sich die Praxis der Vergebung auf dreimal.
Petrus fragte Jesus, ob es genüge, einem Bruder siebenmal zu vergeben. Er glaubte, bereits sehr barmherzig zu sein, denn siebenmal zu vergeben war mehr als doppelt so viel, wie damals gelehrt wurde. Sicherlich erwartete er großes Lob für seine Großzügigkeit.
Statt Lob antwortete Jesus: „Nein. Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“
Was meinte Jesus mit dieser Antwort? Er meinte, dass wir anderen ohne Einschränkungen vergeben sollen. Warum sollen wir anderen immer wieder und ohne Vorbehalte vergeben? Um dies zu verdeutlichen, erzählte Jesus ein Gleichnis:
Mit dem Himmelreich verhält es sich wie mit einem König, der mit seinen Dienern abrechnen wollte. Als er mit der Abrechnung begann, wurde ihm ein Mann vorgeführt, der zehntausend Talente Silber schuldete. Ein Talent entsprach etwa 6.000 Denaren; zehntausend Talente beliefen sich also auf rund 60 Millionen Denare. Ein Denar wiederum war der übliche Tageslohn zur Zeit der Herrschaft des Kaisers Tiberius in Rom (14–37 n. Chr.).
60 Millionen Denare – welch eine gewaltige Summe! Angenommen. Ein Denar war ein Tagesarbeitslohn. Um aber 60 Millionen Denare zu verdienen, müsste er etwa 164.000 Jahre arbeiten!
Der Diener schuldete also einen astronomischen Betrag. Da er ihn nicht zurückzahlen konnte, befahl der König, ihn, seine Frau, seine Kinder und all seinen Besitz zu verkaufen, um die Schulden zu begleichen. Doch der Diener fiel vor seinem Herrn auf die Knie, flehte ihn an und sagte: „Herr, hab Geduld mit mir; ich werde dir alles zurückzahlen.“
Da hatte der Herr Mitleid mit dem Diener; er erließ ihm die gesamte Schuld und ließ ihn frei.
Die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende.
Als der Diener, dem seine Schuld erlassen worden war, hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denare schuldete. Er packte ihn an der Kehle und sagte: „Bezahl sofort, was du schuldest!“ Sein Mitknecht fiel vor ihm nieder und flehte ihn an: „Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen!“ Doch er weigerte sich und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die gesamte Schuld beglichen hätte.
Als die anderen Diener davon hörten, waren sie tief bestürzt. Sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm davon.
Da ließ ihn sein Herr zu sich rufen und sagte: „Du böser Diener! Ich habe dir deine ganze Schuld erlassen, weil du mich darum gebeten hast. Hättest du nicht Erbarmen mit deinem Mitknecht haben sollen, so wie ich Erbarmen mit dir hatte?“ Voller Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten. Sie sollten ihn erst freilassen, wenn er seine gesamte Schuld beglichen hätte.
2. Drei Lehren aus dem Gleichnis (23–35)
Was lehrt uns Jesus durch diese Geschichte? Er lehrt uns drei Dinge:
Erstens: Wir stehen bei Gott in einer großen Schuld.
Viele Menschen glauben, sie schuldeten Gott nichts. Doch in Wirklichkeit stehen alle Menschen bei Gott in einer enormen Schuld.
Gott hat uns das Geschenk des Lebens gemacht, und dieses Leben ist wertvoller als alle Schätze der Welt. Er hat uns zudem Luft, Wasser und Sonnenenergie gegeben. Hätten wir keine Luft, kein Wasser und keine Sonnenenergie, würden wir innerhalb kurzer Zeit sterben. Müssten wir den wahren Preis für Luft, Wasser und Sonnenenergie bezahlen, hätten wir nicht das Geld dafür. Doch Gott hat uns all das umsonst gegeben.
Er gab uns auch die Erde, damit wir auf ihr stehen und leben können. Er gab uns Berge, das Meer, Bäume und Pflanzen. Er gab uns auch die Sonne und den Mond. Tag und Nacht verdanken wir der Sonne. Was würde aus uns, wenn Gott uns die Sonne nicht gegeben hätte? Er schuf auch etwa 100 Milliarden Galaxien für uns. Ohne unsere Galaxie, die Milchstraße, könnte uns die Sonne nicht ausreichend mit Wärme und Licht versorgen. Eine mittelgroße Galaxie wiederum enthält 100 Milliarden Sterne. Gott schuf all diese Sterne für uns Menschen.
Unser Gott gab uns alles als freies Geschenk. Wir stehen bei Gott in der Schuld, und unsere Schuld ist astronomisch groß.
Es gibt noch eine andere Art von Schuld: die Sünde. Wir stehen bei Gott tief in der Schuld. Obwohl Gott uns erschaffen und uns eine wunderbare Welt anvertraut hat, haben wir alles als selbstverständlich angenommen und versäumt, Gott als Gott zu ehren oder Ihm zu danken (Römer 1,20–21). Stattdessen haben wir Gott durch unsere Worte und Taten missachtet. Wenn wir etwas Gutes erreichen, betrachten wir es als Lohn für unsere eigenen Anstrengungen und unsere Klugheit. Wenn wir zum Beispiel gute Noten erhalten, sehen wir sie als Ergebnis unserer harten Arbeit und unserer Intelligenz an, vergessen dabei aber, Gott zu danken, der uns unseren Verstand gegeben hat.
Haben wir Gott für all das genug gedankt? Haben wir Ihm für die Luft, das Wasser und die Sonne gedankt? Haben wir Ihm für die Erde und den Himmel gedankt? Haben wir Ihm für unsere Eltern gedankt? Haben wir Gott für seinen Sohn gedankt?
Somit stehen wir tief in der Schuld und sind zugleich schuldig.
Zweitens: Gott hat uns unsere Schuld(en) gratis getilgt.
Unsere Schulden sind astronomisch hoch. Wir können sie nicht zurückzahlen.
Unser Gott ist barmherzig. Er hat uns all unsere Schulden und Schuld erlassen, indem Er seinen Sohn, Jesus Christus, für uns geopfert hat.
Glaubt irgendjemand, dass der Opfertod Jesu nicht ausreichen würde, um unsere Schulden zu begleichen? Lassen Sie uns nun – mathematisch – die Größe unseres Schuldenbergs und das Ausmaß von Gottes Gnade in Jesus Christus berechnen. Wenn unser Schuldenberg größer ist als Gottes Gnadenberg, können unsere Schulden und unsere Schuld nicht getilgt werden. Wenn jedoch Gottes Gnadenberg weitaus größer ist als unser Schuldenberg, kann Gott all unsere Schulden und unsere Schuld tilgen und uns für vollkommen frei erklären.
Was hat Gott für uns geopfert? Er hat Jesus Christus geopfert, um unsere Schulden und unsere Schuld zu tilgen. Jesus Christus ist wahrhaftig Gott. Da Gott das gesamte Universum erschaffen hat, ist das Leben Christi weitaus kostbarer als das Universum selbst. Gott hat diesen Jesus Christus für unsere Schulden und unsere Schuld geopfert. Sein Opfer ist weitaus größer als das gesamte Universum; daher kann es all unsere Schulden und unsere Schuld vollständig tilgen. Wir können an die vollständige Streichung unserer Schulden und unserer Schuld glauben. Ganz gleich, wie groß unsere Schulden und unsere Schuld auch sein mögen – sie wurden durch die Gnade Gottes in Jesus Christus vollständig getilgt. Wir sind völlig frei von Schuld und Schulden. Wir sind keine Sklaven mehr, sondern Kinder Gottes.
Gott schenkt uns freigebig Luft, Sonnenlicht und Wasser. Er schenkt uns freigebig die Erde, den Mond, Sonnenenergie und den sternenreichen Kosmos. Auch das Leben schenkt Er uns freigebig. Er vergibt uns freigebig alle unsere Sünden. Ebenso gewährt Er uns freigebig ein gesegnetes, ewiges Leben und Seinen Geist. Er schenkt uns freigebig Sein Himmelreich. Durch den Glauben dürfen wir all Seine Gaben annehmen und Ihm einfach „Danke“ sagen. Das ist wunderbar. Das ist wahrlich Gottes Reich.
Drittens: Wir sollen gnädig gegenüber anderen sein.
Wir vergessen leicht, dass Gott unsere gewaltigen Schulden und unsere Schuld aus Erbarmen getilgt hat. Wir neigen dazu, uns so wie der Knecht zu verhalten, der Schulden von zehntausend Zentnern hatte.
Wir dürfen jedoch niemals Gottes Gnade vergessen. Unser Gott hat unsere Schuld vollständig getilgt und uns gnädig als Seine Kinder angenommen.
Die Schulden, die andere bei uns haben, sind im Vergleich dazu sehr gering. Deshalb sollen wir anderen gegenüber gnädig sein. Wenn wir anderen ihre Schuld vergeben, erfüllt Dankbarkeit für Gottes Gnade unsere Herzen, und wir sind wahrhaft glücklich. Das ist das Himmelreich. Dies ist ein Kennzeichen des christlichen Glaubens.
Deshalb hat uns Jesus im Vaterunser gelehrt zu beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ (Matthäus 6,12).
Wenn wir Gottes Vergebung wahrhaft genießen wollen, sollen wir bereitwillig anderen ihre Verfehlungen vergeben und ihnen Gnade erweisen.
Festo Kivengere (ausgesprochen: Kivend-schere) (1919–1988) war ein Evangelist aus Uganda (Afrika). Zunächst arbeitete er als Dolmetscher bei den Evangelisationsveranstaltungen von Billy Graham. Später wurde er selbst Evangelist. Er reiste durch die ganze Welt und verkündete Millionen von Menschen das Evangelium.
Als er jedoch als Lehrer an der Dorfschule arbeitete, war er zunächst ungläubig. An einem Sonntag begleitete er seine Jungenklasse in die Kirche. Er saß ganz hinten und war zutiefst genervt von den Christen, die sangen und von ihrem Glauben sprachen. Festos 14-jährige Nichte saß in der ersten Reihe. Plötzlich sprang sie auf und bat darum, etwas sagen zu dürfen: „Ich möchte Gott dafür danken, dass er ein Gebet erhört hat. Eva und ich haben für Festo gebetet – und hier ist er: wieder in der Kirche!“
Festo ging von der Kirche weg. „Wie kann sie es wagen, meine privaten Angelegenheiten öffentlich zu machen! Das wird sie bereuen!“ Auf dem Heimweg mit dem Fahrrad traf Festo einen Freund. Der Freund rief ihm zu: „Festo, meine Sünden sind vergeben! Jesus hat mir meine Sünden erst vor drei Stunden vergeben! Jetzt lebe ich für Ihn!“ Während Festo den Kopf abwandte und vor sich hin murmelte, rief sein Freund: „Festo, wie steht es mit dir?“
In seiner Wohnung sank Festo auf die Knie und betete: „O Gott, hier ist mein leeres Leben. Ich bin voller Schuld. Tu an mir, was Du an meinem Freund getan hast.“ Plötzlich kamen ihm viele Bibelverse über Jesu Tod am Kreuz in den Sinn. „Gott ist für meine Sünde gestorben – für mich!“, dachte Festo. „So schlimm steht es um mich!“ Er nahm Jesus als seinen Retter und Freund in sein Herz auf.
Festo begann sofort, die Menschen, die er verletzt und gekränkt hatte, um Vergebung zu bitten.
Festos Vater war schon vor Jahren gestorben. Später heiratete seine Mutter einen anderen Mann, der sie grausam behandelte. Er trank und schlug sowohl sie als auch die Kinder. „Er hat unser Leben zerstört!“, dachte Festo. „Wie kann ich ihm vergeben und ihn lieben? Wie kann ich ihn bitten, mir zu vergeben, dass ich ihn gehasst habe?“ Was sein Stiefvater getan hatte, war falsch, doch Festo dachte an seine eigene Sünde und daran, wie Jesus ihm vergeben hatte. Die Liebe Jesu in seinem Herzen half Festo.
„Stiefvater, ich habe dich jahrelang gehasst. Die Bibel sagt, dass Hass wie Mord ist“, gestand Festo.
„Ja, ich weiß nur zu gut, dass du mich hasst!“, rief sein Stiefvater aus.
Festo erklärte: „Jesus hat mir all diesen Hass genommen. Darf ich mich setzen und dir davon erzählen?“ Sie unterhielten sich über eine Stunde lang. Dann stand sein Stiefvater auf, umarmte ihn und vergab ihm.
Festo suchte all jene Menschen auf, die er zuvor gehasst hatte. Er bat sie um Vergebung und sagte ihnen, dass er sie liebte. Doch zunächst konnte er Idi Amin nicht vergeben. Idi Amin war ein grausamer Diktator. Er regierte Uganda von 1971 bis 1979 als Diktator, verfolgte Christen auf brutale Weise und ermordete zwischen 300.000 und 400.000 Menschen. Jahre später jedoch – während eines Karfreitagsgottesdienstes in London, als er die Geschichte vom Tod Jesu am Kreuz hörte – spürte Festo, wie der Herr zu ihm sprach: „Du musst Idi Amin vergeben. Du musst ihn lieben.“ „Ihn lieben – das ist unmöglich.“ „Ich liebe dich. Ich habe dir vergeben“, erinnerte ihn Jesus. Festo setzte sich hin und betete drei Stunden lang. Als Gottes Liebe sein Herz erfüllte, war er fähig, Idi Amin zu lieben und ihm zu vergeben. Festo schrieb sogar seine Lebensgeschichte nieder und gab ihr den Titel „I Love Idi Amin“.
Lebe voller Freude!
Wir sind große Schuldner Gottes. Gott hat all unsere Schulden und unsere Schuld getilgt, denn er hat all unsere Schulden und Schuld auf Jesus Christus gelegt, sodass Jesus am Kreuz gestorben ist.
Als begnadigte Schuldner und Sünder sollen wir dankbar sein und anderen ihre Schuld vergeben.
Möge Gott uns helfen, die Gnade Jesu von ganzem Herzen anzunehmen und ein dankbares, freudiges Leben zu führen. Amen!
|
|
