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27. Juli 2026
-Von den Arbeitern im Weinberg -
Leitverse 20,8-10: „8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. 9 Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing einen Silbergroschen. 10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder einen Silbergroschen..“
In diesem Gleichnis stellt ein Weinbergbesitzer zu verschiedenen Tageszeiten Arbeiter ein: einige bei Sonnenaufgang (6 Uhr morgens), andere mittags und wieder andere um 15 Uhr oder sogar um 17 Uhr. Am Ende des Tages (18 Uhr) zahlt er jedem Arbeiter denselben Lohn für einen vollen Arbeitstag.
Die Gnade bedeutet das Gegenteil des Verdienstes; der Verdienst bedeutet, dass jeder Mensch so viel bekommt, wie er geleistet hat. Der Weinbergbesitzer aber ist gnädig und gibt auch Arbeitern, die später zur Arbeit kamen, den vollen Tageslohn.
Durch dieses Gleichnis erklärt Jesus uns, dass wir nicht durch Verdienst, sondern durch Gnade Gottes Gotteskindschaft, das ewige Leben und das Himmelreich empfangen.
Wenn wir ein seliges Glaubensleben führen wollen, sollen wir Gottes Gnade richtig verstehen und sie dankbar annehmen. So können wir Gottes Gnade gut genießen und anderen gegenüber gnädig sein.
Gott möge uns dazu helfen, Gottes Gnade der Sündenvergebung, des ewigen Lebens und des Himmelreichs dankbar anzunehmen.
1. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
In Palästina reifen die Weintrauben gegen Ende September. Für das jüdische Volk beginnt der Tag bei Sonnenaufgang – dem Nullpunkt seiner Zeitrechnung. Demnach entsprach die dritte jüdische Stunde nach unserer Zeitrechnung 9 Uhr morgens, die sechste Stunde 12 Uhr mittags, die neunte Stunde 15 Uhr und die zwölfte Stunde dem Zeitpunkt des Sonnenuntergangs. Damals arbeitete ein Tagelöhner üblicherweise von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Der übliche Tageslohn betrug damals einen Silbergroschen. Der Silbergroschen entsprach dem römischen Denar bzw. der griechischen Drachme.
In jener Zeit lebte fast jeder von der Hand in den Mund. Ein einziger Silbergroschen reichte kaum für den täglichen Bedarf einer Familie. Wenn ein Mann einen Tag lang keine Arbeit fand, musste seine Familie am nächsten Tag hungern.
Der Marktplatz diente im Wesentlichen als Arbeitsmarkt. Früh am Morgen kamen Tagelöhner mit ihrem Werkzeug dorthin, in der Hoffnung, einen Arbeitgeber zu finden.
Betrachten wir nun das Gleichnis, das Jesus erzählte.
Einige Tagelöhner stehen früh am Morgen auf und gehen auf den Marktplatz. Sie sind darauf bedacht, Arbeit zu finden. Tatsächlich erscheint ein Arbeitgeber, sobald die Sonne aufgeht. Er bespricht den Lohn mit ihnen, und beide Seiten einigen sich rasch auf eine Silbermünze pro Person. Die Arbeiter sind erfreut, denn sie haben Arbeit gefunden. Frohgemut gehen sie in den Weinberg und beginnen zu arbeiten.
Um neun Uhr morgens kehrt der Arbeitgeber auf den Marktplatz zurück. Dort trifft er Leute an, die untätig herumstehen. Er sagt zu ihnen: „Geht auch ihr in den Weinberg und arbeitet; ich werde euch einen angemessenen Lohn zahlen.“ Natürlich nehmen sie das Angebot gerne an und machen sich an die Arbeit.
Der Arbeitgeber kehrt mittags auf den Marktplatz zurück und schickt einige Arbeitslose zur Arbeit. Dasselbe tut er um 15 Uhr.
Und um 17 Uhr kommt er wieder auf den Marktplatz. Er sieht einige Leute, die untätig herumstehen. Er fragt sie: „Warum steht ihr hier und tut nichts?“ Sie antworten ihm: „Niemand gibt uns Arbeit!“ Da sagt er: „Geht auch ihr und arbeitet in meinem Weinberg!“
Als der Abend hereinbrach, wies der Weinbergbesitzer seinen Verwalter an, den Arbeitern ihren Lohn auszuzahlen – beginnend mit jenen, die erst später eingestellt worden waren. Diejenigen, die ab 17 Uhr gearbeitet hatten, erhielten jeweils eine Silbermünze. Ebenso erhielt jeder, der um 15 Uhr begonnen hatte, eine Silbermünze, und so weiter.
Auch jeder, der seit 6 Uhr morgens gearbeitet hatte, erhielt eine Silbermünze. Da begannen diese Arbeiter, gegen den Weinbergbesitzer zu murren, und sagten: „Die Leute, die nur eine Stunde gearbeitet haben, bekommen denselben Lohn wie wir, obwohl wir die Last des Tages und die Hitze ertragen haben“ (12).
Der Weinbergbesitzer antwortete: „Freund, ich tue dir kein Unrecht. Hast du dich nicht mit mir auf einen Denar geeinigt? Nimm deinen Lohn und geh! Ich will aber diesem Letzten genauso viel geben wie dir. Darf ich nicht mit meinem Geld tun, was ich will? Oder siehst du neidisch auf mich, weil ich großzügig bin?“
Schließlich sagt Jesus zu seinen Jüngern – und auch zu uns: „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“
2. Die Lehre des Gleichnisses
Menschen auf der ganzen Welt werden sich auf die Seite der Arbeiter stellen, die seit sechs Uhr morgens gearbeitet hatten. Was aber lehrt uns Jesus durch sein Gleichnis?
Der erste Punkt bezüglich des Reiches Gottes ist folgender: Gott kennt unsere Bedürfnisse und sorgt für uns.
Damals benötigte jede Familie täglich eine Silbermünze für Brot. Der Weinbergbesitzer war gütig und kümmerte sich um die Bedürfnisse der Menschen; deshalb stellte er auch noch nachmittags um 17 Uhr arbeitslose Männer ein und gab ihnen – wie allen anderen auch – eine Silbermünze.
Dieser Arbeitgeber steht sinnbildlich für Gott. Gott kennt all unsere Bedürfnisse und kümmert sich fürsorglich um uns. Wir sollten auf seine Güte und Fürsorge vertrauen. Deshalb sagt Jesus zu uns: „Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt! So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Was werden wir anziehen? Nach diesem allen trachten Ungläubige. Aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles braucht.“ (Mt. 6,25a+31-32).
Wir sollen also an Gottes Güte und seine Fürsorge glauben. Er kennt unsere Bedürfnisse genau. Er weiß, dass wir sowohl das leibliche Brot als auch das ewige Leben brauchen. Er sorgt fürsorglich für uns. Deshalb hat Er Jesus Christus gesandt, um uns das ewige Leben zu schenken. Wenn wir an Gottes Fürsorge glauben, können wir tiefen Herzensfrieden erfahren, Gott danken und anderen ein Segen sein.
Der zweite Punkt bezüglich des Reiches Gottes ist folgender: Gott gewährt uns Arbeit für sein Reich.
In diesem Gleichnis weist der Weinbergbesitzer jedem Arbeit in seinem Weinberg zu und zahlt allen am Ende des Tages denselben Lohn. Wer schon seit Sonnenaufgang arbeitet, murrt gegen den Weinbergbesitzer. Er erkennt nicht, dass die Arbeit im Weinberg ein Segen ist; stattdessen betrachtet er sie lediglich als lästige Pflicht.
Der Weinbergbesitzer steht für Gott. Die Arbeiter repräsentieren Christen – oder, im weiteren Sinne, die Menschen überhaupt. Und die Arbeit im Weinberg kann den Dienst für das Reich Gottes symbolisieren. Somit lehrt uns dieses Gleichnis, dass die Arbeit für das Reich Gottes ein Segen für uns ist. Für diejenigen, die über einen langen Zeitraum für Gott arbeiten, ist sie ein noch größerer Segen.
Manche Menschen finden schon in ihrer Jugend zum Glauben und arbeiten ihr Leben lang für das Reich Gottes. Andere hingegen gelangen erst später im Leben zum Glauben und dienen Gott eine vergleichsweise kürzere Zeit. Dennoch empfangen alle Gläubigen das ewige Leben und gehen in das Himmelreich ein.
Wer Gott schon seit seiner Jugend dient, sollte Ihm dafür danken. Es ist wahrlich ein großer Segen, Gott über einen langen Zeitraum hinweg dienen zu dürfen. Wer es als großen Segen erkennt, für Gott zu leben und zu wirken – und Ihm dafür dankt –, ist wahrhaft glücklich.
Der dritte Punkt bezüglich des Reiches Gottes ist folgender: Gott schenkt den Hoffnungslosen Hoffnung.
Das Gleichnis spricht uns besonders deshalb an, weil der Weinbergbesitzer noch um 15 Uhr und 17 Uhr Arbeiter einstellt und ihnen den vollen Tageslohn zahlt.
Wir können uns gut vorstellen, wie niedergeschlagen sich diese Menschen fühlten, während sie auf dem Marktplatz auf Arbeit warteten. Sie hatten immer wieder versucht, eine Beschäftigung zu finden – jedoch ohne Erfolg. Als sie schließlich um 15 oder 17 Uhr dort ankamen, wussten sie nur zu gut, dass es kaum noch Aussicht auf Arbeit gab. Doch ohne Arbeit hätten ihre Familien am nächsten Tag kein Geld, um Brot zu kaufen. Die Not hatte sie dazu getrieben, Arbeit zu suchen; sie waren zutiefst entmutigt.
Doch dann kam ein barmherziger Weinbergbesitzer und gab ihnen Arbeit. Welch ein Glücksfall! Er brachte neue Farbe in ihr Leben. Genau das ist Jesus für uns.
In Wirklichkeit hat niemand Hoffnung auf das ewige Leben, denn Gottes Wort besagt in Römer 3,20, dass kein Mensch aufgrund seiner eigenen Taten vor Gott als gerecht gelten – oder in das Himmelreich eingehen – kann.
Doch Gott schenkt uns Hoffnung, denn durch Jesus Christus hat Er das Tor zum Himmelreich weit geöffnet. Alle, die ohne Hoffnung sind, können durch Jesus Christus neue Hoffnung finden; niemand muss hoffnungslos bleiben.
Es gibt viele Menschen, die – wie jene Tagelöhner – noch um 15 Uhr, 17 Uhr oder sogar kurz vor 18 Uhr auf dem Marktplatz nach Arbeit suchen. Sie haben die Hoffnung schon fast aufgegeben. Doch unser Gott ist wie ein gnädiger Arbeitgeber: Durch Christus schenkt Er uns neue Hoffnung. Wir sollten diese Hoffnung dankbar annehmen.
Der vierte Punkt bezüglich des Gottesreiches lautet wie folgt: Gott schenkt allen Gläubigen seine Kindschaft, das ewige Leben und sein Himmelreich.
In diesem Gleichnis gab der Weinbergbesitzer allen Arbeitern denselben Geldbetrag, obwohl sie zu unterschiedlichen Zeiten eingestellt worden waren. Dieses Geld war also kein Lohn für geleistete Arbeit, sondern ein Geschenk von ihm.
Menschen kommen zu unterschiedlichen Zeiten zum Glauben an Jesus Christus. Manche glauben schon seit ihrer Jugend und dienen Gott aktiv, wie Renate oder David. Esther und ich kamen zum Glauben, als wir etwa zwanzig Jahre alt waren. Andere finden erst später zum Glauben. Wieder andere kommen erst kurz vor ihrem Tod zum Glauben – wie der Schwerverbrecher am Kreuz.
Doch ungeachtet dessen schenkt Gott allen dieselbe Gabe: die Kindschaft, das ewige Leben und das Himmelreich.
Wir sollten diese Gaben mit Dankbarkeit annehmen. Wer früh zum Glauben gekommen ist, sollte dafür danken, dass er längere Zeit in der Gnade wirken darf. Wer später zum Glauben gekommen ist, sollte Gott für seine Barmherzigkeit danken.
Der fünfte Punkt zum Reich Gottes lautet: Gott ist gnädig.
Diejenigen, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gearbeitet hatten, waren der Meinung, dass jeder eine Bezahlung erhalten sollte, die seiner Arbeitszeit entsprach. Doch der Weinbergbesitzer gab selbst dem Arbeiter, der nur eine Stunde lang gearbeitet hatte, eine Silbermünze, weil dieser sie für seine Familie benötigte. Unser Gott ist nicht an gesetzliche Vorschriften gebunden, sondern gnädig. Deshalb opferte Er Seinen Sohn für unsere Sünden, um unsere Schuld zu tilgen. Gott vergibt nun allen, die ihre Schuld bekennen und an Jesus Christus glauben, und heißt sie herzlich im Himmelreich willkommen.
Das 23. Kapitel des Lukasevangeliums berichtet von einem Mann, der neben Jesus am Kreuz hing. Er hatte ein schweres Verbrechen begangen. Infolgedessen war er zum Tode verurteilt und ans Kreuz genagelt worden. Nun lag er im Sterben. Er hatte keine Gelegenheit mehr, etwas Gutes zu tun, um sich den Einlass in das Himmelreich zu verdienen. Dennoch glaubte er an Jesus als den Sohn Gottes und an dessen Großzügigkeit. Er sagte zu Jesus: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“
Was antwortete Jesus dem reuigen, gläubigen Verbrecher? Jesus sagte zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein!“ (Lukas 23,43). Wow! Ohne eine einzige gute Tat vollbracht zu haben, durfte der schwere Verbrecher in das Himmelreich eingehen! Welch eine Großzügigkeit! Welch eine Gnade!
Dieser dreiste Kriminelle war vergleichbar mit einem Arbeiter, der am Zahltag kurz vor 18 Uhr beim Weinbergbesitzer erscheint und den Lohn für einen ganzen Tag kassiert.
Würde man uns fragen: „Welches Merkmal unterscheidet das Christentum von anderen Weltreligionen?“, können wir ohne Zögern antworten: „Die Gnade.“ Natürlich gibt es auch andere Kennzeichen des christlichen Glaubens – wie Gerechtigkeit, Liebe, Barmherzigkeit und so weiter. Doch der christliche Glaube legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Gnade, denn durch Gottes Gnade werden wir von der Sünde und der Macht des Todes errettet. Weil Jesus an unserer Stelle für unsere Schuld gestorben ist, vergibt uns Gott und schenkt uns aus freiem Willen das ewige Leben und das Himmelreich. Die Gnade ist somit das entscheidende Merkmal Gottes in Bezug auf unsere Errettung. Wir werden durch seine Gnade gerettet, nicht durch unsere guten Taten. Wie es in Epheser 2,8 heißt:
„Denn aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben – und das nicht aus euch selbst; es ist Gottes Geschenk an euch –, nicht aufgrund von Werken, damit sich niemand rühmen kann.“
Aufgrund deiner und meiner Schuld müsste Gott uns beide eigentlich zur Hölle verdammen. Doch Gott ist gnädig. Er bietet jedem seine Gnade an. Da wir Buße getan haben und an Jesus Christus glauben, gewährt Er uns Vergebung. Er erlässt uns alle Schuld, befreit uns von der Verdammnis und heißt uns herzlich als seine Kinder willkommen. Oh, wie wunderbar! Gnade ist wahrlich die Kernbotschaft der Bibel. Wir sollen diese Gnade dankbar annehmen und Gott stets dankbar bleiben. Natürlich sollen auch wir anderen gegenüber Gnade walten lassen.
Unsere Antwort
Wir sind vielleicht 14 Jahre alt, 25 Jahre, 30, 50 oder 60 Jahre alt. Wir können unser Alter als Tageszeit von 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr bezeichnen. Könnte sein, dass jemand um 17 Uhr oder sogar 5 vor 18 auf dem Marktplatz steht und Arbeit sucht.
Da macht Gott uns ein Angebot, für Gott zu arbeiten und den vollen Tageslohn zu bekommen. Er bietet allen das ewig Leben und das Himmelreich an.
Wir mögen 15, 25, 30, 50 oder 60 Jahre alt sein. Wir können unser Alter mit einer Tageszeit vergleichen – 9 Uhr morgens, Mittag, 15 Uhr und so weiter. Jemand mag um 17 Uhr – oder auch erst fünf Minuten vor 18 Uhr – auf dem Marktplatz stehen und nach Arbeit suchen.
Gott macht uns ein Angebot: für Ihn zu arbeiten und den vollen Tageslohn zu erhalten. Er bietet jedem das ewige Leben und das Himmelreich an.
Wie sollen wir auf Sein Gnadenangebot reagieren? Sollen wir „Nein“ sagen, nur weil es bereits 9 Uhr, Mittag, 15 Uhr oder 17 Uhr ist?
Jeder sollte über Gottes Gnade nachdenken und Ihm die richtige Antwort geben.
Dabei sollen wir uns an den Verbrecher am Kreuz erinnern, der kurz vor 18 Uhr zu Jesus kam und – ohne irgendeine Arbeit verrichtet zu haben – dankbar die Erlösung und das Himmelreich annahm.
Welche Antwort wirst du Gott auf Sein Gnadenangebot geben? Möge Gott dir helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.
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