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29. Juli 2026
Leitverse 20,28: „So wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“
Jeder Mensch möchte von anderen gedient werden und nicht umgekehrt. Das Dienen könnte nicht unserer Menschennatur entsprechen.
Wir sollen aber einmal daran denken, dass wir durch das hingabevolle Dienen unserer Eltern geboren wurden und wachsen konnten. Unsere Eltern haben uns ernährt, bekleidet und kümmerten sich um uns. Ohne ihr Dienen wären wir heute nicht da.
Jesus schätzt diejenigen hoch, die anderen Menschen mit Freude dienen. Und er hinterlässt durch seinen Opfertod ein Beispiel des Dienens. Wenn wir die Hingabe unserer Eltern und die Gnade Jesu Christi wahrnehmen und andern dienen, segnet Gott uns sehr.
Darum wollen wir nun die Glückseligkeit des dienenden Lebens kennen lernen.
1. Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung (17–19)
Jesus tritt nun seine letzte Reise nach Jerusalem an. Er zieht am Ostufer des Jordan entlang (vgl. Mk 10,46). Bei Jericho überquert er den Fluss und wendet sich Jerusalem zu. Der Jordan ist kein mächtiger Strom wie der Rhein; er ist eher ein kleiner Fluss (3-10 m breit). Daher lässt er sich meist auch ohne Brücke zu Fuß überqueren.
Wer vom unteren Jordan aus nach Jerusalem gelangen will, muss mehr als 1000 m hinaufsteigen.
Jesu letzter Reiseweg[1] nach Jerusalem und der Jordan[2]
Denn der Jordan bei Jericho liegt etwa 390 Meter unter dem Meeresspiegel und das Tote Meer 428 Meter unter dem Meeresspiegel. Jerusalem hingegen liegt etwa 800 Meter über dem Meeresspiegel. Deshalb schreibt Matthäus in Vers 17: „Jesus zog hinauf nach Jerusalem.“
Was lehrt Jesus seine Jünger, als er sich auf den Weg nach Jerusalem macht?
Er nimmt seine Jünger beiseite und sagt: „Seht, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird festgenommen und den Hohepriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Römern übergeben. Sie werden ihn verspotten, geißeln und ans Kreuz nageln. Doch drei Tage später wird er auferstehen“ (18–19).
Dies ist die dritte derartige Ankündigung. Die erste Ankündigung machte er nach dem Bekenntnis des Petrus bei Cäsarea Philippi (16,21) und die zweite in Galiläa (17,22–23).
Diese dreifache Vorhersage zeigt uns, dass sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung gemäß Gottes Willen geschehen.
Jesu Tod und Auferstehung ereignen sich in erster Linie nicht aufgrund der Umstände – wie etwa der Bosheit der jüdischen Führung –, sondern weil Gott sie schon vor langer Zeit geplant hat. Gott möchte Menschen von Sünde und Hölle erlösen. Da der heilige Gott die menschliche Sünde jedoch nicht einfach als harmlos abtun kann, muss er die Menschen für ihre Sünde bestrafen. Die göttliche Strafe für Sünde ist der Tod und die ewige Verdammnis in der Hölle. Doch an unserer Stelle bestraft Gott seinen Sohn Jesus Christus; er lässt zu, dass Jesus am Kreuz stirbt und begraben wird. Und Gott hat diesen Jesus von den Toten auferweckt. Weil er Jesus Christus bereits für unsere Sünden bestraft hat, vergibt er uns unsere Schuld und nimmt uns als seine Kinder an. Dank sei Gott für seine Gnade.
Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung stellen die wichtigste Botschaft Gottes an die Menschen dar.
Das bedeutendste Ereignis des Alten Testaments ist die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft. Doch diese Befreiung weist bereits auf die Erlösung der Menschheit von Sünde und der Macht des Todes durch den Tod und die Auferstehung Jesu hin. Auch das Opfersystem des Alten Testaments verweist auf den Opfertod Christi. Somit bilden Tod und Auferstehung Christi den Kern der biblischen Botschaft.
Der Apostel Paulus bringt diese zentrale Botschaft folgendermaßen zum Ausdruck: „dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, gemäß der Schrift, und dass er begraben wurde und dass er am dritten Tag auferweckt worden ist, gemäß der Schrift“ (1. Korinther 15,3–4).
Weil Jesus Christus bereits die volle göttliche Strafe für unsere Schuld auf sich genommen hat, dürfen wir durch den Glauben an Christus Vergebung, ewiges Leben und das Reich Gottes empfangen sowie Kinder Gottes werden. Dies ist eine wunderbare Botschaft für alle Menschen. Es gibt keine bessere Nachricht als diese. Wir sollen diese Botschaft dankbar annehmen und Gottes Segen wahrhaftig genießen. Wir sollen diese Botschaft mit anderen teilen, damit auch sie diesen Segen erfahren können.
2. Vom Dienen (20-28)
A. Die Bitte der Mutter des Jakobus und des Johannes (20–23)
Eine Mutter tut alles für das Wohl ihrer Kinder. Die Mutter von Jakobus und Johannes ist genauso eine Mutter. Sie kommt mit ihren beiden Söhnen zu Jesus und kniet vor ihm nieder. Jesus fragt sie: „Was kann ich für dich tun?“
Sie antwortet: „Lass diese beiden meine Söhne neben dir in deinem Reich sitzen – einen zu deiner Rechten und den anderen zu deiner Linken“ (21). Welch ein Einsatz! Sie ist wie eine koreanische Mutter, die alles für ihre Kinder tut. So würde eine koreanische Mutter beispielsweise dem Klassenlehrer ihres Kindes ein teures Geschenk machen, damit dieser ihr Kind wertschätzt oder ihm gute Noten gibt.
Die Mutter von Jakobus und Johannes bittet Jesus darum, dass ihre Söhne in seinem Reich an seiner Seite sitzen dürfen – einer zu seiner Rechten und einer zu seiner Linken.
Im Bundestag sitzt Vizekanzler Lars Klingbeil neben Bundeskanzler Friedrich Merz, da er die Nummer zwei in der Bundesregierung ist.
Mit anderen Worten: Die Mutter von Jakobus und Johannes bittet Jesus um die höchsten Positionen für ihre Kinder. Natürlich möchte sie jedoch nicht, dass ihre Kinder große Mühsal ertragen müssen; vielmehr wünscht sie sich, dass sie nur Ruhm und Ehre erfahren. Das gilt nicht nur für sie; jede Mutter wünscht sich Erfolg und Ruhm für ihre Kinder, nicht jedoch große Schwierigkeiten oder Leid.
Jesus antwortet ihnen: „Ihr wisst nicht, worum ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?“ Mit dem Ausdruck „den Kelch trinken“ meint Jesus, „großes Leid zu ertragen“, wie zum Beispiel den Tod. Die beiden Jünger und ihre Mutter verstehen es jedoch so, als ginge es darum, „Wein zu trinken, um eine Ehrenstellung zu feiern“. Deshalb antworten alle drei: „Ja!“ Daraufhin sagt Jesus zu ihnen: „Ihr werdet meinen Kelch trinken, aber es steht mir nicht zu, zu entscheiden, wer zu meiner Rechten und zu meiner Linken sitzt.“ Er sagt nicht: „Petrus ist mein wichtigster Jünger und wird zu meiner Rechten sitzen. Jakobus und Johannes können zu meiner Linken sitzen.“
Nein! Er sagt überhaupt nicht, wer wo sitzen wird, denn das bestimmt Gott. Jesus möchte ihnen sagen, dass sie sich keine Gedanken über einen Ehrenplatz machen sollen. Stattdessen sollten sie sich darauf konzentrieren, Gott und ihren Mitmenschen demütig zu dienen. Denn wer anderen gerne dient, ist ein wahrhaft großer Mensch.
Weltlich gesinnte Menschen haben kaum den Wunsch, anderen zu dienen; stattdessen sind sie sehr daran interessiert, dass ihnen von anderen gedient wird.
Jesus sagte einmal, dass die Menschen im Himmelreich wie die Engel sein werden (Matthäus 22,30). Das bedeutet, dass wir dort völlig frei von Selbstsucht sein werden und jeder von uns Gott und seinen Mitmenschen mit Freude dienen wird. Aufgrund dieser Abwesenheit von Egoismus ist das Himmelreich wahrlich ein Paradies.
Jesus lehrt uns, dass wahre Größe demjenigen zukommt, der demütig ist und anderen von Herzen dient. Wer hingegen lieber von anderen bedient werden möchte, ist klein. Die Haltung Jesu steht im Gegensatz zur weltlichen Denkweise. Wer sich diese göttliche Haltung wahrhaft zu eigen macht, fragt nicht mehr danach, wer im Himmelreich der Größte ist; stattdessen kann man die Glückseligkeit des Reiches schon hier und jetzt genießen.
Jesus sagt, dass Jakobus und Johannes seinen Kelch trinken werden. Damit meint Jesus, dass die beiden um des Evangeliums willen leiden und sogar sterben werden. Tatsächlich stirbt Jakobus als Märtyrer (Apostelgeschichte 12,2), und Johannes wird im Alter auf die Insel Patmos verbannt (Offenbarung 1,9).
B. Die Empörung der Jünger (24–28)
Wie reagieren die anderen zehn Jünger, als sie von der Bitte des Jakobus und Johannes hören? Sie sind empört über die beiden Brüder. Warum? Weil jeder von ihnen glaubt, er sei größer als die anderen.
Dann ruft Jesus alle Jünger zu sich und sagt: „Ihr wisst, dass weltliche Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen sie ausbeuten. So soll es aber unter euch nicht sein. Vielmehr soll jeder, der unter euch groß sein will, euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein – so wie auch der Menschensohn nicht gekommen ist, sich dienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben.“ (25–28)
In der Welt ist es üblich, dass die Starken über die Schwachen herrschen und sie dazu zwingen, ihnen zu dienen.
Die Jünger Jesu sollen jedoch nicht der Welt nacheifern, sondern Jesus. Jesus ist Gott. Dennoch erniedrigte Er sich und kam als Mensch in die Welt, um uns zu dienen und Sein Leben als Lösegeld hinzugeben.
Genau das lehrt uns Jesus: „Wer unter euch der Erste sein will, muss den anderen dienen.“
Wer groß sein möchte, soll anderen nicht befehlen, Dinge für ihn zu tun, sondern ihnen vielmehr dienen und für sie da sein. Das ist eine christliche Revolution. Es ist eine völlige Umkehrung weltlicher Maßstäbe.
Die Welt bringt denjenigen große Wertschätzung entgegen, die über riesige Menschenmengen gebieten – etwa den Regierungschefs bedeutender Nationen wie dem US-Präsidenten, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas oder dem russischen Präsidenten. Mächtige Persönlichkeiten werden weltweit respektiert, bewundert und gefürchtet. Wohlhabende Menschen streben unablässig danach, noch reicher zu werden. Andere erlangen Ruhm durch ihre Musik oder Kunst. Somit schätzt die Welt Menschen, die Macht, Reichtum oder Berühmtheit besitzen.
Für Jesus Christus ist all dies bedeutungslos und unwichtig. Jesus schätzt diejenigen, die Gott und anderen Menschen bereitwillig dienen. Die Welt misst Tätigkeiten wie Kochen, Wäschewaschen oder Kinderbetreuung wenig Wert bei; stattdessen stehen prestigeträchtige Karrieren hoch im Kurs. Deshalb ziehen es junge Menschen oft vor, eine Karriere zu verfolgen, anstatt Kinder großzuziehen.
Doch Jesus sagt, dass derjenige, der anderen dient, wahrhaft groß ist. Daher sind Mütter, die Kinder großziehen und für ihre Familien kochen, in Gottes Augen wahrhaft große Menschen. In unserer Familie war Esther ein großartiger Mensch, weil sie zwei Kinder großgezogen und ihnen – sowie mir – durch Kochen und Wäschewaschen gedient hatte.
In der Gemeinde gebührt Größe nicht dem Prediger, sondern jenen, die anderen bereitwillig dienen, indem sie kochen, putzen, mit anpacken oder beten. Wenn wir uns die Lehre Jesu zu Herzen nehmen, finden wir einen tiefen Sinn in unserem Leben und können voller Freude leben.
Jesus Christus kam nicht in die Welt, um auf einem Thron zu sitzen und den Menschen zu befehlen. Vielmehr kam Er, um für unsere Sünden am Kreuz zu sterben. Die Juden hofften auf einen Messias, der wie ein brüllender Löwe sein würde. Doch Jesus kam als das Lamm Gottes. Sein Tod am Kreuz ließ all ihre Hoffnungen auf einen Messias der Macht und Herrlichkeit zunichtewerden. Sein Tod am Kreuz ist jedoch eine Botschaft der Erlösung für alle, die an Ihn als das Opferlamm glauben. Jesus Christus selbst sagt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben“ (28).
Bevor wir an Jesus Christus glaubten, lebten wir unter der Macht des Todes, da wir durch unsere Sünden Tod und Verdammnis über uns gebracht hatten. Doch Gott sei Dank hat Jesus sein Leben für unsere Sünden geopfert und sie alle hinweggenommen. Auf diese Weise haben wir Gottes Vergebung und das ewige Leben empfangen. Deshalb leben wir nicht mehr unter der Macht des Todes, sondern unter der Herrschaft Gottes. Und wir werden in das Himmelreich eingehen und bei Gott sein.
Da wir durch das Dienen Christi und sein Selbstopfer erlöst sind, sollen wir eine weltliche Denkweise ablegen, eine gottgefällige Gesinnung einnehmen und ein Leben der Dankbarkeit und des Dienstes an Gott und unseren Mitmenschen führen. Wir sollen auf den Wunsch verzichten, über andere zu herrschen, und stattdessen Gott und unseren Mitmenschen freudig dienen. Gott wird daran Gefallen finden und uns reichlich segnen. Und wo auch immer wir sein mögen, dort wird ein Paradies sein.
3. Die Heilung zweier Blinder in Jericho (29–33)
Als Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem durch Jericho zieht, folgt ihm eine große Menschenmenge. Dort sitzen zwei Blinde am Wegesrand. Als sie hören, dass Jesus vorbeikommt, rufen sie: „Ach Herr, Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns!“
„Sohn Davids“ ist ein Titel für den Messias. Die Menge weist die beiden Männer zurecht: „Seid still und schweigt!“
Doch die beiden glauben fest daran, dass Jesus der verheißene Messias ist und die Macht hat, sie zu heilen. Deshalb wollen sie diese einzigartige Gelegenheit zur Heilung nicht verpassen.
Sie rufen noch lauter: „Ach, Herr, Sohn Davids, erbarme dich unser!“
Jesus ist barmherzig und überhört niemals ein Flehen um Hilfe. Obwohl er genau weiß, dass ihn der Tod am Kreuz in Jerusalem erwartet, empfindet er tiefes Mitgefühl für Menschen in Not.
Er bleibt stehen, ruft die beiden Männer zu sich und fragt sie: „Was wollt ihr, dass ich für euch tun soll?“
Unser Jesus kennt ihren Wunsch. Dennoch bittet er sie, ihn auszusprechen. Unser Herr möchte, dass wir ihm unsere persönlichen Wünsche sagen.
Die beiden Blinden antworten: „Herr, dass unsere Augen aufgetan werden!“ Jesus hat Mitleid mit ihnen und berührt ihre Augen. Sofort können sie wieder sehen. Und die Geheilten folgen ihm.
Das gesegnete Leben des Dienens
Wir neigen leicht dazu, uns von anderen bedienen zu lassen. Doch wahres Glück finden wir, wenn wir anderen mit Freude dienen. Wir sollen den Segen des Dienens annehmen. Wir sollen uns daran erinnern, dass wir durch die Hingabe unserer Eltern geboren, genährt und großgezogen wurden; ohne ihren Dienst wären wir heute nicht hier. Wir sollen auch über die Hingabe Christi nachdenken; ohne sein Opfer am Kreuz hätten wir weder Vergebung noch ewiges Leben noch das Himmelreich. Wir sollen Christus für seine Hingabe danken. Mit dankbarem Herzen sollten wir uns liebevoll um unsere Kinder kümmern.
Mit einem Herzen, das für die Gnade Christi dankbar ist, sollen wir anderen freudig dienen, damit sie Kinder Gottes werden und geistlich wachsen können.
Ein dienendes Leben bringt uns oft Schwierigkeiten mit sich. Doch wenn wir uns an die Hingabe unserer Eltern und an den Opfertod Christi erinnern, können wir anderen mit dankbarem Herzen dienen und ein freudvolles Leben führen. Amen!
[1] http://www.jesus-story.net/images/map_jc_10.JPG
[2] http://www.cgg-online.de/GebaerdenlexikonNeu/images/Geographie/Jordan_small.jpg
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