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10.9.2026
Leitverse 10-13: „Als Jesus das merkte, sprach er zu ihnen: Was betrübt ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. Dass sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein Begräbnis getan. Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.“
In den Kapiteln 26 bis 28 schildert das Matthäusevangelium die Gefangennahme, den Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu. Die Salbung Jesu, die Feier des Abendmahls und das Gebet im Garten Gethsemane fanden kurz vor seiner Gefangennahme statt.
Heute betrachten wir die Salbung durch eine Frau aus Betanien und den Verrat durch Judas. Wir werden darüber nachdenken, wem wir ähnlich sein wollen: der Frau aus Betanien oder Judas Iskariot.
1. Der Plan der Hohenpriester und Ältesten (1-5)
Nachdem Jesus seine Rede beendet hatte, sagte er zu seinen Jüngern: „Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Passafest stattfindet, und der Menschensohn wird überantwortet werden, dass er gekreuzigt werde“ (2).
Jesus sagt, dass er am Karfreitag am Kreuz getötet wird. Er wird begraben werden und am Ostersonntag von den Toten auferstehen.
Ich werde kurz den Ursprung des israelitischen Passafestes beschreiben. Die Israeliten verließen Ägypten im Jahr 1445 v. Chr., nachdem sie zuvor – gemäß dem jüdischen Mondkalender – das Passahfest am 14. Nisan gefeiert hatten. Der Nisan war der erste Monat des Jahres und entspricht im heutigen Kalender etwa dem Monat April. Es war Gottes Wille, dass Christus zur Zeit des Passahfestes als das wahre Passahlamm sterben sollte.
Die Hohepriester und die Ältesten versammeln sich im Haus des amtierenden Hohepriesters Josef Kaiphas und beraten darüber, wie sie Jesus mit List festnehmen und töten könnten.
Früher war das Amt des Hohepriesters erblich und wurde auf Lebenszeit ausgeübt. Als Palästina Teil der römischen Provinz Syrien wurde, wechselten die Hohepriester in rascher Folge, da die Römer sie nach Belieben ernannten und absetzten. Infolgedessen gab es zwischen 37 v. Chr. und 67 n. Chr. (vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels) nicht weniger als 28 Hohepriester. Im Durchschnitt bekleidete ein Hohepriester das Amt nur vier Jahre lang. Kaiphas jedoch verstand es so geschickt, sein Amt zu führen, dass er 18 Jahre lang (von 18 bis 36 n. Chr.) Hohepriester blieb.
Die Zahl der Juden, die am Passafest teilnahmen, wurde auf etwa 2,75 Millionen geschätzt (<Der Jüdische Krieg> 6.9.3). Während der großen jüdischen Feste stationierten die Römer routinemäßig Truppen in Jerusalem, um mögliche Unruhen zu unterdrücken. Eine Festnahme Jesu an einem Feiertag hätte einen Volksaufstand auslösen können; in diesem Fall wäre Kaiphas mit ziemlicher Sicherheit seines Amtes enthoben worden. Aus diesem Grund sprach sich Kaiphas dagegen aus, Jesus während dieser Feste festzunehmen und zu kreuzigen (5).
Der Mensch denkt, doch Gott lenkt! Auch wenn es nicht in der Absicht des Kaiphas lag, so hatte Gott doch bestimmt, dass Jesus in jenen Tagen sterben und begraben werden sollte. Niemand kann Gottes Plan vereiteln. Es ist Gottes Wille, dass Jesus als das wahre Passalamm für die Sünden der Menschen stirbt und von den Toten aufersteht.
Wir kennen die Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten. Damals waren die Israeliten Sklaven in Ägypten. Obwohl Gott die Ägypter mit neun verschiedenen Plagen geschlagen hatte, weigerte sich der Pharao, die Israeliten freizulassen. Daraufhin wies Gott die Israeliten an, ihre Türpfosten mit dem Blut eines Lammes zu bestreichen. Gott sandte seinen Engel aus, um alle Erstgeborenen zu töten. Als der Engel das Blut an den Türpfosten der Israeliten sah, verschonte er sie. Da die Ägypter ihre Türpfosten jedoch nicht mit Blut bestrichen hatten, tötete der Engel alle Erstgeborenen der Ägypter. Der Pharao geriet in Panik und erlaubte den Israeliten sofort, Ägypten zu verlassen. Zum Gedenken an diese Befreiung feierten die Israeliten das Passafest am vierzehnten Tag des ersten Monats des Jahres – dem Tag des Vollmonds nach dem jüdischen Mondkalender.
Jesus Christus kam, um das wahre Passalamm zu werden und alle Menschen vom Fluch der Sünde zu befreien.
Im Alten Testament spielte das Tieropfer eine zentrale Rolle in der Beziehung zwischen dem heiligen Gott und der Menschheit; das Opfertier musste geschlachtet und sein Blut versprengt werden, um Sühne für den Menschen zu erwirken, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebräer 9,22).
Deswegen sagt Apostel Petrus: „Ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Weise eurer Väter, dass wir mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes erlöst sind“ (1. Petr 1,19).
Wir alle haben gesündigt und verdienen Gottes Gericht. Wer also Vergebung der Sünden und Rettung vor dem Zorngericht erfahren möchte, muss an das für ihn vergossene Blut Christi glauben. Durch die Kraft des Heiligen Geistes hat uns Jesus Christus inwendig mit seinem Blut besprengt (1. Petrus 1,2).
Auf diese Weise werden alle unsere Sünden durch das Blut Christi abgewaschen. Für diejenigen jedoch, die diese Gnade nicht annehmen, gibt es keine Möglichkeit der Vergebung. Deshalb sagt der Apostel Petrus in Apostelgeschichte 4,12: „In keinem anderen ist das Heil zu finden; denn es gibt keinen anderen Namen unter dem Himmel, der den Menschen gegeben ist, durch den wir gerettet werden.“
2. Die Salbung in Betanien (6–13)
Während Jesus in Betanien im Haus eines Aussätzigen namens Simon zu Gast war, trat eine Frau mit einem Gefäß voll kostbarem Salböl an ihn heran und goss es über sein Haupt, als er bei Tisch saß. Als die Jünger dies sahen, waren sie unwillig. Sowohl Markus als auch Johannes berichten, dass die Jünger sagten, das Parfüm hätte für mehr als dreihundert Silberdenare verkauft werden können (Markus 14,5; Johannes 12,5). Denn bei diesem Nardenöl handelte es sich um ein hochgeschätztes, aus Indien importiertes Öl; es war so viel wert wie das gesamte Jahreseinkommen eines Tagelöhners. Ein solch kostbares Geschenk machte diese Frau Jesus.
Aus dieser Geschichte erkennen wir, dass ein menschlicher Maßstab für den Wert der Dinge nicht immer der richtige ist. Die Stimme unserer Vernunft würde sagen: „Welch eine Verschwendung!“ Aus menschlicher Sicht ist das zweifellos wahr. Doch Welten liegen zwischen der Ökonomie der menschlichen Vernunft und der Ökonomie der Liebe. Während die Vernunft den Geboten des Verstandes folgt, folgt die Liebe den Geboten des Herzens.
Als ich etwa zehn Jahre alt war, verliebte sich mein Bruder in die älteste Tochter des Müllers in unserem Dorf. Damals war es selten, dass sich ein Dorfjunge in ein Mädchen verliebte und sie heiratete. Dennoch half mein Bruder dem Müller Tag und Nacht bei der Arbeit – natürlich ohne Bezahlung. Ich bewunderte damals seine Hingabe für die Familie des Nachbarn. Schließlich durfte er die Tochter des Müllers heiraten.
Wer wahrhaft liebt, rechnet nicht. Er überlegt nicht bewusst, wie wenig er geben kann, ohne dem geliebten Menschen gegenüber unvernünftig zu wirken. Wer wahrhaft liebt, hat nur einen Wunsch: alles zu geben, was er kann. Und selbst dann spürt er, dass es nicht genug ist. Wer meint, es genüge, nur das zu geben, was Christus und seiner Kirche angemessen erscheint, ist noch weit davon entfernt, Jesus von ganzem Herzen zu lieben.
Die Jünger sahen, wie die Frau ihr Nardenöl über das Haupt Jesu goss, während er bei Tisch lag. Da sagten die Jünger: „Wozu diese Verschwendung? Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können.“
Wie antwortet Jesus seinen Jüngern?
Er sagt zu ihnen: „Warum betrübt ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer. Indem sie das Öl auf meinen Leib goss, hat sie dies für mein Begräbnis getan. Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium in der ganzen Welt verkündet wird, wird man auch von dem erzählen, was sie getan hat – zu ihrem Gedächtnis“ (10–13).
Wir wissen nicht, ob die Frau begriff, dass Jesus für die Sünden der Menschheit sterben sollte. Doch in ihrer Salbung erkennt Jesus die liebevolle Hand Gottes und sagt: „Sie hat das Öl auf meinen Leib gegossen für mein Begräbnis!“
Jesus nimmt die Salbung durch die Frau als Vorbereitung auf sein Begräbnis an und würdigt ihre Tat ausdrücklich. Zudem erklärt er: „Wo immer dieses Evangelium in der ganzen Welt verkündet wird, wird man auch von dem erzählen, was sie getan hat – zu ihrem Gedenken“ (13).
Wenn wir über ihre Salbung Jesu nachdenken, können wir etwas über Jesu Tod sagen – und über die hohe Wertschätzung, die er der Hingabe dieser Frau entgegenbrachte.
Erstens: Jesus stirbt als Gottes Opferlamm für die Sünden aller Menschen.
Warum geht Jesus dem Tod nicht aus dem Weg, obwohl er genau weiß, dass die Hohepriester ihn töten wollen? Sollte er nicht fliehen? Nein! Er flieht nicht, denn er will Gottes Willen erfüllen und als Opferlamm sterben. Gott will, dass Jesus für die Sünden der Menschheit stirbt. Er hat vor, Jesus als sein Lamm für die Sünden der Menschheit zu opfern, ganz so, wie Johannes der Täufer es bei der Taufe Jesu verkündet hat: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt hinwegträgt!“ (Johannes 1,29).
Jesus kam deshalb eigens zum Passahfest nach Jerusalem, um als Gottes Passahlamm zu sterben. Als er sieht, wie die Frau ihn salbt, erkennt er, dass Gott sie dazu gebraucht, ihn auf seinen Tod und sein Begräbnis vorzubereiten und ihn dafür zu salben.
Denn Jesus stirbt für unsere Sünden, wird begraben und ersteht am dritten Tag von den Toten auf, wie es in 1. Korinther 15,3–5 heißt: „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“
Wir sollen begreifen, dass Jesus für unsere Sünden gestorben und von den Toten auferstanden ist. Er ist somit Gottes Opferlamm – für mich, für dich und für alle Menschen. Es ist unfassbar und doch wahr, dass Gott uns so sehr geliebt hat, dass Er Seinen Sohn, Jesus Christus, zu unserer Erlösung hingegeben hat. Durch dieses große göttliche Opfer sind wir von der Last aller Sünde befreit! Und unsere Herzen sind tief berührt von Gottes Liebe. Darum sind wir erfüllt von Freude und Dankbarkeit.
Jeder Mensch stirbt irgendwann, wie die Bibel sagt: „Jeder Mensch muss einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht“ (Hebräer 9,27).
Nach dem leiblichen Tod muss sich also jeder vor Gottes Gericht verantworten. Leider haben alle Menschen gesündigt. Würden wir ohne Jesus vor dem göttlichen Gericht stehen, hätten wir keine Chance, für unschuldig erklärt zu werden. Doch nun haben wir die wunderbare Möglichkeit, Gottes Gericht zu entgehen, weil Jesus Christus für unsere Schuld gestorben, begraben worden und von den Toten auferstanden ist. Jesus hat Gottes Strafe bereits an unserer Stelle auf sich genommen. Durch den Glauben an Jesu Opfertod können wir daher von der Sünde erlöst werden. Kurz gesagt: Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung dienen unserer Erlösung.
Deshalb sagt Jesus zu uns: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen“ (Joh 5,24).
Auf der Grundlage dieses Evangeliums können wir sagen: „Auch wenn ich durch das finstere Tal wanderte, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir; dein Stock und dein Stab trösten mich“ (Ps 23,4).
Und: „Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ (Röm. 8,37–38).
Zweitens: Jesus schätzt unsere Hingabe für das Evangelium sehr.
Die Frau gießt ihr teures Nardenöl auf Jesu Haupt. Die Jünger kritisieren ihre Tat als Verschwendung. Sie kennen die Notwendigkeit der humanitären Hilfe gut. Leider kennen sie den Wert der Hingabe für das Evangelium nicht. Sie kennen nur die sichtbare Welt, aber keine unsichtbare, geistliche Welt.
Da erklärt Jesus ihnen: „Was betrübt ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. Dass sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein Begräbnis getan. Wahrlich ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat“ (10-13).
Jesus erklärt seinen Jüngern, dass ihre Salbung ihre Hingabe an sein Begräbnis und an das Evangelium bedeutet. Damit lehrt er uns, dass die Hingabe für das Evangelium von unschätzbarem Wert ist. Natürlich schätzt Jesus auch die humanitäre Hilfe für Bedürftige sehr. Doch letztlich ist er nicht als „Brotkönig“ gekommen, sondern als der Erlöser von der Macht der Sünde und des Todes.
Jesus schätzt die Hingabe sehr, die jene bringen, die sich der Verbreitung des Evangeliums widmen. Die Verbreitung des Evangeliums macht uns nicht zwangsläufig materiell reich; wer wirklich wohlhabend werden möchte, sollte sich geschäftlich betätigen oder Unternehmensanteile erwerben. Natürlich ist es auch uns erlaubt, reich zu werden.
Durch die Verbreitung des Evangeliums können wir jedoch in geistlicher Hinsicht reich werden. Wir sollten uns bewusst machen, dass der Glaube an das Evangelium uns in geistlicher Hinsicht zu Millionären gemacht hat, denn wir haben das ewige Leben und das Reich Gottes empfangen. In Jesus Christus sind wir wahrhaft reich! Und das ist noch nicht alles: Indem wir das Evangelium weitergeben, können wir auch andere reich machen.
Es mag sein, dass sich manche für das Evangelium hingegeben haben und deshalb verhältnismäßig arm sind. In den Augen vieler erscheinen solche Menschen töricht. Doch unser Gott achtet sie hoch, denn sie sind Kinder Gottes und Erben des Reiches Gottes. Deshalb sollten wir nicht den Mut verlieren, sondern vielmehr furchtlos für das Evangelium wirken.
3. Der Verrat des Judas (14–16)
Matthäus stellt uns einen der Zwölf vor, dem Geld wichtiger ist als himmlische Schätze. Judas Iskariot geht zu den Hohepriestern und vereinbart, Jesus für dreißig Silberstücke zu verraten. Dreißig Silberstücke entsprechen etwa dem Monatslohn eines Tagelöhners. Sein Verrat steht in scharfem Kontrast zur Hingabe einer Frau. Sie goss kostbares Nardenöl – im Wert von etwa 300 Silberstücken – vollständig über das Haupt Jesu und salbte ihn. Judas Iskariot hingegen verkaufte Jesus für 30 Silberstücke!
Wie sollen wir uns gegenüber Jesus verhalten?
Wie sollen wir uns gegenüber Jesus verhalten? Sollen wir ihn für 30 Silberstücke verraten? Oder sollen wir unsere 300 Silberstücke Jesus widmen und ihn lieben?
Wir müssen uns davor hüten, uns von der Geldliebe blenden zu lassen! Stattdessen sollen wir Jesus Christus als Gottes Sohn und Christus annehmen und ihn von Herzen lieben. Mit dankbarem Herzen sollen wir uns der Verkündigung des Evangeliums widmen. Gott segnet unseren Einsatz. Amen!
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