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18.10.2026
Römer 1,1-17 Leitverse 5a: „Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt.“ 16: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht (bzw. rettet) alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“
Wir leben in einer Welt, die von einer leistungsorientierten Denkweise geprägt ist. Nach der Befreiung der osteuropäischen Länder vom Kommunismus erlebten die Menschen dort eine Zeit viel Stress, da sie sich an eine kapitalistische Welt anpassen mussten, die großen Wert auf Leistung legt.
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, das christliche Leben sei lediglich eine Fortsetzung einer leistungsorientierten Existenz; folglich führen sie ein stressiges Glaubensleben. Doch das Herzstück des Evangeliums ist die Gnade Gottes. Denn Jesus Christus starb für unsere Sünden und ist von den Toten auferstanden, um uns von der schweren Last des Leistungsdrucks zu befreien und uns Vergebung sowie ewiges Leben zu schenken.
Heute wollen wir die durch das Evangelium offenbarte Gnade Gottes verstehen und dankbar annehmen. Dadurch wollen wir ein Leben voller Dankbarkeit und Freude führen.
Gnade – Die Kraft des Evangeliums (1–7)
Zu Beginn seines Briefes grüßt Paulus die Empfänger:
„Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes“ (1).
Er bezeichnet sich selbst als „Knecht“ Christi, berufen zum „Apostel“ Apostel bedeutet wörtlich „Bote“ oder „Gesandter.“ Paulus arbeitet als Diener Christi und folgt dessen Willen als sein Bote. Als Diener Christi ist es Paulus’ Ziel, das Evangelium zu verkündigen.
Das Evangelium ist eine frohe Botschaft, die den Menschen Vergebung, ewiges Leben und Himmelreich anbietet. Es erfüllt die Verheißungen Gottes aus dem Alten Testament. Die zentrale Gestalt des Evangeliums ist Jesus Christus. Er wurde als Nachkomme Davids und Abrahams geboren; seine Empfängnis erfolgte jedoch nicht auf biologischem Wege durch Josef, sondern durch den Heiligen Geist. Weil Jesus durch den Heiligen Geist von Gott gezeugt wurde, wird er als Sohn Gottes (2–4) oder als Mensch gewordener Gott (Johannes 1,14) bezeichnet.
In Vers 5 sagt Paulus über Gnade und Amt, die er von Gott empfangen hat: „Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden, zu denen auch ihr von Jesus Christus berufen seid“ (5).
Welche Gnade hat er empfangen? Eigentlich war er ein Sünder und ein Feind Gottes gewesen, denn er hatte nicht an Christus geglaubt, sondern die Christen verfolgt. Doch Christus liebte ihn und erwies ihm Gnade, indem Er ihm erschien, ihm seine Schuld vergab und ihn zu einem Kind Gottes machte. Dies war eine wunderbare Gnade Gottes. Christus vergab einem Sünder – ja, sogar Seinem Feind – all seine Schuld und rettete ihn von Verdammnis und Hölle. Aus Gnade machte Jesus Christus ihn zu einem Kind Gottes und schenkte ihm das ewige Leben und das Himmelreich gratis.
Der Herr berief diesen Paulus zu Seinem Boten des Evangeliums, denn Christus möchte alle Menschen retten und sie zu Kindern Gottes machen. Aus Dankbarkeit und Freude nahm Paulus diese Gnade und den Auftrag an.
Die Erlösung ist eine wunderbare Gnade Gottes. Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat dafür Sein Leben geopfert. Wir sind zutiefst dankbar.
Gott möchte auch andere retten und sie zu Seinen Kindern machen. Gott will, dass wir die Frohe Botschaft aus dankbarem Herzen mit anderen teilen.
Paulus schrieb in Vers 5 nicht, dass er „Apostelamt und Gnade“ empfangen hatte, sondern „Gnade und Apostelamt.“
Das bedeutet, dass er zunächst Gottes Gnade der Vergebung und der Rettung empfing – und damit die göttliche Berufung, ein Bote des Evangeliums zu sein. Ohne die Gnade des Heils kann niemand ein Bote des Evangeliums werden.
Im Laufe unseres Lebens als Christen erleben wir bisweilen Unzufriedenheit oder Entmutigung. Manchmal verlieren wir den Mut, weil wir göttliche Aufgabe nicht erfüllen.
In solchen Augenblicken sollen wir uns der Gnade Gottes zuwenden. Einst waren wir Fremde, Ungläubige und Sünder. Ohne Gottes Gnade hätte unser Leben in Verdammnis und Hölle geendet. Doch Jesus Christus hat sein Leben geopfert, um uns vor der Verdammnis zu retten; er hat uns zu Kindern Gottes gemacht und führt uns sicher zur himmlischen Glückseligkeit. So können wir wieder Freude und Glück finden. Aus diesem Zustand der Glückseligkeit heraus können wir anderen helfen, das Evangelium anzunehmen und glücklich zu werden.
Dankgebet (8-15)
Paulus sagt in Vers 8: „Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle, dass man von eurem Glauben in aller Welt spricht.“
Vor allem dankt er dafür, dass Menschen in aller Welt durch das Evangelium von der Sünde und der Macht des Todes befreit werden und Kinder Gottes werden. Sein Leben ist somit von Dankbarkeit geprägt.
Paulus erklärt, dass er nach Rom kommen und das Evangelium verkünden möchte, weil er allen Menschen verpflichtet ist – Gebildeten und Ungebildeten gleichermaßen (13–15).
Warum ist er ein Schuldner? – Er war früher ein Ungläubiger und ein Verfolger von Christen. Er war von Gott zur Verdammnis bestimmt. Doch Jesus Christus vergab ihm, rettete ihn und nahm ihn als Kind Gottes an. Deshalb erkennt Paulus, dass er allen Menschen etwas schuldet, und zwar aufgrund der Gnade Gottes. Aus diesem Grund möchte er die empfangene Gnade mit so vielen Menschen wie möglich teilen.
Bevor ich zum Glauben an das Evangelium fand, verfiel ich ab und zu dem Nihilismus bei dem Gedanken, dass ich eines Tages sterben müsste. Als ich während meines ersten Studienjahres in Korea zum Glauben an das Evangelium kam, war ich erfüllt von der Freude über Gottes Erlösung; der Campus erschien mir wie ein Paradies. Von dieser Freude erfüllt, begann ich, Studenten zu Bibelstunden und zum Glauben an das Evangelium einzuladen. Am 1. Januar 1978 kam ich als Doktorand nach Deutschland, um gemeinsam mit meiner Frau das Evangelium an Studenten und andere Menschen weiterzugeben. Nach Abschluss meiner Promotion widmete ich mich der Verkündigung des Evangeliums. Später übergab ich den Predigtdienst an Andreas, einen Deutschen – und verbreite das Evangelium durch Online.
Evangelium und Glaube (16-17)
Paulus möchte das Evangelium allen Menschen der Welt bekannt machen. Er begründet dies wie folgt:
Der Vers 16 lautet:
„Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“
Das griechische Wort, das in der Lutherbibel mit „selig machen“ übersetzt ist, kann man als „retten“ oder „selig machen“ wiedergeben.
Gott rettet uns durch das Evangelium von Sünde und Verdammnis und macht uns als Kinder Gottes selig. Somit ist das Evangelium die einzige Kraft Gottes, die uns von der Verdammnis retten und uns ein ewiges, seliges Leben schenken kann.
Die Menschen sehen sich einer Vielzahl von Problemen gegenüber – z. B. in den Bereichen Bildung, Arbeit, Ehe, Hunger, Krankheit und Krieg. Doch das größte Problem der Menschheit ist der Tod. Aufgeklärte Menschen behaupten, der Tod sei lediglich die Auflösung des menschlichen Körpers. Trotz dieser Ansicht sprechen die Menschen nur ungern über den Tod, da der Tod oft mit düsteren Gedanken verbunden ist. Der Tod ist jedoch nicht bloß die Auflösung des Körpers; er ist der Übergang zum göttlichen Gericht. Nach diesem Gericht erlangt man entweder die ewige Glückseligkeit bei Gott oder erleidet die Verdammnis in der Hölle. Wir benötigen Gottes Hilfe, um der Verdammnis zu entgehen und stattdessen in das Himmelreich einzugehen. Das Evangelium ist Gottes sicherer Weg zum Heil. Wenn wir unsere Schuld bekennen und an das Evangelium glauben, vergibt Gott uns alle Sünden, nimmt uns als seine Kinder herzlich an, schenkt uns ewiges Leben und heißt uns im Himmelreich willkommen. Dies ist eine wunderbare Gnade Gottes.
Deswegen sagt Jesus in Johannes 5,24:
„Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“
Wie können wir Vergebung und ewiges Leben empfangen und Gottes Kinder werden?
Darauf antworten die Verse 16-17: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht (bzw. rettet) alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: <Der Gerechte wird aus Glauben leben.>“
Zusammenfassend: Der Glaube an das Evangelium ist der gesegnete, ewige Lebensweg (16).
In dieser postmodernen Welt gibt es unzählige verschiedene Denkrichtungen.
Viele sagen: „Nach dem Tod gibt es nichts – weder Auferstehung noch göttliches Gericht. Lasst uns das Leben in vollen Zügen genießen!“
Andere sagen: „Wir müssen alle religiösen Gebote befolgen, um vor Gott bestehen und in das Himmelreich eingehen zu können.“
Die Bibel besagt jedoch, dass die Auferstehung und das Himmelreich Realitäten sind und dass wir durch den Glauben an Jesus Christus Vergebung erlangen, auferstehen und in das Himmelreich eingehen können.
Wir können nicht dadurch in das Himmelreich gelangen, dass wir religiöse Regeln befolgen. Warum? Weil kein Mensch in der Lage ist, Gottes Gesetze oder moralische Gebote vollkommen zu halten.
Nehmen wir zum Beispiel das zehnte der Zehn Gebote: „Du sollst nicht begehren.“ Gibt es Menschen, die noch nie Begehren verspürt haben?
Natürlich sagt die Bibel nicht, dass wir gesetzlos oder unmoralisch leben sollen.
Die Bibel lehrt uns, an das Evangelium zu glauben und aus Dankbarkeit für unsere Errettung zu leben. Das Evangelium verkündet Gottes Gnade, damit wir Vergebung empfangen, Kinder Gottes werden, das Himmelreich erben und ein glückliches Leben führen können. Zu diesem Zweck starb Jesus Christus für unsere Sünden am Kreuz und auferstand von den Toten für unsere Auferstehung. Wir werden nicht durch unsere guten Taten gerettet, sondern durch die Gnade Gottes.
John Wesley, der Gründer der methodistischen Kirche, hat z. B. diese Gnade entdeckt. Wesley versuchte zunächst, durch strenges Einhalten der christlichen Lebensregeln und soziale Wohltätigkeiten von Gott anerkannt zu werden, aber er fand keinen Seelenfrieden.
Am 24. Mai 1738 besuchte er eine kleine Versammlung in London. Da las jemand Martin Luthers Vorrede zum Römerbrief. Wesley schrieb dazu in seinem Tagebuch von seiner Erfahrung[1]:
"Ungefähr viertel vor neun Uhr, als man an der Stelle war, wo er (d. h. Martin Luther) seine Veränderung beschreibt, welche Gott durch den Glauben an Christus im Herzen wirkt, wurde es mir seltsam warm ums Herz. Ich fühlte, dass ich für die Erlösung auf Christus vertraute, auf Christus allein, und eine Gewissheit wurde mir gegeben, dass er meine Sünde weggenommen hat, sogar meine, und mich rettete von dem Gesetz der Sünde und des Todes."
Wenn wir das Evangelium dankbar annehmen, werden wir von der Sünde und von Gottes Gericht errettet. Wir sind Gottes Kinder und erlangen nach unserem leiblichen Tod das Himmelreich. Unsere Errettung ist allein ein Werk der Gnade. Deshalb sollen wir dankbar sein und das Evangelium mit anderen teilen.
Die Weltbevölkerung umfasst heute rund 8,3 Milliarden Menschen. Alle Menschen brauchen das Evangelium. Sie sind bereits unsere Brüder und Schwestern – oder sollen es noch werden. Wir sind dazu berufen, sowohl die Gläubigen als auch jene, die noch zum Glauben finden müssen, von ganzem Herzen zu lieben und Gottes Gnade mit ihnen zu teilen. Dies ist der Wille Gottes, der uns durch seine Gnade gerettet hat. Amen!
[1] http://www.deutschlandradiokultur.de/luther-und-die-wesley-brueder-ich-fuehlte-mein-herz-seltsam.1124.de.html?dram:article_id=347553
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