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28. Oktober 2026
Leitverse 19-20: „Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei, weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“
Jesus Christus hat gesagt: „Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten“ (Mk. 2,17).
Man könnte daraus schließen, dass es für ihn nicht nötig sei, an Jesus Christus zu glauben, weil er keine Sünde begangen hat.
Paulus weist jedoch darauf hin, dass es keinen einzigen Menschen gibt, der frei von Sünde ist; daher sind alle Menschen zwangsläufig auf das Evangelium angewiesen. Wir wollen heute diese Wahrheit erkennen und das Evangelium dankbar annehmen.
1. Fragen und Antworten zu Gottes Wegen (1-8)
Um der Frage nachzugehen, ob alle Menschen die Rettung durch das Evangelium benötigen, stellt Paulus mehrere Fragen und gibt die Antworten gleich selbst. Auf diese Weise verdeutlicht er, warum des Evangeliums für jeden Menschen notwendig ist.
Seine erste Frage lautet: „Was ist der Vorzug der Juden, oder was nützt die Beschneidung?“ (1).
Als Christen könnten uns fragen: „Welchen Vorzug hat es, Christ zu sein, und welchen Wert hat die Taufe?“
Wir müssen seine Antwort richtig verstehen. Das Wort „Vorzug“ impliziert im Allgemeinen einen Vorteil oder ein Vorrecht. Wenn jemand einen Vorteil hat, sind andere üblicherweise im Nachteil.
Was antwortet Paulus auf diese Frage?
Er antwortet: „Sehr viel in jeder Hinsicht! Zum ersten ist ihnen (und uns Christen auch) Gottes Wort anvertraut“ (2).
Wir sollen auf das Wort „anvertraut“ achten. Gott hat sowohl den Juden als auch uns Christen das Vorzug gewährt, das Evangelium zu empfangen – damit wir – Juden wie auch Menschen aus anderen Völkern – es dazu nutzen können, anderen zu dienen. Die Absicht dahinter ist, dass sowohl die Juden als auch wir Gottes Segen erfahren und das Evangelium auf glaubwürdige Weise an die Menschen der Welt weitergeben – damit möglichst viele Menschen Gottes Segen empfangen können.
Die Juden missverstanden jedoch Gottes Willen in Bezug auf diesen Vorzug; sie nahmen an, dass Gott nur sie liebte und sie deshalb zu seinem eigenen Volk auserwählt hätte.
Leider begehen wir Christen oft denselben Fehler wie die Juden und leben egoistisch. Bedauerlicherweise lieben wir uns häufig selbst mehr als unsere Mitmenschen, und wir messen Geld oder unserem Besitz einen höheren Wert bei als Gott. Aus diesem Grund werden manche als „Namenschristen“, „Papierchristen“ oder „Sonntagschristen“ bezeichnet.
Wir müssen uns jedoch bewusst machen, dass Gott uns und alle anderen Menschen gleich liebt – auch wenn wir es waren, die das Evangelium zuerst empfangen haben. Daher sollen wir unsere Mitmenschen als unsere eigenen Brüder und Schwestern lieben. Wir sollen Menschen höher schätzen als Geld oder weltliche Dinge und das Evangelium mit ihnen teilen.
Dies ist ein großer Vorzug für uns. Mit diesem Vorzug sollen wir dazu berufen, als Salz der Erde und Licht der Welt zu wirken. Als Salz der Erde sollen wir unseren Einfluss – als Kinder Gottes – dazu nutzen, unsere Mitmenschen vor moralischem und geistlichem Verfall zu bewahren. Und als Licht der Welt sollen wir unsere Umgebung mit der Freude des Evangeliums erhellen.
Nun stellt sich die zweite Frage: „Was denn? Wenn einige Gott die Treue gebrochen haben, wird etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben?“ (3).
Ich würde diese Frage wie folgt umformulieren: „Beweist unsere Ungerechtigkeit, dass Gott auch ungerecht ist?“
Darauf antwortet Paulus: „Keineswegs! Vielmehr bleibt Gott wahrhaftig; dagegen sind alle Menschen Lügner; wie es im Alten Testament steht: <Damit du Recht behältst mit deinen Worten und siegst davon, wenn man mit dir rechtet.>“ (4-5; vgl. Psalm 51,6).
Manche Menschen sagen, sie könnten nicht an Gott glauben – wegen des schlechten Verhaltens von Christen. Natürlich tragen wir Christen eine gewisse Mitschuld am Unglauben von Nichtchristen, und wir ziehen uns dafür ein entsprechendes göttliches Strafgericht zu. Dennoch können Nichtchristen ihre eigene Verantwortung für ihren Unglauben und ihre Sünde nicht auf uns abwälzen. Vor Gott bleibt jeder Einzelne persönlich für sein eigenes Handeln verantwortlich.
Die dritte Frage lautet: „Wenn aber unsere Ungerechtigkeit die Gerechtigkeit Gottes ins Licht stellt, was sagen wir dann? Ist Gott – ich frage sehr menschlich – nicht ungerecht, wenn er uns dann wegen unserer Sünde bestraft?“ (5).
Es stellt sich die Frage, ob Gott ungerecht ist – angesichts der Tatsache, dass Er unsere Ungerechtigkeit dazu nutzt, Seine eigene Gerechtigkeit hervorzuheben, uns dennoch aber bestraft.
Paulus aber antwortet darauf: „Keinesfalls! Denn wie könnte sonst Gott die Welt richten?“ (6).
Gott ist vollkommen gerecht, und Seine Gerechtigkeit bleibt selbst inmitten der Ungerechtigkeit der Menschen klar erkennbar. Weil Gott selbst vollkommen gerecht ist, kann Er über sündige Menschen richten.
Nun stellt man die vierte Frage: „Denn so die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seinem Preis, warum sollte ich denn noch als ein Sünder gerichtet werden?“ (7).
Manche Leute behaupten heute: "Je mehr ich sündige, desto mehr Gnade empfange ich." Dieser Logik folgend sündigen sie hemmungslos und nutzen die göttliche Gnade aus.
Darauf antwortet Paulus: „Gilt am Ende das, womit man uns verleumdet und was einige uns in den Mund legen: Lasst uns Böses tun, damit Gutes entsteht? Diese Leute werden mit Recht verurteilt“ (8).
Mit dieser Antwort macht uns Paulus deutlich, dass wir die Gnade Gottes nicht missbrauchen dürfen. Denn Gott verurteilt diejenigen, die seine Gnade bewusst als Gelegenheit nutzen, um noch mehr zu sündigen. Wir sollen die Gnade der Vergebung annehmen und – mit dankbarem Herzen – danach streben, nicht weiter zu sündigen.
Wie können wir Gott für seine Gnade dankbar bleiben und die Sünde meiden? Indem wir tief darüber nachdenken, was Gott für uns getan hat. Er opferte seinen Sohn, um uns zu erlösen. Wenn wir seine Gnade voll und ganz annehmen und dafür dankbar sind, wird uns ein dankbares Herz dazu bewegen, die Sünde zu meiden. Natürlich können wir niemals so vollkommen sein wie Christus; dennoch werden wir Jesu Wunsch stets freudig folgen und uns bemühen, uns immer gründlicher von der Sünde zu reinigen. Dies ist der Prozess unserer Heiligung. Deshalb beten wir: „Führe uns nicht in Versuchung …“
2. Alle Menschen sind schuldig (9-20)
Paulus hat bisher Nichtgläubigen (1,18-32) und Gläubigen (2,1 - 3,8) geprüft und ihre Sünde festgestellt. Er fragt nun: „Was sagen wir denn nun? Haben wir als Juden einen Vorzug?“ (9a).
Er selbst antwortet:
„Gar keinen. Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen“ (9b-10).
Die Zusammenfassung bisher durchgeführten Untersuchungen lautet: Alle Menschen sind Sünder und befinden sich in einer Notsituation, zur Hölle verdammt zu werden. und kein Mensch kann uns davon retten.
Unsere Taten, Worte und unser Trachten beweisen unsere Notsituation.
Über unsere Taten sagt Paulus:
„Alle haben sich von Gott abgewandt und sind dadurch für Gott unbrauchbar geworden. Da ist wirklich keiner, der Gutes tut, kein einziger“(12).
Und unsere Worte? Er sagt:
„Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie; und ihre Worte sind giftig. Ihr Mund ist voller Flüche und gemeiner Worte“ (13-14).
Und unsere Trachten? Er bezeugt:
„Sie sind schnell dabei, Blut zu vergießen; wo sie auftauchen, da entstehen Verwüstung und Elend. Den Weg zum Frieden kennen sie nicht, weil sie keine Gottesfurcht kennen.“
Paulus fasst seine bisherigen Beobachtungen in Versen 19-20 zusammen:
„Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei, weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor Gott gerecht werden kann. Denn durch das Gesetz kommt man zur Erkenntnis der Sünde.“
Durch das Gesetz können wir Sünde als Sünde erkennen (20), denn das Gesetz definiert, was falsch und was richtig ist. Das Gesetz selbst fehlt jedoch die Kraft, uns dabei zu helfen, das Gesetz einzuhalten. Tatsächlich wirkt das Gesetz oft als ein Anreiz, das Gesetz zu übertreten.
Die folgende Geschichte veranschaulicht dies:
Eine Mutter stellte gekauftes Eis in den Kühlschrank und sagte zu ihren Kindern: „Ihr dürft dieses Eis nicht essen. Davon werdet ihr dick.“ Doch ihr Verbot weckte den Appetit der Kinder nur noch mehr. Als die Mutter nicht da ist, können die Kinder der Versuchung des Eises nicht widerstehen.
Wir alle haben schon einmal gegen irgendein Gesetz verstoßen, und vor Gott haben wir keinerlei Entschuldigung vorzubringen. Folglich gibt es für uns leider keine Möglichkeit, aufgrund unserer eigenen Taten als gerecht anerkannt zu werden.
Warum hat Gott uns dann das Gesetz gegeben?
Es ist wichtig, dass wir die Rolle des Gesetzes richtig begreifen.
Durch das Gesetz will Gott uns als Erstes unsere Verlorenheit zeigen.
Wir sind sehr schnell dabei, Ausreden für unsere Schuld zu finden. Alle Menschen sind Meister dieser Kunst.
Vielleicht können wir unsere Sünde vor den Menschen verheimlichen, aber vor Gott nicht. Deswegen werden wir vor Gott unseren Mund verschließen und auf das gerechte Urteil Gottes warten.
Als Zweites beabsichtigt Gott, uns durch das Gesetz auf die Gnade Christi hinzuweisen.
Das Gesetz führt uns zur Erkenntnis unserer Sünde und unserer Verlorenheit. Doch Gott hat kein Verlangen danach, uns zu verdammen. Vielmehr hat er Freude daran, uns zu vergeben und uns als seine Kinder anzunehmen. Aus diesem Grund gebraucht Gott das Gesetz, um uns auf seine Gnade in Christus Jesus hinzuführen.
Indem wir unseren verlorenen Zustand im Lichte des Gesetzes erkennen und Gottes Gnadenangebot in Jesus Christus dankbar annehmen.
Die Bibel besteht nicht nur aus dem Alten Testament, sondern auch aus dem Neuen Testament. Das Alte Testament offenbart uns Gottes Gesetz und verheißt das Kommen Christi. Es zeigt uns, dass wir Sünder sind und dass wir auf den Christus warten sollen. Das Neue Testament offenbart das Kommen Christi und Gottes Gnade, damit wir durch Jesus Christus Vergebung empfangen und Kinder Gottes werden können.
Alle Menschen müssen eines Tages sterben und sich anschließend dem Gericht Gottes stellen (Hebräer 9,27). Sobald wir vor dem Gericht Gottes stehen, wird es zu spät sein, um noch Vergebung zu erlangen. Da Jesus Christus jedoch bereits gekommen ist, haben wir jetzt die wunderbare Gelegenheit, dem Gericht Gottes zu entgehen und Seine Gnade zu erfahren. Wir sollen die Wahrheit annehmen, dass Gott uns so sehr liebt, dass Er Seinen Sohn, Jesus Christus, für unsere Sünden geopfert hat. Wenn wir Jesus Christus als den Sohn Gottes und unseren Retter annehmen, vergibt uns Gott und heißt uns herzlich als Seine Kinder willkommen.
Deshalb sagt der Apostel Petrus:
„In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ (Apg. 4,12).
Nur Jesus Christus kann uns von der Sünde befreien und uns das ewige Leben sowie das Himmelreich schenken. Alles, was dazu nötig ist, sind Buße und der Glaube an Christus als unseren Retter und Sohn Gottes. Das ist Gottes frohe Botschaft für alle Menschen.
Deshalb sagt Paulus zu uns: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ (2. Korinther 6,2).
Nehmen wir Gottes Gnade gerade jetzt an und freuen wir uns darüber. Halleluja!
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