Text: Psalm 24,1 Thema: Gottes Schöpfung mit neuen Augen betrachten o Blick vom Mond Von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond, stammen die Worte: „Plötzlich wurde mir bewusst, dass diese winzige Erbse, so schön und blau, die Erde war. Ich hob meinen Daumen und schloss ein Auge, und mein Daumen löschte die Erde aus. Ich fühlte mich nicht wie ein Gigant. Ich fühlte mich sehr, sehr klein.“ So beschreibt Armstrong sein Staunen und sein Ergriffensein und sagt weiter: „Auf dem Mond zu stehen und auf die Erde zu sehen, ist ein fantastisches Erlebnis. Mich hat beeindruckt, wie schön die Erde ist. Aber auch, wie klein. Wie eine winzige Insel in einem unermesslichen Meer: Die einzige Insel, die für den Menschen bewohnbar ist. Nie zuvor ist mir so bewusst geworden, wie wichtig es ist, diese Insel bewohnbar zu erhalten, zu bewahren und zu beschützen - nicht vor fremden Angreifern, sondern vor uns selber, den Menschen.“ Gottes Schöpfung mit neuen Augen betrachten dazu gehört für Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond, Staunen und Ergriffenheit aber auch das Bewusstsein für die Gefährdung unseres Planeten. Die Erde vor uns selber, den Menschen zu schützen - das ist vielleicht auch die brisanteste Aussage in Psalm 24, der heute schon mehrfach anklang. o aus Sicht des Alten Testaments „Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und die ihn bewohnen“, so die Sicht Davids auf die Schöpfung Gottes. Dieser erste Vers ruft Gott zum Eigentümer der Erde aus, entsprechend jenem Wort, das Mose auf dem Sinai hörte: „Mein ist die ganze Erde!“ (2. Mose 19,5) Gott, dem Gründer der Erde (V 2), und keinem anderen Grundherrn gehört die Erde. Sein Eigentum sind deshalb auch „der Erdkreis und die ihn bewohnen“, der Boden und die darauf siedeln. Kanaan, das Siedlungsland, war ja eine Gabe Gottes, der bereits Abraham versprochen hatte: „Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land...“ (1.Mose 15,18) Hier durfte Israel sesshaft werden. Aus Nomaden wurden Ackerbauern. Die Einrichtung des Sabbatjahrs sollte jedoch weiterhin deutlich machen, dass der Ackerboden im Eigentum Gottes bleibt und nicht schrankenloser Nutzung durch die Menschen anheim fallen darf. Nach jeweils 6 Jahren wurde eine „Feierzeit“, ein Ruhejahr, für Äcker und Weinberge eingeschaltet. Es durfte weder gesät noch beschnitten noch geerntet werden. Was der Boden während des Ruhejahres an Essbarem hervorbrachte, kam auch den Sklaven, den Tagelöhnern, den Beisassen und nicht zuletzt dem Vieh und den Wildtieren zu (3. Mose 25,2-7). Mit dem Ruhejahr setzt Gott der rücksichtslosen Nutzung oder gar Übernutzung des Bodens eine Schranke. Zugleich wird das Volk Israel zu einem schonenden und sozial ausgleichenden Umgang mit Grund und Boden angeleitet. Hat aber Israel die Sabbatjahre überhaupt je eingehalten? Und wenn ja, über welche Zeiträume hinweg? Wir wissen es nicht. Dass sich die Einrichtung auf Dauer nicht durchsetzen konnte, ist leicht erklärbar. Nie sind wir Menschen um Argumente verlegen, die unser Handeln rechtfertigen, auch wenn wir uns dabei über Gottes Weisheit hinwegsetzen. Fast unauffällig ist der Herr der Erde enteignet worden, wurde sein Boden der totalen Verfügungsmacht der Menschen preisgegeben. Die Schadenwirkungen werden heute immer sichtbarer und spürbarer. Immer dringlicher wird, die Erde vor uns selber, den Menschen, zu schützen. 2 Noch radikaler als das Sabbatjahr war die Vorstellung des Hall- oder Jobeljahres! Nach 7x7 Jahren sollte das 50. Jahr Gott geweiht und „Befreiung“ ausgerufen werden „im Land für all seine Bewohner“. „Und jeder von euch soll wieder zu seinem Besitz kommen und jeder soll zurückkehren zu seiner Sippe.“ (3. Mose 25,10) In diesem 50. Jahr sollte nicht nur nicht gesät noch beschnitten oder geerntet werden, auch sämtliche Landverkäufe der vorhergehenden 50 Jahre sollten wieder rückgängig gemacht werden! So sollte der Landbesitz als Ernährungsgrundlage der Familien langfristig gesichert werden. Natürlich mussten die Kauf- oder eher wohl Pachtpreise für Grundstücke bei dieser Regelung nach der jeweiligen Ferne oder Nähe des Halljahres errechnet werden (3. Mose 25,14-17). Die Bodenreform in 50jährigen Intervallen sollte verhindern, dass einige Menschen Großgrundbesitzer werden und viele andere wirtschaftlich abhängig und besitzlos. Und so ordnete Gott an: „Das Land aber darf nicht für immer verkauft werden, denn das Land gehört mir, und ihr seid Fremde und Beisassen bei mir.“ (3. Mose 25,23) Hat Gottes Volk sich an diese Weisung gehalten? Zweifel sind angebracht. Dennoch bleibt die Aussage der Bibel gültig, dass das Land unter unseren Füßen, Werkzeugen und Maschinen „Gott gehört“ (V 1), dass wir an ihm letztlich nur Nutzungs-, jedoch keine Eigentumsrechte haben. o Zu Gast auf Gottes Erde „Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und die ihn bewohnen“. Gott ist der rechtmäßige Besitzer von allem und von allen, auch von Dir und mir. Wir sind nicht Besitzer, sondern „Beisassen“, Gäste auf der Erde. Wir produzieren unser Leben nicht. Wir verfügen nicht darüber. Alles ist ein Geschenk. Uns zum Gebrauch überlassen. Wie leben wir als Gäste? Wie nutzen wir, was Gott uns zum Gebrauch überlässt? Jeder Mensch hinterlässt Spuren in der Umwelt, seinen eigenen ökologischen Fußabdruck. Dieser Fußabdruck spiegelt den persönlichen Energie- und Rohstoffverbrauch wider. Wer mag, kann seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck bestimmen. In einem Programm im Internet kann man Fragen zu den eigenen Lebensgewohnheiten beantworten. Aufgrund der Antworten sagt einem das Programm, wie viele Erden gebraucht würden, wenn jeder Mensch soviel Energie verbrauchen würde wie man selbst. Bei einer Weltbevölkerung von mehr als 6 Milliarden Menschen würden wir 2,4 Erden benötigen, wenn jeder Mensch so leben würde wie der durchschnittliche Deutsche (www.econautix.de). Die Bemessung des eigenen Fußabdrucks ist spielerisch. Und doch macht sie nachdenklich. Leben wir als Gäste angemessen auf Gottes Erde? VW baut einen 1000-PS-Bugatti, der 407,5 km/h läuft. Zugleich weist Greenpeace weist darauf hin, dass der CO-Ausstoß der verkauften Neuwagenflotte von VW im Zeitraum von fünf Jahren nicht etwa gesunken, sondern gestiegen ist - von 162,5 g/km im Jahr 2002 auf 166,7 g/km 2007.2 Haben wir Europäer, haben Amerikaner und Japaner die Prioritäten in der Forschung richtig gesetzt? o Das Haus der Welt „Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und die ihn bewohnen“. Das ist eine Verurteilung unseres Gebrauchs und Missbrauchs des Reichtums und der Bodenschätze, die uns geschenkt sind. Wir leben als Gäste Gottes in dem großen Haus der Welt, stehen in Beziehung zu allen anderen Gästen, sind voneinander abhängig. Wenn in Hamm ein abgeschaltetes Kernkraftwerk steht oder ein neues Kohlekraftwerk gebaut wird, dann hat das nicht nur Auswirkungen auf uns hier in Hamm sondern es hat weltweite Auswirkungen. 3 Bereits in den 1960er Jahren hat Martin Luther King gefordert: "Wir müssen eine Weltperspektive entwickeln." Und führte aus: "Es läuft wirklich darauf hinaus: dass alles Leben miteinander in Wechselbeziehung steht. Wir sind alle in einem unentrinnbaren Netz der Gegenseitigkeit gefangen, in eine einzige Hülle des Schicksals gebunden. Was immer einen direkt betrifft, betrifft indirekt alle. Wir sind dafür geschaffen, zusammenzuleben, das liegt an der ineinandergreifenden Struktur der Wirklichkeit.“ Und fragt: „Hast du dir je darüber Gedanken gemacht, dass du des Morgens nicht zur Arbeit gehen kannst, ohne vom größten Teil der Welt abhängig zu sein? Du stehst morgens auf und gehst ins Badezimmer und greifst nach dem Schwamm, und er wird dir von einem Inselbewohner aus dem Pazifik gereicht. Du greifst nach einem Stück Seife, und du empfängst sie aus den Händen eines Franzosen. Und dann gehst du in die Küche, um deinen Morgenkaffee zu trinken, und den schenkt dir ein Südamerikaner ein. Und vielleicht willst du Tee: den schenkt dir ein Chinese ein. Oder vielleicht hast du gern Kakao zum Frühstück, und den schenkt dir ein Westafrikaner ein. Und dann streckst du die Hand nach deinem Toast aus - und der kommt aus den Händen eines englisch-sprechenden Farmers, vom Bäcker nicht zu reden. Und ehe du am Morgen dein Frühstück beendet hast, bist du schon von mehr als der halben Welt abhängig gewesen." Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zitiert auf seiner Homepage Martin Luther King: „Wir müssen erkennen, dass das Morgen in unserem Heute liegt“ und macht deutlich, was wir heute tun können: Fair einkaufen - durch unsere Kaufentscheidungen können wir unmittelbar Einfluss nehmen auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der lokalen Erzeuger wie auch der Menschen in Entwicklungsländern. Fair reisen statt verreisen - indem wir fair reisen können wir als Urlauber dazu beitragen, dass auch die Armen vom Tourismusboom in ihren Ländern profitieren. Faire Finanzanlagen - als Anleger können wir Einfluss nehmen auf das Handeln von Unternehmen, indem wir fragen, was mit unserem Geld passiert und wofür es genutzt wird. Als Bürger können wir Einfluss nehmen auf die öffentlichen Ausgaben, indem wir beobachten und nachfragen, ob sie unsere Verbundenheit mit allen Menschen dieser Erde angemessen zum Ausdruck bringen. Ein Beispiel, wie ein einzelner seine Verbundenheit mit anderen Gästen dieser erde zum Ausdruck bringen kann, liefert der ehemalige US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter. Er will in diesem Monat für eine Woche zusammen mit seiner Frau (beide sind über 80 Jahre) beim Bau von Häusern für bedürftige Familien in Asien mithelfen. Zusammen mit rund weiteren 3.000 Freiwilligen wollen sie in Thailand, Kambodscha, Vietnam, Laos und China 166 Häuser errichten. „In einem Gebiet, in dem so viele Menschen unter dermaßen beklagenswerten Bedingungen leben, haben wir die Möglichkeit, ihre Wohnsituation immens zu verbessern“, sagt Carter. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen lebt jeder vierte Bürger der Erde in schlechten und gesundheitsgefährdenden Wohnverhältnissen. Das christliche Hilfswerk „Habitat for Humanity (Lebensraum für die Menschheit) will dies ändern und hat seit seiner Gründung 1976 nach eigenen Angaben bisher mehr als 300.000 Häuser gebaut und damit über 1,5 Millionen Menschen geholfen. o Aus der Sicht von Advent „Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und die ihn bewohnen“. In vier Wochen wird uns der Psalm 24 wird wieder begegnen, am ersten Advent, dann mehr mit den letzten Versen, in dem Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Wir staunen darüber, dass der unendlich große Gott sich endlich und klein macht, auf die Welt kommt. In unsere Herzen einzieht, unspektakulär zwar und leise, aber erfahrbar, spürbar, wirksam. Und wir begreifen mit diesem Psalm, Jesus kommt nicht in ein fremdes Hoheitsgebiet sondern in sein Eigentum. Ihm gehört die Erde und die sie bewohnen. Als von Christus erlöste und von Gottes Geist neu geborene Menschen, als Neuschöpfung Gottes, sehen wir die Schöpfung mit neuen Augen. Wir sehen die Welt als Schöpfung unseres himmlischen Vaters und als Bereich seiner Herrschaft. Wir wollen dankbar annehmen, was uns von ihm geschenkt wird, gratis. Und wollen in Verantwortung vor unserem himmlischen Vater mit den uns anvertrauten Ressourcen haushalten und unsere Verbundenheit mit allen Gästen dieser erde angemessen zum Ausdruck bringen. Peter Arpad · Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hamm · 01.11.2009 4 |