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12. Januar 2026
Leitvers 13: „Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.“
Jeder von uns hat etwas von seiner Kindheit zu erzählen. Ich empfehle jedem von euch, ein Buch über seine Geschichte zu schreiben. Solch eine Geschichte kann für eure Kinder und Familienangehörigen ein gutes Geschenk werden.
Die Kindheitsgeschichte Jesu in diesem Kapitel ist kurz. Sie ist aber interessant und lehrreich. Sie ist vor allem deshalb wichtig, weil sie ein Bestandteil des Evangeliums ist, also ein Bestandteil der guten Nachricht unserer Rettung ist. Denn sie zeigt uns, wer Jesus ist, weshalb er in unsere Welt gekommen ist und wie Gott ihn geschützt hat, damit er seine Lebenskrise überwand, aufwuchs und seine göttliche Aufgabe als unseren Retter erfüllen konnte. Darum ist seine Kindheitsgeschichte ist mit unserer Rettung untrennbar. Deshalb wollen wir aus dankbarem Herzen seine Kindheitsgeschichte kennen lernen
1. Flucht nach Ägypten (13-15)
Jesus Christus wurde vor etwa 2030 Jahren geboren, als Herodes der Große der König in Israel war. Dieser war ein Nachkomme Esaus, also einer der Edomiter. Esau war Jakobs Zwillingsbruder. Jakobs Nachkommen heißen dagegen Israeliten. Herodes eroberte mit römischer Unterstützung 37 v. Chr. Jerusalem und entmachtete die bis dahin regierende Familie der Hasmonäer von Makkabäern. Makkabäer waren die priesterlichen Geschlechter der Israeliten. Diese Makkabäer hatten alle Edomiter beschneiden lassen. Aber Herodes hatte Minderwertigkeitskomplexe gegenüber Israeliten, weil er ein Edomiter war. Er baute den Jerusalemer Tempel wieder, um sich als einen frommen König über Juden darzustellen und seinen Minderwertigkeitskomplex zu verheimlichen. In Wirklichkeit glaubte er aber nicht an Gott.
Da kamen die Weisen aus dem Morgenland und fragten ihn, wo das Christuskind geboren war. Er selbst wusste nicht, wo das Christuskind geboren war. Darum fragte er die Bibelgelehrten, wo das Christuskind geboren werden sollte. Dabei stellte er sich so vor, als wäre er fromm, und fragte sie, wo das Geburtshaus Christi sei, damit er auch hingehen und das Christuskind anbeten würde. Die Bibelforscher sagten zu ihm, dass Christus in Bethlehem geboren werde. Da sagte er zu den Weisen, dass sie ihm Bescheid sagen mochten, wo das Christuskind sei, wenn sie es gefunden haben.
Herodes wartete und wartete auf die Weisen. Aber die Weisen kehrten nicht zu Herodes zurück, sondern kehrten dem Befehl Gottes folgend auf einem andern Weg in ihr Heimatland zurück. Herodes wurde wütend und schickte seine Soldaten nach Bethlehem, um alle Babys von Neugeborenen bis Zweijährigen zu töten. Er war ein verrückter Mörder.
Gott aber wusste schon über die böse Absicht des Herodes. Darum schickte Gott seinen Engel zu Josef. Dieser erschien Josef im Traum und gab ihm Gottes Anweisung weiter, mit dem Christuskind und Maria nach Ägypten zu fliehen. Ägypten war damals ein gutes Fluchtziel, denn es war von Bethlehem nur etwa 100 km entfernt und die Herrschaften in Ägypten waren gegenüber Herodes gar nicht freundlich gesinnt.
Josef stand also gleich auf, nahm das Christuskind und Maria noch in der Nacht mit und floh nach Ägypten. Josef konnte während der Flucht die Geschenke der Weisen für die Aufwendungen der Reise gut gebrauchen. Gottes Fürsorge war perfekt.
Obwohl Josef ein armer Zimmermann war, war er doch ein guter Vater für das Christuskind und ein guter Ehemann für Maria. Er tat sein Bestes, um das Christuskind und seine Frau zu schützen.
Wir sollen hingabevolle Eltern wie Josef und Maria hochschätzen, selbst wenn sie arm wären.
Äußerlich gesehen war Herodes scheinbar ein mächtiger König. Dagegen war das Christuskind ein hilfloses Baby. Aber in Wirklichkeit war Herodes nur ein sterblicher Mensch und Christus dagegen der ewige, wahre König. Wie töricht war der Versuch des Herodes, gegen den Christus aufzulehnen!?
Wir sollen zwischen dem Schein und der Wirklichkeit unterscheiden. Wir sollen einen scheinbar mächtigen oder reichen Menschen wie Herodes nicht beneiden. Wir sollen uns nicht für den Weg des Herodes entscheiden, sondern für den Weg des Herrn, obwohl dieser Weg manchmal ärmlich und beschwerlich aussehen würde.
Warum ließ Gott aber seinen Sohn als Flüchtling leiden? Der Hebräerbrief 4,15-16 gibt uns die Antwort: „…der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns mit Zuversicht hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“
Gott wollte, dass Christus Armut, Hilflosigkeit und Tod erleidet, damit alle Menschen, die sich in Not oder Schwierigkeiten befinden, auf Christus hoffen. Er versteht unsere Not gut und hilft uns sicher.
Ich und Esther besuchten vor ca. 10 Jahren unser neugeborenes Enkelkind in Chicago. An einem Abend wurden wir von Missionar Abraham Park und Grace Park, die früher in Jongno-UBF in Seoul mitgearbeitet hatten und als Missionare nach Chicago gekommen waren, zum Abendessen eingeladen. Dieses Ehepaar ist etwa gleich alt wie ich und Esther oder etwas älter. Grace Park erzählte uns, wie sie in den USA wegen der Armut und wegen der Krankheit ihres Sohnes gelitten hatte. Sie hat fünf Kinder. Einer ihrer Söhne wurde durch die Schilddrüsenoperation dermaßen schlimm, dass er seitdem im Bett des Pflegeheims liegenbleiben muss. Sie fährt jede Woche zweieinhalb Stunden lang hin, um ihn zu besuchen. An einem Wintertag während der Fahrt zu ihrem Sohn hatte sie einen großen Unfall. Dieses Ehepaar musste viel leiden, um seine 5 Kinder zu erziehen und in den USA zu überleben.
Trotz solcher Schwierigkeiten dienen sie dem Herrn hingabevoll. Missionar Abraham Park ist in letzter Zeit Pastor geworden. Er will irgendwie das Evangelium aktiv verbreiten. Missionarin Grace lädt Leute gerne zum Glauben ein. Ich wurde durch sie sehr berührt. Ich denke, dass das Ehepaar viel Herz und ein gutes Verständnis für leidende Menschen hat. Gott wird das Ehepaar und ihre Kinder reichlich segnen.
Jesus Christus ist König der Könige. Aber er wurde in einer armen Zimmermannsfamilie geboren und erlebte Armut und Notsituationen. Er wurde sogar am Kreuz genagelt und erlebte einen entsetzlichen Tod. Er versteht uns gut und kann uns aus der schlimmsten Not helfen. Wir sollen diesen Jesus als unseren Christus annehmen.
2. Kindermord des Herodes (16-18)
Zunächst verheimlichte Herodes seine böse Absicht, das Christuskind zu ermorden. Er wartete darauf, dass die Weisen zu ihm zurückkamen. Aber sie kamen nicht zurück. Herodes wurde wütend und schickte seine Soldaten nach Bethlehem und ließ alle neugeborenen oder kleinen Kinder unter zwei Jahren in Bethlehem und in der Umgebung umbringen. Wie schrecklich! Die Eltern der getöteten Kinder waren entsetzt.
Heute herrscht im Iran Chaos, weil Ayatollah Khamenei die iranische Bevölkerung, die ihre Stimme gegen seine Diktatur und die explodierenden Lebensmittelpreise erhoben hat, brutal unterdrückt und tötet. Die deutsche Nachrichtensendung „Tagesschau“ berichtete heute (12. Januar 2026), dass mehr als 500 Iraner getötet wurden. Auf YouTube kursieren Videos von Müttern, die den Verlust ihrer Töchter und Söhne beklagen.
Matthäus, der Verfasser dieses Evangeliums, sah in der grausamen Tat des Herodes nicht nur eine entsetzliche Gräueltat, sondern auch eine Erfüllung der Prophetie durch den Propheten Jeremia. Prophet Jeremia wirkte von 626 bis 585 v. Chr. Er sagte in seinem Buch Jeremia 31,15:
„In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen“ (Vers 17).
Rahel war die geliebte Frau Jakobs. Sie starb bei der Entbindung ihres letzten Kindes Benjamin in Bethlehem und wurde dort begraben (Gen 35,19).
Jeremia stellt diese Rahel als lebendig dar: Rahel weint über Israel und Juda, weil Israel durch Assyrien 721 v. Chr. untergegangen ist und Juda danach durch Babylon untergehen würde. Und tatsächlich unterging Juda 539 v. Chr. durch Babylon.
3. Rückkehr nach Nazareth (19-23)
Josef wollte mit Christuskind und Maria möglichst schnell nach Israel zurückkehren. Wie sah die Situation in Israel aber aus?
Herodes der Große ließ in seinen letzten Jahren über dem Eingang des Tempels einen goldenen Adler aufstellen. Das fanden aber die frommen Juden als die Übertretung des Verbotes des Götzenbildes in den Zehn Geboten (Exodus 20,4). Damals waren zwei Rabbis in Jerusalem hoch angesehen. Die beiden Rabbis ermutigen ihre Schüler, den goldenen Adler vom Tempel zu entfernen. Daraufhin stiegen einige ihrer Schüler auf das Dach des Tempels, begannen mit der Axt, den goldenen Adler zu entfernen, und wurden von den Soldaten verhaftet. Herodes machte zwei Rabbis dafür verantwortlich und ließ sie töten und unwürdig beerdigen. Kurz danach starb Herodes, und sein Sohn Archelaus wurde König über Judäa und Samaria.
Und das jüdische Volk war über die Tötung der beiden Rabbis wütend, sodass beim Passafest ein Aufruhr entstand. Da ging Archelaus grausam vor und ermordete 3000 Juden. Daraufhin beschwerten sich die jüdischen Ältesten bei den Römern über ihn. Und die Römer entmachteten ihn nach 9 Jahren seiner Regierungszeit und verbannten ihn nach Gallien, also in das heutige Frankreich.
Gehen wir zum Text zurück. Ab Vers 19 steht: Als Herodes der Große gestorben war, erschien der Engel des Herrn Josef im Traum in Ägypten und sagte: „Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel zurück, denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben.“
Josef gehorchte dem Wort Gottes und zog mit Kind und Maria nach Israel zurück. Unterwegs hörte er aber, dass der gefürchtete Archelaus der neue Herrscher von Judäa und Samaria geworden war. Darum hatte er Angst davor, nach Judäa zu ziehen. Und Gott befahl ihm im Traum, nach Galiläa zu ziehen. Josef gehorchte Gott, zog nach Galiläa und wohnte in einer Stadt namens Nazareth. So wurde die Prophetie erfüllt: „Er wird Nazoräer heißen.“
Jesus Christus wurde als ein Kind hilfloser, armer Eltern geboren. Und seine Eltern mussten mit kleinem Jesus vor Herodes nach Ägypten fliehen. Danach wagten sie es nicht, mit ihm nach Bethlehem zurückzukehren, sondern zogen nach Nazareth in Galiläa. In Nazareth mussten seine Eltern Jesu Geburtsort verheimlichen. Jesus wuchs also in Nazareth auf und wurde ein Zimmermann. So wurde er als ein armer Zimmermann aus Nazareth bekannt (s. Joh. 1,46).
In der Welt wird der äußere Erfolg groß geschrieben. Man beneidet erfolgreiche Menschen wie Herodes den Großen oder Archelaus. Dagegen schätzt man arme, hilflose Menschen wie Kind Jesus und seine Eltern gering. Leider sehen die meisten Menschen der Welt arm oder bedeutungslos aus wie das Kind Jesus und seine Eltern. Und scheinbar erfolgreiche, reiche oder mächtige Menschen sind zahlenmäßig sehr wenig. So ist die Welt.
Der Schein aber betrügt uns. Obwohl Jesus Christus arm und hilflos aussah, ist er doch der mächtigste Mann des Universums, denn er ist Gott. Aber er kam nicht als ein mächtiger Mensch in die Welt, sondern als ein armes Kind der armen, hilflosen Eltern. Vor dem mächtig scheinenden Herodes musste er mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen. Und aus Furcht konnte er nicht nach seiner Heimat zurückkehren, sondern nach Nazareth kommen und dort wohnen. So erlebte er die Schwachheit und Armut der Menschen ganz persönlich.
Wir sollen uns hier an das Wort aus Hebr 4,15 erinnern: „Wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid mit unserer Schwachheit haben könnte, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.“
So hat Jesus Christus volles Verständnis für unsere Schwachheit und unsere Verlorenheit. Aus Verständnis unserer Schwachheit gab er sich sogar hin, um uns zu erlösen.
Vielleicht kann jemand fragen: „Kann der allmächtige Gott, für den es keine unüberwindbaren, unlösbaren Probleme gibt, uns Menschen, die alles andere als super, vollkommen und weise sind, überhaupt verstehen? Ist Gott für uns Menschen nicht unnahbar, unerreichbar? Erscheinen ihm nicht unsere Nöte, Schwierigkeiten und Verzagtheiten letztlich unwichtig und unverständlich? Sind nicht all unsere Probleme und unser Kummer für ihn lächerlich, denn der große Gott könnte sich nicht mitfühlen?[1]“
Nur ein armer, gelittener Mensch kann arme, leidende Menschen wirklich verstehen. Auch Gott war derselben Meinung.
Vor einigen Jahren bemühte ich mich, Ameisen vom Balkon zu beseitigen. Dabei habe ich mir gedacht: „Hätte ich die Ameisen verständigen können, hätte ich mir diese Mühe ersparen können und zu den Ameisen sagen können: „Hallo, Ameisen! Verlasst den Balkon! Sonst muss ich euch beseitigen.“
Aber weil ich nicht Ameisen bin, konnte ich die Ameisen nicht verständigen.
Aber Gott wurde wie wir, um uns zu verstehen. Er wurde ein Mensch und litt unter Armut und Not. Dieser Jesus kann sich in unsere hilflose Lage hineindenken, sich in unsere Gefühle und Gedanken hineinversetzen und uns verstehen. Gott machte unsere Probleme, unsere Freude, unser Leid zum eigenen Anliegen. So sagt die Bibel: „Gott wurde Mensch und wohnte unter uns“ (Joh. 1,14a).
So kam Gott als armer, schwacher Mensch auf diese Erde und wohnte unter uns. Obwohl Jesus Gott war, bestand er nicht auf seinem Recht, in der Herrlichkeit zu wohnen. Vielmehr verzichtete er darauf und wurde ein armer Mensch wie wir. Gott wurde ein wahrer Mensch und ein wahrer Gott. Und er wurde einmal ein Flüchtling und Fremdling. Er musste als armer, unbedeutender Zimmermann leben. Das ist die erstaunliche Botschaft. Wir sollen diesen Jesus als unseren Christus herzlich annehmen und die himmlische Gemeinschaft genießen. Gott segne euch und eure Gemeinschaft mit Christus!
[1] http://www.nowakpredigtbuch.de/28.htm
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